Bloß nicht zu früh freuen! Aber der nachstehende, dem Haushartsausschuss vorgelegte Bericht von Verkehrsstaatssekretärin Maria Krautzberger vom 12. Januar 2004 erlaubt die Hoffnung, dass sich das Abgeordnetenhaus von Berlin tatsächlich einmal gegen Verkehrssenator Peter Strieder durchsetzen kann und schon bald die vom Senator Anfang 2003 gestoppten #Bauarbeiten an der zweiten #Straßenbahn-Trasse zum #Alexanderplatz fortgesetzt werden können.
Für #Bauprojekte in #Adlershof, #Schöneweide und #Baumschulenweg wird die Deutsche Bahn tief in die eigene Tasche greifen – und in die des Bundes, des Landes Berlin und von Brandenburg. Insgesamt werden in den kommenden Jahren etwa 350 Millionen Euro fließen, mit denen zwölf #Brücken und zwei Bahnhöfe im Südosten erneuert werden. Gleise sind auszuwechseln, alte #Stellwerke durch computergesteuerte zu ersetzen. „Die #Grunderneuerung ist erforderlich, damit in den nächsten 60 Jahren ein zuverlässiger Betrieb gewährleistet wird“, sagt Michael #Baufeld, Sprecher der DB #Projektbau GmbH, die von ihrer Muttergesellschaft mit dem Management des riesigen Unterfangens beauftragt ist. Es soll von 2006 bis 2009 in die Tat umgesetzt werden.
Die BVG sucht verzweifelt nach Wegen aus dem #Schuldenloch. Dabei wird sie mit Vorgaben aus der Vergangenheit konfrontiert, die die Sanierung weiter erschweren können. Sie kann nicht einmal mehr frei über alle ihre #Fahrzeuge verfügen, weil sie ihr nicht mehr gehören. Zahlreiche #Straßenbahn- und #U-Bahn-Fahrzeuge befinden sich formal in #US-Eigentum und sind nur noch gemietet – nach dem so genannten #Cross-Border-Leasing-Verfahren. Was vor Jahren für viele Kommunen ein wunderbarer #Goldesel war, ist inzwischen heftig umstritten.
Die hoch verschuldete BVG ist jetzt sogar bereit, einige ihrer modernsten #Straßenbahnen zu #verkaufen, die erst ein Jahr alt sind. Zudem will das Unternehmen ältere Fahrzeuge, die noch aus DDR-Zeiten stammen, nach #Wolgograd veräußern. Entscheidungen sind aber noch nicht gefallen.
Den #Verschlechterungen im Berliner #Nordnetz im Dezember 2003, mit vermehrten #Umsteigezwängen und #Taktausdünnungen im #Pankower Bereich (siehe Signal 6/2003 ), sollte nach Planungen der BVG wenigstens eine kleine Verbesserung im Raum #Weißensee entgegenstehen, nämlich die Durchbindung der Buslinie #158 von #Buch über Pasedag- und #Ostseeplatz zum #S-Bahnhof #Prenzlauer Allee. Diese bereits in den neuen Kursbüchern veröffentlichte und auch im Signal 6/2003 gelobte Maßnahme musste kurzfristig von der BVG rückgängig gemacht werden, da der Verkehrssenator die Genehmigung für diese #Linienführung verweigerte und darauf bestand, dass die Linie 158 am Ostseeplatz endet, also drei Minuten vor Erreichen des eigentlich relevanten Ziels, dem S-Bahnhof Prenzlauer Allee. Als Grund dient die Senats-Befürchtung, Busfahrgäste aus dem Bereich Buch/Karow könnten in diesem Bus verbleiben und die Umwegfahrt über Weißensee zum S-Bahnhof Prenzlauer Allee vorziehen, anstatt, wie vom Verkehrssenator gewünscht, in #Heinersdorf Kirche zunächst in die #Straßenbahn-Linie 1 umzusteigen und mit dieser, auf direktem Weg, zum S-Bahnhof Prenzlauer Allee zu fahren.
Bereits 1882 fuhr in Halensee der erste Obus der Welt. Weitere Linien waren die von #Niederschöneweide nach #Johannisthal (1904 bis 1905) und in #Steglitz (1912 bis 1914). Während die Anlage in Niederschöneweide wegen technischer Schwierigkeiten wieder abgebaut werden musste, war die Steglitzer Anlage, wie die Spandauer, in ihrer Zeit sehr fortschrittlich. Eine weitere traurige Gemeinsamkeit: Kriege beendeten ihre weitere Entwicklung.
Nachdem die Pläne für den Umbau im Bereich Ostkreuz/Warschauer Straße im Herbst 2002 öffentlich ausgelegt worden waren (vergleiche SIGNAL 6/2002 , Seite 16), fand ab 15. September 2003, ein halbes Jahr später als geplant, die #Anhörung aller Behörden und Verbände statt, die sich 2002 schriftlich geäußert hatten. Über die Planungen ist bereits vieles geschrieben worden, deshalb geben wir nachfolgend wiur noch einmal einen kurzen Überblick über die für die Berliner Fahrgäste wichtigsten Maßnahmen.
Die zweite #Straßenbahn-Strecke zum #Alexanderplatz muss gebaut werden. Sie verkürzt für tausende Fahrgäste die Fahrzeit, bringt der BVG somit mehr Fahrgäste und mehr Einnahmen und senkt zugleich die Betriebskosten der BVG. Ein wahres Wunderwerk. Und dennoch hat Verkehrssenator Peter Strieder diesen Neubau für unbestimmte Zeit auf’s Abstellgleis geschoben.
Die #Straßenbahn bleibt ein Verkehrsmittel für den #Ostteil der Stadt. Pläne für eine flächenweite Rückkehr auch in westliche Bezirke würden nicht weiter verfolgt, sagte gestern Straßenbahnchef Wolfgang #Predl. Nur kleine #Netzergänzungen werde es noch geben. Das vorhandene Netz wird jedoch weiter #modernisiert. Noch in diesem Jahr will die BVG bis zu 100 neue elektronische #Anzeigetafeln an Haltestellen aufstellen, die den Wartenden zeigen, wann die nächste Bahn kommt. Bei der #U-Bahn ist dieses Dynamische Auskunfts- und Informationssystem (#Daisy) bereits eingeführt.
LEISTUNGEN EINSCHRÄNKEN, PERSONAL ABBAUEN – WOHIN STEUERT DIE BVG?
#Abspecken soll vor allem die zentrale #Verwaltung. Von etwa 1300 Mitarbeitern sollen nach derzeitigem Stand 619 übrig bleiben. Diese Zahl sei allerdings willkürlich berechnet worden, um eine vorgegebene #Kosteneinsparung zu erreichen, bemängelt Uwe #Nitzgen, der #Gesamtpersonalratsvorsitzende der BVG. Eine exakte #Personalbedarfsplanung habe es nicht gegeben. Ähnlich kritisiert Frank Bäsler von der Gewerkschaft #Verdi diesen Plan „Verwaltung 500“. So lange man nicht wisse, welche Leistung die BVG in Zukunft bieten werde, könne man sich auch nicht auf eine Zahl für die erforderlichen Mitarbeiter festlegen. Zudem sei es falsch, nur auf die #Personalkosten zu starren. Der Verlust der BVG werde auch durch andere Faktoren beeinflusst.