Baustelle nervt noch bis Montag Fahrgäste und Autofahrer Peter Neumann
Berlin – Stahlbauer, Kranführer und Bauleute waren am Freitag die Stars auf der gesperrten Kreuzung Bornholmer Straße/Schönhauser Allee. Vor zahlreichen Schaulustigen setzten zwei Kräne einige Stunden früher als geplant die zweite Hälfte der neuen U-Bahn-Brücke an ihren Platz. 170 Tonnen Stahl, von einem Genthiner Unternehmen zusammengeschraubt und -geschweißt, schwebten durch die Luft. Die Betroffenen der Straßensperrung konnten die Begeisterung jedoch nicht teilen: Die Nutzer des Schienenersatzverkehrs (SEV) und Autofahrer klagten über weite Umwege und Fahrzeitverlängerungen. Wer die Baustelle im SEV-Bus umfahren will, muss eine Rundfahrt durch …
Im Frühjahr 1945 hat der Krieg die Stadt längst erreicht. Am 19. April, 5.29 Uhr, wird die Oderbrücke von der Wehrmacht gesprengt. Das Aus auch für die Straßenbahn, die von der nördlichen Großen Oderstraße/Rathaus über die Oderbrücke bis zum Ostmarkstadion fuhr. Nach Kriegsende werden bis zum 28. September 1945 alle übrigen Innenstadtstrecken der Straßenbahn schrittweise wieder in Betrieb genommen. Uwe Lademann, der sich mit der Geschichte der Tram in Frankfurt beschäftigt: „Die Linie 2 (nach einem Linientausch 1947 dann die 1) fuhr damals in einer großen Schleife vom heutigen Platz der Republik kommend durch die Regierungsstraße und Große Oderstraße zur Endhaltestelle Rathaus/Markt und von dort durch die Jüden- und Wollenweberstraße zurück. Die ehemalige Jüdenstraße ist heute durch den Experimentalbau überbaut.“ Das jetzt gefundene Gleis in der Priestergasse diente den Ausfahrten aus dem …
Das Berliner Straßenbahnnetz soll weiter wachsen – dank der S-Bahn. Nach dieser Formel wollen die Linken einen großen Teil des Geldes investieren, das der Senat wegen der Ausfälle bei der S-Bahn in diesem Jahr einbehalten wird. „Wir setzen uns dafür ein, dass die eingesparten Mittel bislang nicht finanzierbaren Nahverkehrsprojekten mit einem großen langfristigen Nutzen zugute kommen“, sagte Jutta Matuschek, haushalts- und verkehrspolitische Sprecherin der Linken, der Berliner Zeitung. Darum sollte geprüft werden, ob die Planung und der Bau neuer Straßenbahnstrecken vorgezogen werden könnten. Sinnvoll wäre es zum Beispiel, die projektierte Trasse zum Hauptbahnhof weiter nach Westen bis zur Turmstraße zu verlängern. Auch die Straßenbahnanbindung des Ostkreuzes habe Priorität. An erster Stelle steht bei Matuschek allerdings die Strecke vom Alexanderplatz über Leipziger Straße und Potsdamer Platz zum …
Die Uferbahn zwischen Grünau und Schmöckwitz zählt zu den schönsten Straßenbahnstrecken Deutschlands. Doch die reizvolle Trassierung hat ihren Preis. Denn der Wald an den Gestaden des Langen Sees, durch den der südliche Abschnitt der Linie 68 führt, gehört zum Wasserschutzgebiet Friedrichshagen. Die erforderlichen Vorkehrungen zum Schutz des Grundwassers würden bei einer Streckensanierung die Kosten nach oben treiben. Diese wird bald fällig: 2011 oder 2012 muss die Trasse instand gesetzt werden, sagte Straßenbahndirektor Klaus-Dietrich Matschke von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) der Berliner Zeitung. Die Strecke im grünen Südosten verläuft durch ein sensibles Gebiet. Rund 400 Meter befinden sich in der Trinkwasser-Schutzzone III A des Friedrichshagener Wasserschutzgebietes, knapp zwei Kilometer in der Schutzzone II, erläuterte Dirk Heinrichs von der Senatsverwaltung für Umwelt. Noch hat die Bahntrasse …
POTSDAM / BABELSBERG – „Taggen kann jeder … Kunst bedarf Übung“, prangt es in orangefarbenen Lettern am hinteren Teil des Tatra-Straßenbahnwaggons. Gestern wurde der auffällige Wagen beim Verkehrsbetrieb in Potsdam (Vip) offiziell in die Spur geschickt. Gestaltet haben ihn Jugendliche der Käthe-Kollwitz-Oberschule in Kooperation mit dem Vip und Graffiti-Künstlern vom Potsdamer Proffiti e.V. Der Spruch bringt das Anliegen des Projektes gut zum Ausdruck. Einerseits geht es um eine Warnung vor wahlloser Sprayerei als Sachbeschädigung und um Aufklärung über Vandalismus-Formen. Andererseits soll die Öffentlichkeit für Graffiti als Kunstform sensibilisiert werden. Die Bilder und Sprüche der Kollwitz-Absolventen sind die Ergebnisse eines Arbeitsprozesses, der im Herbst 2008 mit Workshops begann. Die Motive auf der Bahn sind Potsdamer Autofahrern schon vertraut. Sie zieren seit Monaten eine Lärmschutzwand beim Stern-Center. Die zuvor immer wieder beschmierte …
Frankfurt (Oder) (MOZ) Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) hat eine Landesförderung für den Ausbau von Straßenbahnlinien in Aussicht gestellt. Denkbar sei die Zahlung von Landesmitteln sowohl für die Infrastruktur als auch für neue Technik, sagte Dellmann am Montag in Frankfurt (Oder). In der Oderstadt wird derzeit ein Neuanlauf zum Bau einer …
Der Beschluss IV-094/09 der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung sieht die Umstellung der Straßenbahnstrecken nach Schmellwitz-Anger und zur Jessener Straße auf Busbetrieb vor. Dies steht im krassen Widerspruch zur allgemeinen nationalen und internationalen Straßenbahn-Entwicklung. Wird der neue Fahrgastbeirat in die Lage versetzt werden, diesen Anachronismus städtischen Handels zu verhindern? Selbst die jeglichen Tram-Lobbyismus absolut unverdächtige WirtschaftsWoche (WiWo), ist auf die Straßenbahn umgestiegen und verweist in ihrer Ausgabe vom 05.08.2009 unter dem Titel „Das Comeback der Straßenbahn“ auf neue technische Möglichkeiten der Straßenbahn. „Vorbei die Zeiten, in denen Bürgermeister und Stadträte die einst rumpelnden Ungetüme von den Straßen verbannten, die Verkehrsplanung ganz aufs …
Klimaanlagen, niedrige Einstiege mit Klapprampen für Rollstühle, große Bildschirme für die Fahrgastinformation sowie viel Platz für Kinderwagen, Rollatoren und Fahrräder: Das zeichnet die neuen Straßenbahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aus. Zudem sind die Wagen bis zu 20 Zentimeter breiter als die heutigen Züge – und bei ihrer Gestaltung ließ sich das Designatelier IFS in Adlershof vom Bauhaus inspirieren. Jetzt hat die BVG 99 Serienfahrzeuge vom Typ „Flexity Berlin“ bestellt. Gestern unterzeichneten der BVG-Chef Andreas Sturmowski und Grego Peters von Bombardier Transportation den Vertrag, der ein Volumen von rund 300 Millionen Euro hat. Der Senat bezahlt. Vier Vorserien-„Flexitys“ rollen bereits durch Berlin. „Wir sind stolz, dass uns die Fahrgäste die Schulnote 1,6 gegeben haben“, sagte Peters. Nun kann die Serienproduktion anlaufen. Für den Rohbau zeichnet das Bombardier-Werk …
PETER NEUMANN freut sich über neue Straßenbahnen, doch neue Strecken gibt es leider kaum.
Zugegeben, die Schnapszahl lässt Zweifel keimen. Doch grundsätzlich ist es gut und richtig, dass die BVG 99 neue Straßenbahnen bestellt hat. Es hat lange genug gedauert, diese Investition durchzufechten. Einige Beteiligte erinnern sich noch mit einem gewissen Grausen an die Debatten mit ihrem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden, Finanzsenator Thilo Sarrazin, der sie mit seinen Urlaubserlebnissen konfrontierte: In Mailand habe er viele alte Straßenbahnen gesehen, die treu und brav ihren Dienst verrichten – warum brauche ausgerechnet das klamme Berlin neue Züge, noch dazu im Bauhaus-Stil? Glücklicherweise ließ sich der SPD-Politiker überzeugen, dass moderne Bahnen weniger Strom verbrauchen und seltener in die Werkstatt müssen als die alten „Tatra“-Züge der BVG. Der Senat zahlt nun die Anschaffung.
Doch ansonsten sieht die Straßenbahnbilanz des Senats eher mager aus. Neue Strecken? Fast Fehlanzeige! Im Frühjahr 2011 soll auf der Neubautrasse in der Wissenschaftsstadt Adlershof erstmals eine Bahn fahren. Und irgendwann, nachdem alle Anwohnerklagen gegen die Verbreiterung der Invalidenstraße ausgestanden sind (2012 oder 2013), wird auch der Hauptbahnhof ans Netz angeschlossen. Aber dann ist auf lange Sicht erst einmal Schluss. Der Weiterbau der U-Bahn-Linie 5 wird Geld sowie Planerkapazitäten für lange Zeit binden, obwohl Straßenbahnstrecken viel billiger zu bauen und auch zu betreiben sind.
Für Projekte, die in den USA oder Frankreich längst realisiert worden wären, gibt es nicht mal vage Planungen. Etwa für die Strecke vom Alexanderplatz via Potsdamer Platz nach Steglitz, die es den Fahrgästen dort ersparen würde, sich in vollen, langsamen Bussen ans Ziel zu quälen. Unter diesen Umständen wird die BVG schon froh sein müssen, wenn sie für die anstehende teure Grundinstandsetzung der Linie 68 von Grünau nach Schmöckwitz Geld vom Senat bekommt. Seite 17
Cottbus hat am Jahresanfang seinen Großstadt-Status verloren. Von der höchsten jemals erreichten Einwohnerzahl 1989 von über 134.000 sind reichlich 99.000 übrig geblieben, obwohl viele Orte/Gemeinden seit 1993 eingemeindet wurden. Viele Junge, gut Ausgebildete, insbesondere jüngere Frauen haben die Stadt verlassen und werden nicht wiederkommen. Dieser Trend setzt sich fort. Jedoch hat das prognostizierte Tempo offenbar zugenommen. Die Vorschauwerte der Bevölkerungsentwicklung bis 2010 zeichnen eine Kommune, die durch fortschreitende Überalterung der Einwohner gekennzeichnet ist. So werden z. B. Laut einer Prognose der Stadt Cottbus in 10 Jahren ca. 25% der Einwohner des Stadtteils Sandow 65 Jahre und älter sein. Einher geht dieser Prozess mit absinkender Kaufkraft. Unter diesen Gesichtspunkten kommt der Sicherung der Mobilität der Einwohner eine hohe soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung zu! Gerade in Städten wie Cottbus entsteht durch die eingangs genannten Faktoren in logischer Folge eine Erhöhung des Anteils dieser Personen an der Gesamtzahl der Einwohner. Unter diesen Gesichtspunkten ist die Gewährleistung der Mobilität des genannten Personenkreises eine zutiefst soziale Aufgabe, die bereits 1994 im Artikel 3 des Grundgesetzes Aufnahme fand. Hier wurde formuliert, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Die Gleichstellungsgesetze für Behinderte der Bundesländer tragen übrigens dieser Aufgabenstellung Rechnung. Sie verpflichten Behörden und öffentliche Institutionen, umfassende Barrierefreiheit zu garantieren. Dazu gehört auch die Schaffung von Möglichkeiten, zum Arzt, zum Arbeitsplatz, zu allen öffentlichen Gebäuden zu gelangen, gleich, ob mit Rollstuhl, Rollator, Armstützen, Blinden-, Gehstock oder ähnlichen Hilfsmitteln. Und genau hier liegt im ÖPNV das Problem. Es ist unstrittig, dass mittels einer Straßenbahn diese Mitbürger einfach besser, sicherer, bequemer und in größerer Anzahl als im Bus ans Ziel gebracht werden. Unter diesem Aspekt sollte also wirklich ernsthaft geprüft werden, welche Bedingungen geschaffen und welche Maßnahmen eingeleitet werden müssen und welche Beschlüsse zu fassen sind, um das zu garantieren und zwar auf Dauer. Ein weiterer Personenkreis, der doch recht hohen Mobilitätseinschränkungen unterliegt, sind Frauen – ggf. natürlich auch Männer – mit Kinderwagen. Im Regelfall findet nicht mehr als ein Kinderwagen in einem Bus Platz. Wie viele mussten -zigmal an der Haltestelle auf den nächsten oder übernächsten Bus warten, da der Fahrer ihnen freundlich zu verstehen gab, dass er sie/ihn und den Kinderwagen nicht befördern könne, da der Bus voll sei. Auch an dieser Stelle sollte durch die Verantwortlichen reichlich überlegt werden. Finanziell Bessergestellte haben es relativ einfach. Sie nehmen eben dann das Auto. Was machen aber andere, die diese Möglichkeit nicht haben? Diese Frage dürfte sich jeder wohl selbst beantworten können. Aber auch für „normale“ Bürger birgt natürlich die Straßenbahn eine ganze Menge von Vorteilen. Erinnert sei hier nur an den Tourismus. Es ist eben z. B. relativ einfach, unter Mitnahme größerer Gepäckstücke oder von Fahrrädern sein Ziel komfortabel zu erreichen. Im Vorfeld einer Wahl sollten sich doch bitte die Mitglieder der Fraktionen der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung, die am 24. Juni diesen Jahres der Vorlage Nr. IV-094/09 zugestimmt haben, überlegen, welche perspektivischen Auswirkungen dieser Beschluss auf politischer Ebene durchaus haben kann. Letztlich sollte sich also niemand wundern, wenn sich die Wahlziele seiner Partei am 27. September hinsichtlich der in Cottbus für sie abgegebenen Stimmen in Schall und Rauch auflösen sollten. Für diesen Fall brauchen sie dann niemanden außer sich selbst die Schuld dafür zu geben (Pressemeldung Deutscher Bahnkunden-Verband, Regionalverband Cottbus, 02.09.09).