Das Berliner #S-Bahn-Museum erzählt #Stadtgeschichte und außerdem, warum die S-Bahn S-Bahn heißt und woher das grün-weiße #Logo kommt. Nachdem es aus seinem ehemaligen Standort in #Griebnitzsee ausziehen musste, ist es im kleineren Format im Projektraum im #Ostbahnhof zu finden. Zum 100-jährigen S-Bahn-Jubiläum gibt es eine #Sonderausstellung.
Das Berliner S-Bahn-Museum macht eine kleine Zeitreise möglich
Seit nunmehr 100 Jahren fährt die Berliner #S-Bahn – mal mehr, mal weniger zuverlässig – durch die Stadt. Doch wie ist sie zu ihrem Namen gekommen? Und was ist eigentlich ein #Viertelzug? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt die Berliner Morgenpost in der heutigen Folge ihrer Serie zum großen #S-Bahn-Jubiläum.
1. Woher stammt der Name?
München hat eine, Frankfurt und Hamburg ebenso und auch in Dresden oder Rostock fährt sie, die „S-Bahn“. Erfunden wurde die ebenso kurze wie prägnante Bezeichnung in der Stadt, die das damit gemeinte #Nahverkehrssystem erstmals aufbaute – in Berlin. Die damalige Deutsche #Reichsbahn-Gesellschaft (#DRG) beschloss im November 1930, dass die „Berliner #Ring-, #Stadt- und #Vorortbahnen künftig kurz ‚S-Bahn‘ heißen“.
Es ist ein wichtiges Datum für Berlin und Brandenburg. Noch dazu eines, dass man sich gut merken kann: der 8.8. Am 8. August 1924 hat erstmals eine elektrische S-Bahn Fahrgäste befördert, und der Aufstieg dieses stadtprägenden Verkehrsmittels begann. Jetzt könnte das Datum erneut eine Rolle spielen. Denn genau hundert Jahre später soll in Lichtenberg ein #Museum eröffnen, das an die bunte, aufregende, manchmal traurige Geschichte der Berliner S-Bahn erinnert. „Das ist der Plan. So haben wir es ins Auge gefasst“, sagt Udo #Dittfurth. Er ist Leiter des S-Bahn-Museums, das an seinem bisherigen Standort in Potsdam vor mehr als fünf Jahren schließen musste.
Was bedeutet das „S“ in #S-Bahn, und wer hat es erfunden? Diese Fragen sind jetzt geklärt. Der Berliner Historiker Mathias #Hiller (51) hat es in mühseliger Aktensuche herausgefunden.
Heiligabend 1930 wurde im amtlichen #Nachrichtenblatt der Deutschen #Reichsbahn-Gesellschaft verkündet, was am 13. November bereits verfügt worden war: Dass die Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen künftig handlich „S-Bahn“ heißen würden. Ein weißes „S“ auf grünem Grund solle auf ihre Stationen hinweisen.
Geschaffen hatte es der Grafiker Fritz #Rosen, der für das Berliner Büro des bis heute berühmten Grafikdesigners Lucian #Bernhard arbeitete und es von 1925 an, als Bernhard in die USA ging, als Atelier #Bernhard-Rosen führte.
„800 Mark bekam Rosen für seine Arbeit – je 200 für zwei Entwürfe und 400 Mark für die #Reinzeichnung und die Überlassung der #Nutzungsrechte“, erklärt Hiller. Von März bis Juli 1930 hatte Rosen das #Logo im Auftrag der Berliner #Reichsbahndirektion entworfen.
Kabel hängen von der Decke, in den Ecken türmt sich Schutt. Das frühere #Schnellrestaurant im Bahnhof #Lichtenberg ist eine Baustelle. Doch Udo #Dittfurth denkt nicht nur an die Arbeit, die auf ihn und seine Mitstreiter zukommt, er sieht vor allem die Möglichkeiten, die diese Räume bieten: Sie sollen Standort eines neuen Berliner Museums werden.
„Hier haben wir die einmalige Chance, das #S-Bahn-Museum neu aufzubauen – mit einem neuen, verbesserten Konzept und längeren Öffnungszeiten als bisher“, sagt er. Damit bekäme der Osten der Stadt einen weiteren touristischen Anziehungspunkt. Auf dem Weg dorthin wurde nun eine wichtige Etappe genommen, eine weitere steht demnächst an.
Ein #Museum für das Verkehrsmittel, das immer wieder durch Störungen auffällt? Wer wird dort hingehen? Dittfurth kann da auf seine Erfahrungen verweisen, die er am bisherigen Museumsstandort in Potsdam-#Griebnitzsee gesammelt hat. In einem Klinkergebäude beim S-Bahnhof hatte 1997 der reguläre Publikumsbetrieb begonnen, und die Resonanz war groß. An jedem Öffnungstag kam eine dreistellige Besucherschar.
Kalter Krieg ist Schwerpunkt
Potsdam – Der alte Streichhölzerautomat kann nicht bleiben. Auch der Fahrkartendrucker, der mit lautem Getöse Pappkärtchen ausspuckt, muss umziehen. Für die Stationsschilder aus der Zeit, als der #S-Bahnhof Hackescher Markt noch Marx-Engels-Platz hieß, wird ebenfalls ein neues Domizil gesucht.
Das Berliner #S-Bahn-Museum, eine Schatzkammer der Alltagsgeschichte in dieser Region, muss seinen jetzigen Standort in Potsdam-#Griebnitzsee verlassen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Der Leiter Udo #Dittfurth kündigte am Wochenende an, dass die Sammlung künftig in Berlin gezeigt werden soll, mit einem modernisierten Konzept.
„Am dritten Advent war unsere Ausstellung in Griebnitzsee zum letzten Mal für das Publikum geöffnet“, sagt Dittfurth. „Rund 120 Besucherinnen und Besucher kamen.“ Dann war Schluss, nach 20 Jahren.
„Unser Vermieter DB Energie betreibt im Erdgeschoss des Gebäudes ein #Umspannwerk für die S-Bahn, für das es neue technische Anforderungen gibt, die einen Weiterbetrieb des Museums in der jetzigen Form nicht zuließen“, erklärt der ehrenamtliche Museumschef, der sein Geld als Stadtplaner in Berlin verdient. „Doch wir schließen nicht für immer, sondern wir sind dabei, zu neuen Ufern aufzubrechen – sowohl was den Standort betrifft als auch konzeptionell. Der Wechsel ist für uns eine Chance.“ Auch wenn nun erst mal viel Arbeit ansteht.