Bahnhöfe: Wo die Mutter ihre Töchter imitiert. Abschied vom letzten denkmalwerten Bereich des Bahnhofs Friedrichstraße, aus Signal

https://signalarchiv.de/Meldungen/10002224

Am 16. Juni wird der #Nord-Süd-Bahn-Tunnel mal wieder gesperrt – zum mittlerweile vierten oder fünften Male in seiner Geschichte. Mit der neuerlichen mehrmonatigen #Generalsanierung bekommt auch der #unterirdische Teil des S-Bahnhofs #Friedrichstraße ein völlig anderes Gesicht. Dem jetzigen trauern wohl nur wenige nach – doch dies ist ein Fehler.

Natürlich sieht die #Bahnsteighalle, die man seit dem #Mauerfall immer weiter verwahrlosen ließ, aus wie ein #beliebiger unterirdischer S-Bahnhalt in Hamburg, München oder Frankfurt am Main. Doch gerade dies macht ihren zeithistorischen Wert aus. Schließlich ist die Berliner #Nord-Süd-Bahn die #Mutter aller deutschen #S-Bahn-Tunnel. Die #Auskleidung der Station nahm sich die DDR wohl bewußt zum Vorbild, als sie 1974/75 daran ging, die unterirdische Halle an der Friedrichstraße zu renovieren – so daß seither an diesem Ort die Mutter ihre „Töchter“ imitierte. Schließlich galt es gerade hier, am Einfallstor für Besucherverkehr, „#Weltniveau“ zu demonstrieren.

Generell wird bei die Gestaltung des #Ost-Berliner #Stadtzentrums gern übersehen, wie stark dabei dereinst nicht nur die Selbstdarstellung gegenüber den eigenen Untertanen eine Rolle spielte, sondern noch viel mehr jene gegenüber den ausländischen Gästen. So realisierte die DDR rund um den Alex, wie etwa auch im Falle von Dresdens Prager Straße oder Magdeburgs Breitem Weg, moderne #Stadtgestaltung im Stil der sechziger Jahre wie aus dem #Lehrbuch – wofür es übrigens auch von der West-Berliner Presse seinerzeit Anerkennung gab: Nahezu alle noch vorhandenen Bauten wurden beseitigt, einige, nun deplaciert und verloren wirkende Erinnerungsstücke wie die ….

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