Gibt es überhaupt noch einen Fahrplan bei der S-Bahn? Das fragten sich gestern viele Fahrgäste, die auf überfüllten Bahnsteigen in der Kälte den wenigen Zügen, die noch fuhren, entgegen bibberten. Nein, lautete die Antwort aus dem Unternehmen. Zumindest keine Fahrzeiten, die man veröffentlichen und vor der Fahrt im Internet nachlesen könnte. Bevor die jeweils aktuellen Fahrplaninformationen eingearbeitet werden können, habe sich die Situation meist wieder geändert. Gestern früh waren bei der S-Bahn 278 Viertelzüge, also insgesamt 556 Wagen, im Einsatz. Das waren zwar …
Der Winter beschert den Fahrgästen der Berliner S-Bahn nicht nur Zugausfälle und Verspätungen, sondern auch ein Tempolimit. Von den Zügen der Baureihe 481, die einen Großteil der Fahrzeugflotte bilden, dürfen die meisten jetzt nur noch auf höchstens 60 Kilometer in der Stunde beschleunigen. Diese Festlegung gilt „bis auf Weiteres“, sagte ein Bahnsprecher. Der Grund: Um möglichst viele Züge im Einsatz zu haben, verzichtet die S-Bahn jetzt in den meisten Fällen darauf, die Wagen zur vorgeschriebenen täglichen Kontrolle der Bremssandanlagen in die Werkstatt zu fahren. Weil aber viele dieser Anlagen inzwischen vereist sind oder wegen Sandverklumpungen nicht mehr richtig funktionieren, musste die S-Bahn im Gegenzug die Höchstgeschwindigkeit von …
Hunderttausende Fahrgäste der S- und Regionalbahnen in Berlin und Brandenburg haben täglich unter überfüllten Zügen, teils massiven Verspätungen und vor allem Zugausfällen zu leiden. Mängel an der Infrastruktur und zahlreiche technische Probleme bei den S-Bahnfahrzeugen führen zum dritten Mal in Folge bei normalen winterlichen Verhältnissen anhaltend zu Belastungen. Aus dem erneuten Winterchaos wären weitere Entschädigungen für die Fahrgäste folgerichtig. Die Pünktlichkeit bei der Berliner S-Bahn GmbH erreicht 2010 einen einmaligen Tiefstand von voraus-sichtlich rund 79 Prozent. In den 14 Tagen nach dem ersten Schneefall am 2. Dezember kamen insgesamt rund 8.400 Züge verspätet, 5.900 Züge fielen aus. Täglich stehen seitdem den Fahrgästen nur zwischen 56 und 72 Prozent der vertraglich vereinbarten Fahrzeuge zur Verfügung. Die S-Bahn arbeitet aktuell ohne ausreichende Reserven, sei es mit dem vorhandenen Fahrzeugpark, dem eingesetzten Personal oder den Werkstattkapazitäten. Jede Störung, wie sie im Eisenbahnbetrieb regelmäßig auftritt, kann deshalb nicht mehr ausgeglichen werden und führt fast zwangsläufig zu Angebotseinschränkungen und Verschlechterung der Qualität. Der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, Hans-Werner Franz, fordert die S-Bahn Berlin GmbH deshalb auf, kurzfristig sowohl das Werkstattpersonal als auch die Werkstattkapazität aufzustocken, um das notwendige Angebotsniveau so schnell wie möglich wiederherzustellen. „Der rigorose Sparkurs hat das Unternehmen in die Sackgasse fahren lassen. Einen Ausweg aus der hausgemachten Krise findet es seit fast zwei Jahren nicht. Der integrierte Bahnkonzern mit seinen Töchtern S-Bahn Berlin GmbH und DB Netz AG ist offenbar nicht mehr in der Lage, das S-Bahn-System in Berlin zufriedenstellend zu betreiben. Die immer noch wirkende Börsenstory der DB AG muss durch die Politik endgültig gestoppt werden. Klasse statt Kasse muss es wieder bei der S-Bahn heißen!“ Auch im Regionalverkehr nehmen die Pünktlichkeitsprobleme drastisch zu. Die Pünktlichkeitsquote aller Eisenbahnverkehrsunternehmen der Region lag von Januar bis Oktober 2010 bei 90 Prozent. Verspätungen durch Herbst- und Winterprobleme sind dabei noch nicht erfasst. Insbesondere die Pünktlichkeitswerte der Regionalexpress-Linien der DB Regio AG sind auf 87 Prozent gefallen. Das ist einer der schlechtesten Werte bundesweit. Auch hier sind mangelnde Planung und zu wenig Personal die ursächlichen Faktoren. Offensichtlich ist auch der Fernverkehr von den gleichen negativen Folgen der DB-Konzernpolitik betroffen. Viele Fahrgäste können sich nicht mehr auf das gewohnte Angebot verlassen. Auch die Abhängigkeiten vom Fern- und Güterverkehr auf stark ausgelasteten Strecken und regionale und bundesweite Baumaßnahmen im Schienennetz wirken sich nachteilig auf den Nahverkehr in der Region aus. Dringenden Handlungsbedarf sieht der VBB deshalb bei einer besseren Vorausplanung der Baumaßnahmen, die die Verspätungsanfälligkeit verringern kann. Erforderlich ist eine Stabilisierung der Fernverkehrsfahrpläne. Darüber hinaus ist es wichtig, den geplanten Bau und die Inbetriebnahme des Berliner Abschnittes der Dresdner Bahn voranzutreiben, um Zugfahrten aus Richtung Leipzig und Dresden unabhängig voneinander zum Berliner Hauptbahnhof führen zu können. Dringend verbessert werden muss die fallbezogene Disposition von Zugfahrten im Verspätungsfall. Angesichts der vielen Beeinträchtigungen im Bahnverkehr fordert der VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz weitere Entschädigungsmaßnahmen für die Fahrgäste: „Wir gehen davon aus, dass der Bahnkonzern sich für das erneute Winterchaos entsprechend entschuldigen wird.“ (Pressemeldung VBB, 18.12.10).
(Berlin, 16. Dezember 2010) Wegen umfangreicher Gleisbauarbeiten und des Brückenneubaus in Ostkreuz kommt es zu Einschränkungen für S-Bahn-Fahrgäste. Vom 17. Dezember, 22 Uhr, durchgehend bis 20. Dezember, 1.30 Uhr, werden für die Züge der S1 zwischen Oranienburg und Birkenwerder Busse eingesetzt. Zwischen Birkenwerder und Waidmannslust besteht S-Bahn Pendelverkehr im 20 Minuten-Takt. Weiterhin werden die Züge der S41, S42, S8, S9 zwischen Schönhauser Allee und Storkower Straße durch Busse ersetzt. Zwischen Storkower Straße und Treptower Park besteht ein S-Bahn-Pendelverkehr im 20 Minuten-Takt. Auf der Linie S9 fahren zwischen Adlershof und Flughafen Schönefeld keine S-Bahnen. Reisende fahren mit der S-Bahn bis Grünau und weiter mit Bussen zum Flughafen Schönefeld. Fahrgäste mit direktem Fahrtziel Flughafen Schönefeld können die Expressbusse ab Schöneweide benutzen. Vom 19. Dezember, 4 Uhr, durchgehend bis 20. Dezember, 1.30 Uhr, fahren auf der Linie S75 keine Züge zwischen Springpfuhl und Wartenberg. Reisende fahren mit der S7 bis Marzahn und steigen dort in die Busse nach Wartenberg um. Reisenden wird empfohlen, sich vor Antritt der Fahrt rechtzeitig zu informieren. Informationen gibt es unter www.s-bahn-berlin.de und am S-Bahn-Kundentelefon unter 030 29 74 33 33.
Für jeden S-Bahn-Zug der in Berlin und Brandenburg fährt, zahlen die Länder als Besteller ein Entgelt über den Verkehrsverbund an die S-Bahn Berlin GmbH. Fährt der Zug nicht, ist er verspätet oder kürzer, gibt es Abzüge, die in einem streng geheimen Vertrag festgelegt sind. 2010 wären es gut 265 Millionen Euro, die die GmbH bekommen würde. Nach Zeitungsmeldungen sind es etwa 45 Millionen, die ihr wegen sogenannter Schlechtleistung in diesem Jahr voraussichtlich vorenthalten werden. Die Forderung ist in den vergangenen Tagen vermehrt zu hören: das Land Berlin solle die S-Bahn zurückkaufen und mit der BVG fusionieren, dann gäbe es die jetzigen Probleme nicht. Quasi eine Re-Kommunalisierung. Der DBV-Landesverband hält diesen Vorschlag für interessant, aber nicht zielführend. Eine Zusammenführung mit der BVG würde die S-Bahn zwar aus dem finanziellen Würgegriff des DB-Konzerns befreien. Was aber wäre damit gewonnen, wenn sie in die ebenfalls chronisch unterfinanzierte BVG-Familie eingegliedert wird, die auch mit großen Problemen zu kämpfen hat? Vielleicht wären die Fahrzeugprobleme nicht so groß. Damit wäre die Liste der möglichen Vorteile auch schon zu Ende. Die anderen Probleme und Abhängigkeiten von der DB AG wären genau die gleichen wie vorher. Auf Netzzustand (DB Netz: Langsamfahrstellen, Weichenheizungen, Gleisverfügbarkeit) und Qualität der Stationen (DB Station & Service: Sauberkeit, Fahrgastinformation, Aufzüge) hätte auch eine BVG-S-Bahn keinen Einfluss. Es ist gut, wenn die Landespolitik über bestehende Probleme diskutiert. Eine BVG-S-Bahn würde wenig anders machen können. Alle DB-Töchter gehören irgendwie der Bundesrepublik Deutschland. Bundesverkehrsminister Ramsauer als zuständiger Fachminister muss endlich seine Aufsichtspflicht wahrnehmen. DB Netz und DB Station & Service müssen in erster Linie für ihre Kunden arbeiten — und nicht für die ständig steigenden Renditewünsche des Konzernvorstandes. Zu den Kunden von DB Netz und DB Station & Service gehört auch die S-Bahn Berlin GmbH – egal ob als DB- oder BVG-S-Bahn (Pressemeldung Deutscher Bahnkunden-Verband, 14.12.10).
Der politische Druck auf die S-Bahn nimmt weiter zu. Weil seit dem Wintereinbruch auf die Fahrpläne kaum noch Verlass ist, haben die Länder Berlin und Brandenburg gestern angekündigt, dass sie das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) förmlich abmahnen werden. „Das ist eine Stufe vor der Vertragskündigung“, sagte Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) der Berliner Zeitung. Denn dies ist bereits die zweite Abmahnung für die S-Bahn – die erste gab es nach dem Winterchaos im Januar. Hans-Werner Franz, Chef des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), sprach von einer „dramatischen Situation“. Gestern musste das Management erneut den Offenbarungseid leisten. Es werde noch für längere Zeit „erhebliche Störungen“ beim …
Wer als Stammfahrgast das Gefühl hat, dass es um die Pünktlichkeit der S-Bahn auch in diesem Jahr nicht besonders gut bestellt ist, bekommt es nun Schwarz auf Weiß. In diesem Jahr kam während der Monate Januar bis Oktober jede fünfte S-Bahn um mehr als drei Minuten zu spät. Zum Vergleich: 2008 galt das nicht einmal für jede zehnte S-Bahn. Dies geht aus der jüngsten Statistik des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) hervor. „Die Zahlen sind alles andere als berauschend“, sagte VBB-Chef Hans-Werner Franz. Im Regionalverkehr kamen zehn Prozent der Züge zu spät. Das Winterchaos zu Beginn des Jahres hat der S-Bahn die Bilanz verdorben. Weil im Januar viele Motoren schlapp machten, nachdem eingedrungener Flugschnee Kurzschlüsse verursacht hatten, brach die Pünktlichkeitsrate dramatisch ein. „Danach sind wir wieder …