Weil die S-Bahn nicht kam, nahm sich ein Berliner ein Taxi und forderte später das Fahrgeld zurück. Ein anderer Fahrgast hatte, als er mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) unterwegs war, dort unbemerkt sein Ticket liegen gelassen. Als er später in der S-Bahn kontrolliert wurde, sollte er 40 Euro zahlen. Das sind zwei Fälle, mit denen sich die Schlichtungsstelle Nahverkehr für Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt befasst hat. Gestern legte sie ihre Bilanz vor – und kündigte eine wichtige Veränderung an. Auf Initiative des Fahrgastverbands IGEB wurde die Schlichtungsstelle 2009 ins Leben gerufen, um Streitigkeiten zwischen Fahrgästen und Verkehrsbetrieben beizulegen. Seither hat sie …
(Berlin, 2. Februar 2011) Die neuen Entschuldigungsregelungen der S-Bahn Berlin kommen bereits im Monat Februar den Gelegenheitskunden zugute. An den vier Wochenenden gelten Einzelfahrausweise der Tarifbereiche Berlin AB, BC oder ABC im jeweiligen Tarifbereich den ganzen Tag. Der Fahrschein kann bis 3 Uhr des Folgetags in allen S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen genutzt werden. Dieses gilt auch für Abschnitte der 4-Fahrten-Karte und die Einzelfahrausweise für Fahrräder.
Im Stadtgebiet Berlin kostet die ganztägige Mobilität damit statt 6,30 Euro nur 2,30 Euro. Für den Tarifbereich Berlin ABC sind statt 6,80 Euro nur 3,00 Euro zu bezahlen.
Ab März wird dann den Jahreskarteninhaber, die sich ihre Jahreskarte bereits gekauft haben, der Monatsanteil für November erstattet. Entschuldigungsregelungen für weitere Kundengruppen sind zwischen Mai und November vorgesehen.
Die S-Bahn Berlin lässt sich das Entschuldigungsangebot an die Berlinerinnen und Berliner im Jahr 2011 38,5 Millionen Euro kosten. Mit der Geste bittet das Unternehmen für die anhaltenden Beeinträchtigungen im S-Bahn Verkehr um Entschuldigung.
Die S-Bahn Berlin informiert über alle Details der neuen Entschuldigungsregelung in einer Spezialausgabe der S-Bahn-Kundenzeitung „punkt3″. Diese ist ab Donnerstag an allen Verkaufsstellen des Unternehmens erhältlich. Ausführliche Informationen gibt es dann auch im Internet unter www.s-bahn-berlin.de und rund um die Uhr am S-Bahn-Kundentelefon unter der Nummer 030 29 74 33 33.
Die neuen Entschuldigungsleistungen der S-Bahn Berlin entsprechen nicht den Erwartungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. Angesichts der seit fast zwei Jahren andauernden Krise und der permanenten Belastungen für die Fahrgäste fällt die von S-Bahn-Chef Buchner verkündete „Geste der Entschuldigung“ zu gering aus. Der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, Hans-Werner Franz, zeigte sich enttäuscht: „Ich hätte erwartet, dass die Manager der S-Bahn GmbH und der Deutschen Bahn AG sich für eine Entschuldigungsleistung entscheiden, die mindestens der vom vergangenen Jahr entspricht. Immerhin ist es trotz vollmundiger Versprechen der S-Bahn Berlin auch im dritten Winter nicht gelungen, ihren Betrieb ohne Chaos, massive Einschränkungen und ohne ausreichende Informationen für die Fahrgäste aufrechtzuerhalten. Der Vertrauensverlust ist jetzt dreimal so groß wie zuvor, die Fahrgäste aber werden mit nur einer halben Entschuldigung abgespeist. Dies ist kein Entschuldigungs-Paket, höchstens ein Päckchen.“ Aktuell gebe es auch mit dem neuen Winternotfahrplan der S-Bahn weiterhin andauernde Einschränkungen. Die Fahrgäste sind länger unterwegs, weil die Fahrzeuge mit 60 statt 100 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit fahren, so Franz weiter. Längere Fahrzeiten, längere Wartezeiten und verpasste Anschlüsse sind die Folge. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg erwartet dringend, dass die S-Bahn Berlin GmbH und die Deutsche Bahn AG wirklich alle Register ziehen, weder Kosten noch Mühen zu scheuen, um die Probleme der S-Bahn so schnell wie möglich zu lösen (Pressemeldung VBB, 29.01.11).
Zum Entschädigungsangebot der S-Bahn erklären Berlins Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer und Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger: Senatorin Ingeborg Junge-Reyer: „Seit 19 Monaten fährt die S-Bahn keinen anständigen Verkehr mehr. Das bedeutet fast zwei Jahre Ärger und Mehraufwand für die Kunden. Obwohl sich nichts verbessert hat, bleibt die S-Bahn jetzt sogar noch hinter ihrer Entschädigung vom letzten Jahr zurück. Ein Monat Freifahrt für Zeitkarteninhaber ist vollkommen ungenügend. Auch die Gültigkeit von Einzelfahrscheinen an den Februarwochenenden als Tageskarte ist unbefriedigend. Insgesamt ein enttäuschendes Ergebnis.“ Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger: „Das ist zu wenig. Wenn der Bahnkonzern und die S-Bahn verlorenes Vertrauen wieder gewinnen wollen, müssen sie mehr tun als den Fahrgästen kleine Brocken hinzuwerfen. Herr Grube bleibt deutlich hinter dem zurück, was er als Erwartungshaltung bei den Fahrgästen geweckt hat. Angesichts des Winterdesasters und auch des aktuellen Notfahrplans ist das den Kunden nicht zu vermitteln. Genau wie meine Kollegin Junge-Reyer erwarte ich hier mehr von den Verantwortlichen.“ (Pressemeldung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 29.01.11).
(Berlin, 28. Januar 2011) Die S-Bahn Berlin hat für alle Kunden im Berliner Öffentlichen Nahverkehr ein weiteres Paket mit Entschuldigungsleistungen geschnürt. Zu den bisher gewährten Freifahrten und Rückzahlungen im Wert von 105 Millionen Euro, kommen in diesem Jahr weitere 38,5 Millionen Euro. Das neue Ein-Monats-Paket folgt den bewährten und bei den Kunden bekannten Regelungen. Die Gesamtsumme der Kulanzmaßnahmen erhöht sich damit auf über 140 Millionen Euro. Mit der erneuten Geste entschuldigt sich das Unternehmen für die Beeinträchtigungen im S-Bahn-Betrieb.
„Ein Teil der Fahrgäste wird schon kurzfristig von der neuen Regelung profitieren. Gelegenheitskunden können an den Februarwochenenden mit ihrem Einzelfahrschein den ganzen Tag fahren. Jahreskarteninhaber bekommen ab März einen Monatsanteil erstattet oder profitieren von einem entsprechend geringeren Verkaufspreis“, kündigte Peter Buchner, Geschäftsführer der S-Bahn Berlin, an. Weitere Kundengruppen erhalten ihren Anteil zwischen Mai und November. Die Auswahl der Monate folgte weitgehend organisatorischen Zwängen.
Im Falle der reduzierten, beziehungsweise in der Gültigkeit verlängerten Monatskarten, hat sich die S-Bahn Berlin für den Monat Mai entschieden, da hier weder Wochenfeiertage noch Schulferien die Attraktivität des vergünstigten Angebots schmälern. Seitens der Universitäten und Hochschulen wurde darum gebeten, dass eine Erstattungen für das Semesterticket erst mit Beginn des Wintersemesters ab Oktober vorgenommen wird. Parallel wird bei Abonnementkunden im November auf die Abbuchung verzichtet. Kunden, denen der Fahrpreis auf einmal abgebucht wurde, erhalten für den November eine anteilige Erstattung.
Die wichtigsten Regelungen im Überblick: Alle Inhaber von Jahreskarten, Abonnements und Firmentickets, die die Berliner Tarifbereiche Berlin AB, Berlin BC oder Berlin ABC einschließen, fahren im November einen Monat kostenlos. Kunden, die ihre Jahreskarte zum vollen Tarifpreis bar bezahlt haben, können sich den anteiligen Betrag für November an S-Bahn- und BVG-Schaltern auszahlen lassen. Ab dem 1. März 2011 werden die Jahreskarten bereits mit den um einen Monat reduzierten Preis an den Schaltern angeboten. Bei kalendergebundenen Monatskarten und dem Berlin-Tickets S (Sozialticket) wird im Mai der Preis bereits beim Verkauf um 15 Euro reduziert. Weiterhin sind auch Schülertickets und Geschwisterkarten wieder in diese Regelung einbezogen. Für Kunden mit gleitenden Monatskarten verlängert sich die Gültigkeit für im Mai beginnende Karten um eine Woche. Fahrgäste, die nicht regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, können an allen vier Wochenenden im Februar ihren Einzelfahrausweis für die Berliner Tarifbereiche Berlin AB, Berlin BC und Berlin ABC als Tageskarte nutzen. Diese Regelung gilt zusätzlich auch zum Umweltfestival am 5. Juni, das zahlreiche Berliner und Gäste der Stadt erfahrungsgemäß zum Verzicht auf das eigene Auto veranlasst.
Die S-Bahn Berlin informiert über alle Details der neuen Entschuldigungsregelung in einer Spezialausgabe der S-Bahn-Kundenzeitung „punkt3″. Diese ist ab Donnerstag nächster Woche an allen Verkaufsstellen des Unternehmens erhältlich. Ausführliche Informationen gibt es dann auch im Internet unter www.s-bahn-berlin.de und rund um die Uhr am S-Bahn-Kundentelefon unter der Nummer 030 29 74 33 33.
Was die Fahrgäste der Berliner S-Bahn nun schon im dritten Winter erdulden müssen, hatte ein langes Vorspiel. Schon in den neunziger Jahren gab es bei der S-Bahn-Baureihe 481 Probleme mit Schnee, der durch Lüfter in die Antriebstechnik der Wagen eindrang. Das sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner gestern im Verkehrsausschuss des Bundestages. Das Gremium befasste sich mit den Problemen der S-Bahn, die dem Bundesunternehmen Deutsche Bahn (DB) gehört. Langjährige Mitarbeiter hätten ihm berichtet, dass es schon kurz nach Auslieferung der ersten Wagen Probleme mit Flugschnee gegeben habe, so Buchner. Warum damals nichts dagegen unternommen wurde, könne er nicht sagen. Buchner ist erst seit anderthalb Jahren S-Bahn-Chef. Es habe wohl daran gelegen, dass noch viele …
In dem 60- Stundenkilometer-Konzept sieht die S-Bahn keinen Wochenend-Nachtverkehr im gewohnten 30 Minutentakt vor, sondern dünnt den Tagesverkehr auf einen 40-Minutentakt aus. Sie begründet dies mit fehlender Planungskapazität. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat deshalb die S-Bahn in einem Schreiben aufgefordert, dieses Problem bis zum Wochenende zu lösen. Auch aus dem Brandenburger Verkehrsministerium ging ein Schreiben an die S-Bahn, indem der Unmut über nicht abgestimmte Taktausdünnungen im Nacht- und Wochenendfahrplan deutlich gemacht wurde. In der auf Drängen der Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer eingerichteten regelmäßig tagenden Qualitätsrunde mit Vertretern der S-Bahn, den Ländern und dem VBB wurde zwar von der S-Bahn der 60-Stundenkilometer-Notfahrplan vorgestellt, die Veränderung des Wochenendfahrplans aber nicht thematisiert. Die Senatorin zeigte sich sehr verärgert, dass die S-Bahn Berlin GmbH eine solch relevante Information nicht frühzeitig und von sich aus anspricht und es den Ländern und dem VBB überlässt, dies kurzfristig aus dutzenden Fahrplantabellen selbst heraus zu lesen. Senatorin Ingeborg Junge-Reyer: „Ich erwarte, dass die Anschlusslücken von und zur S-Bahn bereits am kommenden Wochenende geschlossen werden. Das kann sowohl durch eine noch frühere Taktver-dichtung des Angebots auf 20 Minuten geschehen oder aber durch bestellte Zusatzfahrten für die gestörten Bus- und Straßenbahnanschlüsse. Wo dies kurzfristig nicht möglich oder sinnvoll ist, erwarte ich von der S-Bahn eine unkomplizierte Regelung zur alternativen Nutzung von Taxen.“ Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger: „Das Ausdünnen des Taktes im Nacht- und Wochenendfahrplan war nicht Gegenstand unserer Zustimmung. Auch ich erwarte, dass die S-Bahn hier schnell reagiert und nachbessert. Besonders die Anschlüsse müssen besser funktionieren. Wenn es nicht anders geht, muss die S-Bahn zusätzliche Angebote über den straßengebundenen Nahverkehr machen.“ Senatorin Junge-Reyer verwies in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die Zusagen von Bahnchef Grube im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses, dass es weder an Geld noch an Personal mangeln werde, die S-Bahn-Krise zu bewältigen. „Mangelnde Planungskapazität bei der S-Bahn darf kein Grund sein, den Fahrgästen einen katastrophalen Wochenendverkehr zuzumuten,“ so die Senatorin. Die Kurzfristmaßnahmen würden, so die Senatsverwaltung in dem Schreiben an die S-Bahn, das Unternehmen jedoch nicht davon entbinden, schnellstmöglich einen Wochenendfahrplan auf Grundlage des bisherigen Taktes vorzulegen. Senatorin Junge-Reyer wies nochmals darauf hin, dass die regelmäßigen Gespräche in der Qualitätsrunde einem abgestimmten und vorausschauenden Vorgehen im Umgang mit den andauernden Problemen dienen sollen. „Grundbedingung hierfür ist aber von S-Bahn-Seite auch die Bereitschaft, mit offenen Karten zu spielen,“ so die Senatorin (Pressemeldung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 26.01.11).
(Berlin, 26. Januar 2011) Drei Tage nach dem Inkrafttreten des neuen Winterfahrplans bei der S-Bahn Berlin zieht das Unternehmen eine erste Zwischenbilanz. „Die Züge sind pünktlich und zuverlässig unterwegs. Der jetzt gültige Fahrplan wird zu über 98 Prozent eingehalten“, erklärt Geschäftsführer Peter Buchner. Nach ersten Erkenntnissen hat sich die Mehrzahl der Kunden mittlerweile auf das veränderte Angebot eingestellt. Zur Vermeidung von Anschlussverlusten empfiehlt die S-Bahn Berlin fallweise einen Zug früher zu nutzen.
Dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sind seit 4. Januar alle Fahrplandaten bekannt. Er hat den Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die Schnittstelle zu den anderen Verkehrsunternehmen zu koordinieren. Zu dieser Schnittstelle gehört grundsätzlich immer der Übergangsbereich an den im Verkehrsverbund definierten Anschlussknoten. Nach gemeinsamer Einschätzung von S-Bahn Berlin und Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) kommt es in der Mehrzahl der Fälle jedoch zu keinen gravierenden Anschlussproblemen.
Als unberechtigt weist das Unternehmen jedoch den Vorwurf von Berlins Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer zurück, wonach in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag ein „katastrophaler Wochenendverkehr“ angeboten würde. Zwar wurde auf Außenstrecken der übliche Takt des Nachtverkehrs von 30 auf 40 Minuten ausgedehnt. Durch Überlagerung von Linien entsteht anderseits vielerorts ein 20-Minuten-Takt. Zu diesem Zweck fahren die meisten Züge in der Nacht nun auf der im Tagesverkehr üblichen Gesamtstrecke. Teilweise kommen Acht-Wagen-Züge statt Sechs-Wagen-Züge zum Einsatz. Auf der Stadtbahn verkehren im Nachtverkehr nun stündlich sechs statt vier Züge pro Richtung, um Anschlüsse zu ermöglichen. Die Kosten hierfür werden von der S-Bahn Berlin getragen.
Die Entscheidung, auch in der Nacht die Struktur des Tagesfahrplans beizubehalten war die Voraussetzung, um den Winterfahrplan bereits zum 24. Januar einführen zu können. Andernfalls wären weitere wochenlange Planungen erforderlich gewesen.
„Wir sind uns bewusst und informieren unsere Fahrgäste, dass es während des Winterfahrplans am Wochenende an einzelnen Umsteigepunkten zu verlängerten Übergangszeiten kommt“, so Buchner. Ein in Potsdam erkanntes Defizit im Nachtverkehr wird bereits zum kommenden Wochenende korrigiert. Die durch Ankunft der S-Bahn um 2.06 Uhr und 4.06 Uhr verpassten Nachtbusanschlüsse werden durch zusätzliche Busfahrten, die die S-Bahn auf eigene Rechnung beim Verkehrsbetrieb in Potsdam bestellt, ersetzt.
In der Mehrzahl der Fälle kommt es jedoch zu keinen gravierenden Anschlussproblemen. Dies belegt auch eine den Ländern und dem VBB in der letzten Woche vorgelegten Analyse. Gleichwohl wird die S-Bahn Berlin auch weiterhin gemeinsam mit dem Verbund und den anderen Verkehrsunternehmen ausloten, ob gegebenenfalls durch zusätzliche Leistungen einzelne Anschlüsse verbessert werden können. In Vorbereitung befindet sich zudem die Verdichtung des Nachtverkehrs Richtung Spandau und Potsdam auf einen 20-Minuten-Takt ab 25. Februar.
Eine komplette Neukonstruktion des S-Bahn Fahrplans innerhalb von drei Tagen, wie von der Stadtentwicklungssenatorin in einer Pressemitteilung gefordert, sei jedoch unrealistisch. Die Behauptung von Frau Senatorin Junge-Reyer, das Unternehmen würde nicht mit offenen Karten spielen, kann die S-Bahn Berlin nicht nachvollziehen.
(Berlin, 26. Januar 2011) Drei Tage nach dem Inkrafttreten des neuen
Winterfahrplans bei der S-Bahn Berlin zieht das Unternehmen eine erste
Zwischenbilanz. „Die Züge sind pünktlich und zuverlässig unterwegs. Der
jetzt gültige Fahrplan wird zu über 98 Prozent eingehalten", erklärt
Geschäftsführer Peter Buchner. Nach ersten Erkenntnissen hat sich die
Mehrzahl der Kunden mittlerweile auf das veränderte Angebot eingestellt.
Zur Vermeidung von Anschlussverlusten empfiehlt die S-Bahn Berlin fallweise
einen Zug früher zu nutzen.
Dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sind seit 4. Januar alle
Fahrplandaten bekannt. Er hat den Auftrag der Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung, die Schnittstelle zu den anderen Verkehrsunternehmen zu
koordinieren. Zu dieser Schnittstelle gehört grundsätzlich immer der
Übergangsbereich an den im Verkehrsverbund definierten Anschlussknoten.
Nach gemeinsamer Einschätzung von S-Bahn Berlin und Berliner
Verkehrsbetrieben (BVG) kommt es in der Mehrzahl der Fälle jedoch zu keinen
gravierenden Anschlussproblemen.
Als unberechtigt weist das Unternehmen jedoch den Vorwurf von Berlins
Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer zurück, wonach in den
Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag ein
„katastrophaler Wochenendverkehr" angeboten würde. Zwar wurde auf
Außenstrecken der übliche Takt des Nachtverkehrs von 30 auf 40 Minuten
ausgedehnt. Durch Überlagerung von Linien entsteht anderseits vielerorts
ein 20-Minuten-Takt. Zu diesem Zweck fahren die meisten Züge in der Nacht
nun auf der im Tagesverkehr üblichen Gesamtstrecke. Teilweise kommen
Acht-Wagen-Züge statt Sechs-Wagen-Züge zum Einsatz. Auf der Stadtbahn
verkehren im Nachtverkehr nun stündlich sechs statt vier Züge pro Richtung,
um Anschlüsse zu ermöglichen. Die Kosten hierfür werden von der S-Bahn
Berlin getragen.
Die Entscheidung, auch in der Nacht die Struktur des Tagesfahrplans
beizubehalten war die Voraussetzung, um den Winterfahrplan bereits zum 24.
Januar einführen zu können. Andernfalls wären weitere wochenlange Planungen
erforderlich gewesen.
„Wir sind uns bewusst und informieren unsere Fahrgäste, dass es während des
Winterfahrplans am Wochenende an einzelnen Umsteigepunkten zu verlängerten
Übergangszeiten kommt", so Buchner. Ein in Potsdam erkanntes Defizit im
Nachtverkehr wird bereits zum kommenden Wochenende korrigiert. Die durch
Ankunft der S-Bahn um 2.06 Uhr und 4.06 Uhr verpassten Nachtbusanschlüsse
werden durch zusätzliche Busfahrten, die die S-Bahn auf eigene Rechnung
beim Verkehrsbetrieb in Potsdam bestellt, ersetzt.
In der Mehrzahl der Fälle kommt es jedoch zu keinen gravierenden
Anschlussproblemen. Dies belegt auch eine den Ländern und dem VBB in der
letzten Woche vorgelegten Analyse. Gleichwohl wird die S-Bahn Berlin auch
weiterhin gemeinsam mit dem Verbund und den anderen Verkehrsunternehmen
ausloten, ob gegebenenfalls durch zusätzliche Leistungen einzelne
Anschlüsse verbessert werden können. In Vorbereitung befindet sich zudem
die Verdichtung des Nachtverkehrs Richtung Spandau und Potsdam auf einen
20-Minuten-Takt ab 25. Februar.
Eine komplette Neukonstruktion des S-Bahn Fahrplans innerhalb von drei
Tagen, wie von der Stadtentwicklungssenatorin in einer Pressemitteilung
gefordert, sei jedoch unrealistisch. Die Behauptung von Frau Senatorin
Junge-Reyer, das Unternehmen würde nicht mit offenen Karten spielen, kann
die S-Bahn Berlin nicht nachvollziehen.
Die Krise der Berliner S-Bahn ist Thema im Bundestag – wieder einmal. Der Verkehrsausschuss befasst sich morgen mit den aktuellen Betriebseinschränkungen beim zweitgrößten Nahverkehrsunternehmen der Region. Eingeladen sind S-Bahn-Chef Peter Buchner, ein Vertreter des Betriebsrats und Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. Im Sitzungssaal E 600 des Paul-Löbe-Hauses soll es voraussichtlich ab 11.30 Uhr auch um den Winterfahrplan gehen, der seit gestern Tempo 60 auf allen S-Bahn-Strecken vorsieht. Die ersten Erfahrungen sind zwiespältig. Und der Fahrgastverband IGEB warnt, dass der Fahrplan nicht allen Winterproblemen …