Wie geht es weiter mit der S-Bahn? Darüber will der Senat bis Ende März entscheiden, sagte die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) der Berliner Zeitung. Eine Option sieht vor, den Zugbetrieb auf dem Ring und im Südosten auszuschreiben. Deren Befürworter haben jetzt Rückenwind aus Karlsruhe erhalten. Dort hat der Bundesgerichtshof gestern einen Beschluss verkündet, wonach der Betrieb von S-Bahn- und anderen Nahverkehrsstrecken europaweit ausgeschrieben werden muss. „Die Entscheidung ist von Bedeutung, weil sie den Wettbewerb stärkt und die monopolitische Ausrichtung der Deutschen Bahn (DB) in Frage stellt“, so Junge-Reyer. „Nun muss der Senat handeln und ausschreiben“, forderte …
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Antwort auf Frage 1 der Kleinen Anfrage des Abgeordnetenhauses von Berlin auf Drucksache 16/14789) gibt es einen „Verzicht des Bundes auf den Ausbau auf höhere Geschwindigkeiten der Fernbahngleise der Strecke nach Frankfurt/Oder zwischen Ostbahnhof und Landesgrenze“. Dementgegen steht der Bericht des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vom 11. November 2010, in dem das als Ausbaustrecke (ABS) Berlin–Frankfurt/Oder–Grenze Deutschland/Polen bezeichnete Projekt als realisiertes bzw. in Bau befindliche Maßnahme des Bedarfsplan für die Bundesschienenwege eingestuft ist (Anlage 4). Zudem finden sich weder in diesem Bericht noch in der diesem Bericht zugrunde liegenden 807 Seiten starken Untersuchung zur „Überprüfung der Bedarfspläne für die Bundesschienenwege“ Hinweise auf eine Umplanung dieser Maßnahme, anders als beispielsweise bei der Maßnahme ABS Berlin–Görlitz. 1. Trifft die Angabe der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu, dass es einen „Verzicht des Bundes auf den Ausbau auf höhere Geschwindigkeiten der Fernbahngleise der Strecke nach Frankfurt/Oder zwischen Ostbahnhof und Landesgrenze“ gibt? Wenn ja, wer hat dies wann entschieden, und warum hat die Bundesregierung die Öffentlichkeit hierüber bislang noch nicht informiert? Wenn nein, wie erklärt sich die Bundesregierung die Angabe der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung? Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und die DB Netz AG haben im April 2009 zu o. g. Vorhaben übereinstimmend entschieden, ein reduziertes Ausbauziel in den Planungsabschnitten 13 bis 15 in Berlin (Rummelsburg bis Köpenick (a)) zu realisieren. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wurde über den Beschluss umgehend informiert. Das ge- änderte Konzept ermöglicht es, aufgetretene Kostensteigerungen in Grenzen zu halten. 2. Welcher Art genau ist ggf. der Beschluss der Bundesregierung? In den Planungsabschnitten 13 bis 15 (Rummelsburg bis Köpenick (a)) wird als reduziertes Ausbauziel eine Geschwindigkeit von 120 km/h statt 160 km/h umgesetzt. Der daraus resultierende Fahrzeitverlust beträgt weniger als 1 Minute. Es erfolgt zudem keine Einschränkung der Kapazität. Der Regionalbahnhof Köpenick kann im Rahmen der verfügbaren Mittel des Bedarfsplanes nicht vom Bund finanziert werden. 3. Ist dieser Beschluss ggf. endgültiger Natur, oder soll über diesen Beschluss erneut beraten werden, und wenn ja, wann? Der Beschluss wird bereits planerisch umgesetzt. 4. Welcher wie genau bezeichnete Abschnitt soll ggf. weiterhin ausgebaut werden? Abgesehen von den in Frage 2 erläuterten Änderungen wird der Ausbau wie im Verkehrsinvestitionsbericht (Bundestagsdrucksache 17/444) beschrieben erfolgen. 5. Welche Maßnahmen sollen ggf. wann auf den Abschnitten durchgeführt werden, die jetzt nicht ausgebaut werden sollen? Im Mittefristzeitraum ist der Ersatz der Eisenbahnüberführungen Treskowallee und später der Rennbahnstraße geplant. Zusätzlich wird die Deutsche Bahn AG (DB AG) notwendige Unterhaltungs- und Ersatzmaßnahmen durchführen. 6. Hält die Bundesregierung weiterhin daran fest, den Bahnhof Berlin-Köpenick zu einem Regionalbahnhof umzubauen? Wenn ja, in welchem Umfang, und zu welchem Zeitpunkt soll diese Erweiterung realisiert werden? Wenn nein, warum nicht? Es wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen. 7. Soll der Regionalbahnhof Berlin-Karlshorst im Falle eines Verzichts auf den Umbau des Bahnhofs Berlin-Köpenick der einzige Halt der Regionalbahn zwischen Berlin-Ostbahnhof und Erkner bleiben, und wenn ja, bis wann? 8. Welcher Sanierungsbedarf wird für den Bahnhof Berlin-Karlshorst im Fall eines Weiterbetriebs kalkuliert? 9. Für welchen Zeitraum ist die Sanierung vorgesehen? Die Fragen 7 bis 9 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet. Ein Halt in Karlshorst soll bis zur Inbetriebnahme des neuen Regionalbahnsteigs im Bahnhof Ostkreuz voraussichtlich im Jahr 2016 aufrecht erhalten werden. Insofern gibt es auch keine Planungen der DB Netz AG zur Sanierung und Modernisierung des Bahnhofs. Im Zusammenhang mit der Erneuerung der Eisenbahnüberführung Treskowallee muss wegen der sich ändernden Gleislage lediglich eine bauliche Anpassung der Bahnsteigkante des stadtauswärts führenden Bahnsteigs vorgenommen werden. Darüber hinaus gehende Maßnahmen sind nicht geplant. 10. In welchen Streckenabschnitten wurden die ausweislich des Bundeshaushaltsplans 2011 (Anlage 12 auf Bundestagsdrucksache 17/2500) bis 2010 bereits ausgegebenen 215 367 000 Euro verwendet? Die Ausbaustrecke Berlin–Frankfurt/Oder ist überwiegend fertig gestellt: der Abschnitt Eisenbahnüberführung Schlichtallee bis zum Kreuzungsbauwerk Rummelsburg, der Bahnhof Erkner und der Abschnitt Erkner bis zur Grenze D/ PL bis auf punktuelle Maßnahmen zwischen Frankfurt (Oder) und der neuen Oderbrücke. Im von der Reduzierung des Ausbauzieles betroffenen Abschnitt Rummelsburg–Köpenick (a) wurden bislang keine Bundesmittel eingesetzt. 11. In welchen Streckenabschnitten sollen die ausweislich des Entwurfs des Bundeshaushaltplans 2011 (Anlage 12 auf Bundestagsdrucksache 17/2500) für 2011 eingeplanten 44 800 000 Euro verwendet werden? Soll es bei dieser Summe für diese Strecke bleiben, oder soll das Geld anderweitig verwendet werden? Das reduzierte Ausbauziel ist in der genannten Summe bereits berücksichtigt. Im Wesentlichen sollen die Mittel im Jahre 2011 für folgende Leistungen verwendet werden: Die Errichtung der Elektronischen Stellwerksunterzentrale (ESTW-UZ) Erkner, die Erneuerung der Eisenbahnüberführung Treskowallee, im Bauabschnitt zwischen Frankfurt/Oder Pbf und der Oderbrücke einschließlich der Eisenbahnüberführung Dresdner Straße sowie den Bau der Grundwasserwanne der Eisenbahnüberführung Erkner. 12. Wie erklärt die Bundesregierung die Abweichung der im Verkehrsinvestitionsbericht 2009 genannten Summe für die Gesamtkosten von 539 Mio. Euro und der im Entwurf des Bundeshaushaltsplans 2011 genannten Gesamtkosten von lediglich 351,95 Mio. Euro? Bei den im Entwurf des Bundeshaushaltsplanes 2011 genannten Gesamtkosten handelt es sich um Bundeshaushaltsmittel des Bedarfsplanes. Die Differenz zur im Verkehrsinvestitionsbericht 2009 genannten Gesamtsumme wird aus anderen Finanzierungsquellen (EU-Förderung, Eigenmittel der DB Netz AG etc.) getragen. 13. Wie verträgt sich dieser Beschluss ggf. mit den Angaben im Bericht der Bundesregierung über die Überprüfung der Bedarfspläne vom 11. November 2010, in dem die ABS Berlin–Frankfurt/Oder–Grenze Deutschland/ Polen als bis 2025 realisiert unterstellt wird? Die Ausbaustrecke Berlin–Frankfurt (Oder)–Grenze D/PL ist bereits überwiegend realisiert, der weitere Ausbau erfolgt wie dargestellt. 14. Wenn die Bundesregierung wie auch bei der ABS Berlin–Görlitz auf einen Ausbau auf Berliner Stadtgebiet verzichten will, warum finden sich dann dazu – anders als bezüglich der ABS Berlin–Görlitz – keinerlei Angaben dazu im 807 Seiten starken Bericht „Überprüfung der Bedarfspläne für die Bundesschienenwege“? Die Ausbaustrecke Berlin–Frankfurt (Oder)–Grenze D/PL wurde als bereits realisierte bzw. im Bau befindliche Maßnahme nicht im Rahmen der Überprüfung der Bedarfspläne für die Bundesschienenwege bewertet. 15. Lag der Entscheidung zum Verzicht auf den Ausbau der Strecke zwischen Berlin-Ostbahnhof und Landesgrenze Berlin-Brandenburg ggf. eine Ermittlung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses zugrunde, wie sie für die 38 Planfälle im Zuge der Überprüfung des Bedarfsplans durchgeführt wurde bzw. welche Art von Untersuchungen lagen der Entscheidung zugrunde? Welcher Gutachter hat diese Untersuchungen durchgeführt? Wenn dieser Entscheidung keine extern durchgeführte Untersuchung zugrunde lag, aufgrund welcher Erkenntnisse, Analysen o. Ä. wurde sie dann getroffen? Nein. Es wird auf die Antworten zu Fragen 1 und 2 verwiesen. 16. Wird im Falle eines Nichtausbaus der Strecke im Berliner Stadtgebiet die Förderung der Lärmschutzsanierung im Rahmen des Lärmsanierungsprogramms vorgezogen? Wenn ja, wann ist für die einzelnen Abschnitte in etwa mit einem Beginn der Lärmsanierung zu rechnen? Wenn nein, wann ist für die einzelnen Abschnitte mit einem Beginn der Lärmsanierung zu rechnen? Bei einem Verzicht auf den partiellen Streckenausbau zwischen Rummelsburg und Köpenick (a) entfallen die Ansprüche auf Lärmschutz im Rahmen der Lärmvorsorge. Ein Vorziehen von auf der Strecke geplanten Lärmsanierungsmaßnahmen ist nach Aussage der DB NetzAG weder möglich noch vorgesehen. 17. Wie bewertet die Bundesregierung die „Qualitätsanalyse Netzzustand 2010 – Länder Berlin und Brandenburg“ vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, veröffentlicht am 17. Dezember 2010, in dem es zur Strecke Berlin- Ostbahnhof–Erkner heißt, dass hier ein „unbedingter Handlungsbedarf“ vorliege, weil auf diesem Abschnitt sehr große Fahrzeitverluste zustande kommen? Der genannte Abschnitt ist nicht vollständig Teil des Projektes Ausbaustrecke Berlin–Frankfurt/Oder. Im Übrigen wird auf die Antwort zur Frage 5 verwiesen.
Berlin/Erkner – Die Bahn will ein großes Ärgernis durch ein noch größeres ersetzen. Betroffen ist die Strecke Ostbahnhof – Frankfurt (Oder), die parallel zur S 3 durch den Berliner Südosten verläuft. Dort wurde, wie berichtet, der seit Jahren geplante Neubau eines Regionalbahnhofes in Köpenick gestrichen, weil der Bund ihn nicht bezahlen will. Jetzt wird klar, dass auch die Alternative verschwinden soll – der Regionalbahnhof Karlshorst: Auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag teilt das Bundesverkehrsministerium mit, dass Regionalzüge in Karlshorst nur noch bis voraussichtlich 2016 halten werden, wenn der Regionalbahnsteig am Ostkreuz in Betrieb gehen soll. „Insofern gibt es auch keine Planungen der …
Berlin/Erkner – Die Bahn will ein großes Ärgernis durch ein noch größeres ersetzen. Betroffen ist die Strecke Ostbahnhof – Frankfurt (Oder), die parallel zur S 3 durch den Berliner Südosten verläuft. Dort wurde, wie berichtet, der seit Jahren geplante Neubau eines Regionalbahnhofes in Köpenick gestrichen, weil der Bund ihn nicht bezahlen will. Jetzt wird klar, dass auch die Alternative verschwinden soll – der Regionalbahnhof Karlshorst: Auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag teilt das Bundesverkehrsministerium mit, dass Regionalzüge in Karlshorst nur noch bis voraussichtlich 2016 halten werden, wenn der Regionalbahnsteig am Ostkreuz in Betrieb gehen soll.
„Insofern gibt es auch keine Planungen der …
(Berlin, 3. Februar 2011) Ein 19-Millionen-Euro-Projekt der Deutsche Bahn AG steht kurz vor der Vollendung: Nach Abschluss aller vorbereitenden Arbeiten kann der fertig montierte zweigleisige, 98 Meter lange Stahlüberbau der Eisenbahnbrücke über den Oder-Havel-Kanal bei Hennigsdorf auf das Gleis gehoben und zum westlichen Ufer gerollt werden. Auf dem Wasser übernimmt ein fast elf Meter breiter und 55 Meter langer Ponton die Last. Der Kanal ist in der kommenden Woche von Montag bis Mittwoch für den Schiffsverkehr gesperrt. Mitte März sollen die Züge wieder rollen, dann bis zu 120 Kilometer pro Stunde schnell.
Die beiden alten Stahlbrücken durften nur noch mit zehn bzw. 30 Kilometern pro Stunde befahren werden. Die Brücken mussten erneuert werden. Während der Bauarbeiten seit Juni des vergangenen Jahres sind beide Gleise zwischen Hennigsdorf Ost und Hohen Neuendorf West gesperrt. Als Ersatz für die ausfallenden Züge der RB 20 fahren Busse. Güterzüge werden umgeleitet.
Zunächst wurde die Baustelle einschließlich Vorfertigungsplatz und Baustraßen eingerichtet sowie im Rahmen der Naturschutzmaßnahmen der heimische Biber geschützt. Schon im März des vergangenen Jahres wurde dann begonnen, den Stahlüberbau vorzumontieren. Die bestehenden zwei eingleisigen Stahlfachwerküberbauten einschließlich der vorhandenen Vorlandbrücken und dazugehöriger Widerlager wurden komplett zurückgebaut. Die Widerlager wurden neu errichtet. Wegen Eis und Schnee konnte der aus Holland kommende Ponton nicht zugeführt und der vorgesehene Termin nicht eingehalten werden.
Im Schutz der Streckensperrung für das Vorhaben Eisenbahnüberführung Havel fanden weitere Baumaßnahmen im Bereich Hennigsdorf und auf dem Westlichen Berliner Außenring statt.
Ab 1. Februar setzt die ODEG auf der Linie OE46 (Cottbus – Forst) Fahrzeuge vom Typ RegioShuttle RS1 im Regelbetrieb ein. Die bisher auf dieser Strecke eingesetzten Desiro werden dann ausschließlich auf den Linien OE65 und OE60V zwischen Cottbus – Görlitz (- Zittau) sowie Görlitz – Bischofswerda fahren. Zur Weiterfahrt mit der ODEG in Cottbus ist dadurch zukünftig ein Umstieg für Fahrgäste aus Forst in Richtung Görlitz und auch in die Gegenrichtung erforderlich. Die Fahrpläne sowie die Anschlüsse bleiben unverändert bestehen. „Bisher haben wir durch den Einsatz eines größeren Fahrzeuges eine zusätzliche Leistung erbracht, mit der auch die umsteigefreie Fahrt über Cottbus hinaus ermöglicht wurde. Die Vergütung dieser Mehrleistung ist dem Aufgabenträger nicht möglich. Aus diesem Grund passt die ODEG ihre Leistung an.“, erläutert ODEG-Geschäftsführerin Ute Flügge das veränderte Angebot. Die ODEG erbringt seit Dezember 2008 Verkehrsleistungen im Auftrag des Landes Brandenburg sowie des Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien auf vier Strecken in der Lausitz. Die Finanzierung dieser Leistungen erfolgt über Betriebskostenzuschüsse der Länder sowie Fahrgelderlöse (Pressemeldung ODEG Ostdeutsche Eisenbahn GmbH, 02.02.11).
(Berlin, 25. Januar 2011) Wegen Bauarbeiten im Bahnhof Berlin-Spandau fallen am 28. und 29. Januar von 21 bis 0.45 Uhr die Züge der Linie RE 6 aus und werden durch Busse ersetzt. Die Busse verkehren zwischen Hennigsdorf und Falkensee. In Falkensee besteht Anschluss an die Züge der Linie RB 14 nach Berlin-Spandau. In der Gegenrichtung nutzen Reisende die Züge der Linie RB 14 bis Falkensee und haben dort Anschluss an den Ersatzverkehr nach Hennigsdorf und dort an die Züge der Linie RE 6.
Reisenden wird empfohlen, sich vor Antritt der Fahrt rechtzeitig zu informieren und gegebenenfalls eine frühere Verbindung zu nutzen.
Über diese Fahrplanänderungen informiert die Deutsche Bahn im Internet unter www.bahn.de/bauarbeiten. Fragen beantwortet der Kundendialog DB Regio Nordost unter Telefon 0331 235 6881 oder -6882. Zusätzlich sind die Informationen auch per Handy unter bauarbeiten.bahn.de/mobile abrufbar.
Die Berichte in den Medien wiederholen sich inzwischen. Es geht leider immer noch nicht darum, aus vergangenen Fehlern zu lernen. Wichtig ist immer noch das Wegschieben der eigenen Verantwortung und das Zeigen auf andere. Sankt Florian lässt grüßen. Diese Verhaltensmuster mögen für eine psychologische Untersuchung interessant sein. Den Fahrgästen, die tagtäglich unter den Folgen zu leiden haben, helfen sie nicht weiter. Seit zwei Jahren schwächelt die S-Bahn. Warnungen vor den Folgen gab es von Anfang an mehr als genug, von Fachleuten, Eisenbahnern und auch den Fahrgastverbänden. Die politische Idee, geboren unter rot-grün, mit Zahlungen in Milliardenhöhe sich aus der Verantwortung für das deutsche Eisenbahnnetz und den Schienenverkehr freizukaufen, ist komplett gescheitert. Rot-schwarz und schwarz-gelb haben diese fatale Verkehrspolitik 1:1 übernommen. Das Herausholen von Millionengewinnen aus der DB Regio und der S-Bahn Berlin GmbH ist bis zum Exzess professionalisiert worden. Auf Kosten der Zuverlässigkeit, der Sicherheit, des Personals, der Fahrgäste und insgesamt des bis dahin hohen Ansehens. Für den Normalfahrgast nicht nachvollziehbar ist das straflose Ausgehen der Ermittlungen gegen die damals Verantwortlichen. Wenn es darum geht, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, ist das Fordern nach schnellst-möglichen Ausschreibungen des S-Bahn-Verkehrs wie auch die Integration in die BVG viel zu kurz gegriffen. Was ist, wenn die S-Bahn Berlin GmbH die Ausschreibung gewinnt? Und die BVG leidet selber unter einer chronischen Unterfinanzierung wegen ständig gekürzter Landesmittel. Auch eine Kündigung des S-Bahn-Verkehrsvertrages und Auferlegung wird keine spürbare Besserung zeigen. Denn diese Maßnahmen würden nicht sofort spürbar werden und nichts an dem jetzigen Zustand ändern. Bezogen auf Berlin und Brandenburg müssen sich auch die beiden Bundesländer bewegen. Warum nicht über einen Fahrzeugpool nachdenken, über die Regionalisierung des Schienennetzes oder die Bestellung der Zughalte durch den VBB? Und daran erinnert sei, dass das Land Brandenburg in den letzten Jahren seine Zahlungen an die Verkehrsunternehmen immer weiter zusammengestrichen hat (Pressemeldung Deutscher Bahnkunden-Verband, Landesverband Berlin-Brandenburg, 18.01.11).
PRITZWALK – Als Christel Köhler Heiligabend die erste Meldung über die Verspätung des Prignitz-Express in Richtung Neuruppin auf dem Pritzwalker Bahnhof las, da nahm die 84-Jährige das noch gelassen: „Die paar Minuten sind ja kein Problem.“ Doch aus den 15 Minuten, die dort angekündigt waren, wurde bald eine dreiviertel Stunde, bis sich die Mitteilung auf der elektronischen Fahrgaständerte: „Der RE 6 fährt mit 30 Minuten Verspätung.“ Insgesamt fünf Stunden sollte die Putlitzer Rentnerin an diesem Tag auf dem zugigen Pritzwalker Bahnhof warten – bei Schneesturm und Eiseskälte. „Irgendwann habe ich die Glocken von der Pritzwalker Kirche gehört“, erinnert sich Christel Köhler. Sie dachte sich: „Jetzt gehen sie alle zum Festgottesdienst.“ Etwas später dann erneut die Glocken: „Jetzt gehen sie alle nach Hause und feiern.“ Christel Köhler verbringt derweil ihre Zeit auf dem Bahnhof. Hätte dort nicht plötzlich die Prignitzer Eisenbahn …
Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger erwartet von Bahn und S-Bahn Erklärungen, wie die unhaltbaren Zustände verbessert werden sollen. Neben den S-Bahn Einschränkungen kommt es jetzt auch noch zu erheblichen Zugausfällen im Regionalverkehr. Betroffen sind sowohl Brandenburger und Potsdamer Berlinpendler, aber auch der Süden des Landes.
Vogelsänger: „Die Bahn hat ohne vorherige Abstimmung mit uns einfach Züge gestrichen. Das kann nicht sein. Wenn ein fahrender Zug wegen der Witterung liegen bleibt, ist das schlimm genug. Wenn Züge aber erst gar nicht auf die Strecke geschickt werden, ist das ein Offenbarungseid. Es lässt sich den vielen Pendlern nicht mehr vermitteln, dass der Bahnkonzern weder genügend S-Bahnen noch Regionalzüge auf die Schienen bringen kann. Ich erwarte eine Erklärung von den Bahn und S-Bahn-Verantwortlichen. Erst kürzlich habe ich einen Brandbrief geschickt, weil einige Regionalzüge sehr unpünktlich fuhren. Morgen sollen mir die Verantwortlichen von DB Regio in einem Gespräch erklären, wie es im Regionalverkehr weitergehen wird und am Freitag gibt es einen Termin mit der Geschäftsführung der S-Bahn.“
RE1 Ausfall der Verdichterzüge in der Hauptverkehrszeit Brandenburg-Potsdam-Berlin-Golm.
RE2 Ausfall einzelner Umleiterzüge Berlin-Cottbus in der Hauptverkehrszeit.
RB13 Ausfall aller Verdichterzüge Spandau-Wustermark.
RB20 Ausfall aller Züge Potsdam-Golm-Hennigsdorf.
RB21 Ausfall der Verdichterzüge Potsdam-Golm.
Auch der Süden Brandenburgs ist betroffen:
Die Linien RE11 Leipzig-Falkenberg-Ruhland-Hoyerswerda und RE15 Dresden-Ruhland-Hoyerswerda von DB Regio Südost fallen gemäß einer Meldung im Internet vom 3. bis 15. Januar 2011 komplett aus. Als Ersatz wird auf die Linie RE18 Falkenberg/Dresden-Ruhland-Cottbus verwiesen und ein zweistündlicher Busersatzverkehr zwischen Ruhland und Hoyerswerda eingerichtet. Auch bei der Linie RB45 Elsterwerda-Chemnitz sind einzelne Verdichterzüge betroffen. Begründet wird der Ausfall mit der Witterung.
Bei der S-Bahn ist Brandenburg durch schlechtere Taktzeiten auf verschiedenen Strecken und Zugausfälle betroffen, zum Beispiel auf der Strecke nach Strausberg Nord sowie Hennigsdorf.