Verzögerung Berlin-Dresden nutzen, zweites Gleis wiederaufbauen, aus PRO BAHN

Ausbau Berlin–Dresden erneut um Jahre verschoben: Fahrgastverband PRO BAHN fordert Wiederaufbau des zweiten Gleises Jüterbog–Falkenberg

13.04.2026

https://www.pro-bahn.de/presse/pm_bv_show.php?id=553

Die heute von der DB InfraGO bekannt gegebene #Verschiebung der zweiten #Baustufe der #Ausbaustrecke Berlin– #Dresden von 2029 auf Ende 2033 zeigt erneut, wie sich ändernde Anforderungen und langsame #Planungsprozesse dringend benötigte #Infrastrukturprojekte um Jahre verzögern. Der #Fahrgastverband #PRO BAHN fordert, die entstandene Verzögerung produktiv zu nutzen und den Wiederaufbau des zweiten Streckengleises zwischen #Jüterbog und #Falkenberg (Elster) voranzutreiben.

Die Begründung der DB InfraGO – geänderte Anforderungen im Planfeststellungsverfahren, insbesondere bei Umweltfragen im Moorgebiet bei Zossen – zeigt ein systemisches Problem: Sich ändernde Anforderungen an Umweltschutz und Genehmigungsverfahren treffen auf ein Planungssystem, das zu langsam auf neue Rahmenbedingungen reagiert. Statt sich frühzeitig auf veränderte Standards einzustellen, werden Planungsunterlagen erst eingereicht und dann im laufenden Verfahren überarbeitet. Dass der gesamte Abschnitt Blankenfelde–Großenhain nun statt 2029 erst 2033 in Betrieb gehen soll, bedeutet für die Fahrgäste auf einer der wichtigsten europäischen Magistralen weitere vier Jahre ohne die versprochene Fahrzeit von 80 Minuten zwischen Berlin und Dresden.

Verzögerung als Chance: Zweites Gleis Jüterbog–Falkenberg jetzt wiederaufbauen

Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert, die gewonnene Zeit für eine überfällige Maßnahme zu nutzen: den Wiederaufbau des zweiten Streckengleises auf der Bahnstrecke Jüterbog–Falkenberg (Elster). Das zweite Gleis wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als sowjetische #Reparationsleistung abgebaut und seither nie wiederhergestellt – obwohl beim Rückbau auf den Wiedereinbau des zweiten Gleises weitgehend Rücksicht genommen wurde und die Trasse dafür vorbereitet ist.

Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert die DB InfraGO und das #Eisenbahn-Bundesamt auf zu prüfen, ob der Wiederaufbau des zweiten Gleises #planungsrechtlich vereinfacht umgesetzt werden kann. Die Trasse war als zweigleisige Hauptbahn #gewidmet und das zweite Gleis wurde lediglich physisch entfernt, nicht aber die Strecke als solche entwidmet oder stillgelegt. In vergleichbaren Fällen wurde ein abgebautes Gleis als „technisch gesperrt“ betrachtet, was eine Wiederherstellung ohne aufwendiges Planfeststellungsverfahren ermöglichte. Eine solche Prüfung könnte den Weg zu einer deutlich schnelleren Realisierung ebnen.

Ein zweigleisiger Ausbau dieser Strecke würde drei zentrale Ziele gleichzeitig erfüllen:

1. Leistungsfähige #Umleitungsstrecke während des Ausbaus Berlin–Dresden. Die Strecke über Jüterbog und Falkenberg ist die wichtigste Umleitungsroute, wenn die direkte Strecke Berlin–Dresden über Elsterwerda gesperrt wird. Bereits heute ist sie bei Sperrungen regelmäßig überlastet. Eine zweigleisige Strecke würde Umleiterverkehre im Fern-, Regional- und Güterverkehr deutlich besser aufnehmen können – genau dann, wenn die zusammenhängende Sperrung für die zweite Baustufe ansteht.

2. Dauerhafte Stärkung der #Netzresilienz. Ein leistungsfähiger Parallelweg zwischen Berlin und Sachsen stärkt das Schienennetz strukturell. Bei Störungen, Unwettern oder sonstigen Einschränkungen auf der Hauptstrecke über Elsterwerda stünde mit einer zweigleisigen Strecke über Falkenberg eine echte Alternative zur Verfügung – nicht nur ein Notbehelf mit langen Wartezeiten an Kreuzungsstellen.

3. Stärkung der militärischen #Mobilität. In der aktuellen sicherheitspolitischen Lage gewinnt die Frage der militärischen Mobilität auf der Schiene an Bedeutung. Die Strecke Jüterbog–Falkenberg hatte historisch bereits militärstrategische Bedeutung und liegt auf einer Nord-Süd-Achse, die für die Verlegung von Material und Truppen relevant ist. Ihr zweigleisiger Ausbau würde die Kapazitäten des Schienennetzes für militärische Transporte unmittelbar erhöhen – und zwar nicht als haushaltspolitische Pauschalzuordnung, sondern als gezielte Investition in tatsächlich relevante Infrastruktur.

Auch der Regionalverkehr profitiert

Der im dritten Gutachterentwurf des Deutschlandtakts bereits vorgesehene Begegnungsabschnitt zwischen Linda und Holzdorf – veranschlagt mit 39 Millionen Euro – sollte im Rahmen eines umfassenden Zweigleisausbaus realisiert werden. Dies würde einen sauberen #Stundentakt im #Regionalverkehr (RE 3/RE 4) ermöglichen und die Erreichbarkeit der Anschlüsse im Knoten Falkenberg (Elster) erheblich verbessern.

Fazit

„Die erneute Verschiebung des Ausbaus Berlin–Dresden ist enttäuschend, aber leider nicht überraschend“, sagt Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN. „Das sehr träge und bürokratische Vorgehen von DB InfraGO und die Genehmigungsbürokratie verzögern notwendige Maßnahmen teils viele Jahre lang. Sich ändernde Anforderungen dürfen kein Grund sein, Projekte einfach um vier Jahre zu schieben – sie müssen frühzeitig antizipiert werden. Wenn der Ausbau aber schon bis 2033 dauert, dann muss die Zeit genutzt werden: Der Wiederaufbau des zweiten Gleises zwischen Jüterbog und Falkenberg verbessert die Umleitungsmöglichkeiten während der Bauphase, stärkt die Netzresilienz dauerhaft und leistet einen konkreten Beitrag zur militärischen Mobilität. Wir fordern den Bund und die DB InfraGO auf, den zweigleisigen Wiederaufbau jetzt anzugehen – und dabei zu prüfen, ob die vorhandene Widmung eine vereinfachte Umsetzung ermöglicht.“

Michael Koch, stellvertretender Bundesvorsitzender vom Fahrgastverband PRO BAHN und Mitglied im Landesvorstand von Mitteldeutschland, betont: „Der Knoten Falkenberg (Elster) liegt an der Schnittstelle dreier Bundesländer und hat als Turmbahnhof eine einzigartige Netzfunktion. Ein zweigleisiger Zulauf aus Richtung Jüterbog würde nicht nur Berlin–Dresden entlasten, sondern auch die Anbindung Sachsen-Anhalts an das überregionale Schienennetz stärken.“

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Lukas Iffländer, Fahrgastverband PRO BAHN, Bundesvorsitzender, Tel. +49 176 66822886, E-Mail: lukas.ifflaender@pro-bahn.de