VIV-Schnappschüsse – Ich bin doch nicht verrückt und fahre privat Bahn, aus VIV

14.07.2023

https://www.lok-report.de/news/deutschland/aus-den-laendern/item/42627-berlin-viv-schnappschuesse-ich-bin-doch-nicht-verrueckt-und-fahre-privat-bahn.html

Die Zugbegleiterin von #Abellio im Bahnsteiggespräch: „Ich bin doch nicht verrückt und fahre privat Bahn“. #Verkehrswende live. Die Bahn ist ja ein Kosmos von merkwürdigen Sätzen („Vorsicht am Kehrzug. Zug kommt zur Ausfahrt“) und Abkürzungen.

„LDV“ z.B. steht in der Tradition von „mod.“ und „Reko“ (die Älteren erinnern sich) und bedeu- tet „#Lebensdauerverlängerung“. Eine solche erhalten die Fahrzeuge der Berliner S-Bahnbaureihe #481/482 und von den 500 Einheiten sind bereits mehr als die Hälfte modernisiert. Für den Fahrgast leicht an DB-typi- schen blauen Polstern und der neuen Lackierung erkennbar. Schade, dass aus Zulassungsgründen keine zeit- gemäße #Fahrgastinformation eingebaut und die #Höchstgeschwindigkeit bis dato nicht auf 100 km/h erhöht werden konnte. So bleibt auf mancher #Außenstrecke das Gefühl von S- als #Schleichbahn. Z.B. auf der #Wetzlarer Bahn zwischen #Grunewald und #Nikolassee, die von der S7 befahren wird. Und wer noch die alte, typische Lackierung oder den vollständigen „Mint-Chic“ der Neunziger im Innenraum bewundern will, der ist auf der S7 ganz gut beraten. Dort fahren Sie noch häufig – ohne LDV.

Hamburg: der Musemsfrachter „CAP SAN DIEGO“ wird zum Anlegen von zwei Hafenschleppern bugsiert, einer davon auf den Nahmen „RASANT“ hörend. Der Hafenloste auf der Brücke in sein Funkgerät „Rasant – ganz langsam!“. Was für eine schöne Anweisung.

Übrigens, die „CAP SAN DIEGO“ unternimmt im Jahr mehrere Fahrten; einer der Höhepunkte (neben Hafen- geburtstag und Cruise Days) ist immer die jeweils zweitägige Fahrt von Hamburg über die Elbe und durch den Nord-Ostsee-Kanal, weltweit als „Kiel Channel“ bekannt, in eben jenes Kiel. Die Mannschaft wettert den „Publikumsorkan“ souverän ab: von Peildeck und Brücke geht es in die beeindruckenden Maschinenräume bis in den Wellentunnel, an dessen Ende der Propeller sein Werk verrichtet. Wir können eine Mitfahrt auf diesem schönen Schiff nur empfehlen und jede, jeder Mitfahrende trägt natürlich auch zum Erhalt der Be- triebstüchtigkeit bei (capsandiego.de). Und wenn Sie dann ganz viel Glück haben, sehen Sie ein VIV-Vor- standsmitglied (der Autor dieser Zeilen ist es nicht) auf der Brücke versonnen von der großen Fahrt träu- mend….

Man kann zur #A100 stehen wie man will. Zugegeben: der Autor, selbst auch teilweise Autofahrender, findet neue #Stadtautobahnen aus verschiedenen Gründen nicht mehr zeitgemäß. Es gilt der alte Grundsatz: „Wer Straßen säet, wird Verkehr ernten“, denn alleine im Auto sitzen ist nun mal für viele angenehmer als in der vollen S41/S42 zu stehen. Man kann da aber auch anderer Meinung sein! Wie auch immer, der 16. Bauabschnitt nach Treptow soll Ende 2024 eröffnet werden. Nur: Wohin mit dem Verkehr? Wird aus dem Trepto- wer Park ein Treptower Parkplatz? Die Verantwortlichkeiten gehen hin, gehen her – passiert ist bis dato nichts. In den „Shortcuts III“ verwiesen wir in anderem Zusammenhang auf §3 des Kölschen Grundgesetzes: „Et hätt noch immer jot jejange“. Ist das der teuflische Plan?

Wo wir gerade bei Autos sind: Warum eigentlich werden in den Autodächern nicht schon längst Solarpaneele verbaut, um die Elektrik zu versorgen? Warum werden unsere Autos noch immer schwerer und größer? Erste Feststellung: die Physik lässt sich auch beim ach so umweltfreundlichen Elektroantrieb nicht aushebeln. Zweite Feststellung: Dinosaurier gibt es auch nicht mehr.

Magdeburg Hbf, RE1 nach Berlin und Frankfurt (Oder), #Zugzielanzeiger: „Heute ohne #Universal-WC“. Im gan- zen Zug geht kein einziges WC. Keine Ansage, keine Entschuldigung. Im Nachgang Mail an den VBB. Antwort: keine. Und so enden wir: Verkehrswende live.

Na, nicht ganz. Soeben macht die Mitteilung die Runde, dass bei der DB Netz AG die Stelle des „Beauftragten für die #gemeinwohlorientierte #Schieneninfrastruktur“ geschaffen wird. Ein schöner Titel zumindest und wahrscheinlich hat man da ganz viel zu tun, wenn dereinst (geplant 01.01.2024) DB Netz AG und DB Station & Service AG nicht mehr gewinn-, sondern gemeinwohlorientiert arbeiten.
Aber musste es unbedingt Tobias #Heinemann sein? Der Tobias Heinemann? Ja, genau der, jener Manager, der es als S-Bahn-Chef schaffte, dass Berlins S-Bahn 2009 faktisch wochenlang #stillstand, weil die Züge wegen gravierender #Wartungsmängel lange Zeit nicht einsatzfähig waren und der die vorgegebenen #Renditeziele brachial umsetzen wollte. Nun also wird er dem #Gemeinwohl verpflichtet tätig werden. Wohl dem, der flexibel ist. Wir leben in merkwürdigen Zeiten.

Pressemeldung Verkehrspolitischer Informationsverein e.v.(VIV)