Bahnchef Rüdiger Grube ist von allen Fraktionen zu der Anhörung, mit der die Ausschusssitzung beginnen soll, eingeladen worden. Auch der neue S-Bahn-Chef Peter Buchner, Hans-Werner Franz vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der S-Bahn-Betriebsratschef Heiner Wegner und Ralph Fischer vom Eisenbahn-Bundesamt stehen auf der Einladungsliste. Nach einem Notfahrplan wird derzeit der S-Bahn-Verkehr abgewickelt. Die Linien S 45, 47, 75 und 85 verkehren nicht. Die Strecken Alexanderplatz-Zoo-Nikolassee/Spandau, Springpfuhl-Wartenberg, Schöneweide-Spindlersfeld, Bornholmer Straße-Schönhauser Allee und Strausberg-Strausberg Nord sind außer Betrieb. Alle 20 Minuten sollen die Züge auf den meisten Linien fahren – so strebt es die S-Bahn an. Ausnahmen: Auf dem Ring ist ein Zehn-, auf der S 8 ein …
Mit dem Austausch von Rädern, Achsen und bald auch Bremszylindern hat das Personal in den Werkstätten der Berliner S-Bahn bereits alle Hände voll zu tun – doch die nächste Herausforderung ist schon in Sicht. „Noch ein paar Wochen – dann müssten wir damit beginnen, unsere Fahrzeuge für den Winter vorzubreiten, damit nicht wie im Januar wieder alles einfriert“, sagte ein Werkstattmitarbeiter der Berliner Zeitung. „Doch wir fragen uns, mit welchen Mitarbeitern das geschehen soll. Wenn wir keine zusätzliche Verstärkung bekommen und wenn nicht endlich investiert wird, sehen wir schwarz.“ Allerdings haben die Techniker den Eindruck, dass die neue Geschäftsführung „wie paralysiert“ ist. „Jetzt geht es vor allem darum, die Schuldigen für die bisherigen Versäumnisse zu finden“, so der S-Bahner. Die Techniker wissen, was zu tun wäre. So müssten die Fahrsperren, die ein wichtiger Bestandteil des S-Bahn-Sicherungssystems sind, mit grafithaltigem …
Nicht alle Berliner können den Ärger über die S-Bahn teilen. „Ich sehe die Situation nicht so dramatisch“, sagte Burkhard Kieker, der Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing (BTM), der Berliner Zeitung. Er warnte davor, die Lage zu dramatisieren, weil sonst das Image Berlins Schaden leiden könnte. „Diese Stadt ist weit davon entfernt, vor dem Zusammenbruch zu stehen“, so Kieker. Mit Bussen, U-, Straßen- und Regionalbahnen stünden genug Alternativen zur Verfügung: „Die meisten Touristen sind gut versorgt.“ Auch die S-Bahn zeigte sich optimistisch. Sie geht davon aus, dass sich der Zugbetrieb trotz der neuen Probleme mit den Bremszylindern zum Ende des Jahres wieder normalisieren wird. Nach Informationen der Berliner Zeitung läuft der Austausch dieser Bauteile allerdings schleppend an. Dem Vernehmen nach wird es mindestens drei Wochen dauern, bis genug neue Bremszylinder zur Verfügung stehen, um auf breiter Front mit dem Austausch …
Dass derzeit nur ein Viertel der S-Bahn-Flotte Fahrgäste befördern darf und der Rest in den Werkstätten stehen muss, ist schon schlimm genug. Das Schlimmste ist allerdings die Ungewissheit, ob der Skandal der verschlissenen Bremszylinder wirklich die letzte Krise ist, die das einstmals als so zuverlässig gerühmte Verkehrsmittel und dessen Kundschaft ertragen müssen. Die Fragen lauten: War’s das – oder kommt da womöglich noch etwas hinterher? Welche Schraube, welcher Dichtungsring, welches andere Pfennigteil wird sich als Nächstes als marode erweisen, weil Wartung und Pflege eingespart worden sind? Wird die S-Bahn diesmal den Winter überstehen, ohne dass sie wegen mangelnder Vorbereitung wie im Januar erneut buchstäblich einfriert? Zweifellos setzt die neue Geschäftsführung alles daran, die bisherigen Versäumnisse aufzuarbeiten. Stück für Stück kommt ans Tageslicht, wie verheerend sich der unter …
Berlin – Grüß Gott und vielen Dank nach München und Stuttgart! Die Südlichter leihen uns Züge aus, befahren ab Montag die Nord-Süd-Strecke. Der Weißwurst- und Spätzle-Express fährt zwischen 4 Uhr früh und 1 Uhr nachts alle 20 Minuten von Südkreuz über Potsdamer Platz und Hauptbahnhof nach Gesundbrunnen. Einmal pro Stunde geht es weiter nach Hennigsdorf. Das Personal wurde gleich mit ausgeliehen. Sieben Regionalzüge pro Stunde fahren zwischen Potsdam und Ostbahnhof. Zur Not fahren die Berliner auch Bus statt S-Bahn: Alle 10 Minuten geht es ab Bahnhof Zoo über Tiergarten, Bellevue und Hauptbahnhof zum Nordbahnhof. Extra-Busse verkehren zwischen S-/U-Bahnhof Pankow und U-Bahnhof Osloer Straße sowie zwischen S-Bahnhof Schöneweide und U-Bahnhof Blaschkoalee. Auskunft im Netz: www.s-bahn-berlin.de oder telefonisch 29 74 33 33. Ärger gab es gestern zwischen Bahn-Schaffnern und Regionalzug-Fahrgästen, die …
Die Diskussion um strafrechtliche Folgen der S-Bahn-Krise weitet sich aus. Der Privatbahnverband Mofair erhebt schwere Vorwürfe gegen ein früheres und ein jetziges Mitglied des Senats – den einstigen Senator für Stadtentwicklung, Peter Strieder, und seine Nachfolgerin, Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Sie haben sich möglicherweise der Untreue schuldig gemacht, sagte Engelbert Recker, der Hauptgeschäftsführer des Interessenverbands, am Freitag der Berliner Zeitung. Der 2004 abgeschlossene Vertrag des Landes Berlin mit der S-Bahn, für den sie verantwortlich seien, gehe „zu Lasten des öffentlichen Vermögens“. Denn mit ihm werde einem Unternehmen bis 2017 Geld in einem Ausmaß „zugeschustert“, das dem Beihilferecht der Europäischen Union (EU) widerspricht. Es bestehe der Verdacht einer „massiven Überkompensation“, die S-Bahn bekomme mehr Geld als angemessen. Damit sei der Vertrag …
Das Ausmaß der jüngsten S-Bahn-Krise wird immer deutlicher. Offenbar auf Anweisung von Vorgesetzten sind Vorschriften, die den Austausch von Bremszylindern fordern, systematisch missachtet worden. Auch wurden Arbeiten dokumentiert, die nie stattgefunden haben. Das sagte Ulrich Homburg, Personenverkehrsvorstand der Deutschen Bahn, am Freitag. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass einzelne S-Bahn-Mitarbeiter dies aus eigenem Antrieb getan haben.“ So etwas könne nur „auf Anweisung durch Vorgesetzte geschehen“. Homburg kündigte eine „lückenlose Aufklärung ohne Ansehen der Person“ an. Die DB hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sowie die Rechtsanwaltskanzlei Gleiss Lutz als unabhängige Ermittler mit der Untersuchung beauftragt. Sie prüft auch, ob sie Ansprüche gegen Verantwortliche geltend machen kann. Wie berichtet hatte Homburg Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD)…
Das Ausmaß der jüngsten S-Bahn-Krise wird immer deutlicher. Offenbar auf Anweisung von Vorgesetzten sind Vorschriften, die den Austausch von Bremszylindern fordern, systematisch missachtet worden. Auch wurden Arbeiten dokumentiert, die nie stattgefunden haben. Das sagte Ulrich Homburg, Personenverkehrsvorstand der Deutschen Bahn, am Freitag. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass einzelne S-Bahn-Mitarbeiter dies aus eigenem Antrieb getan haben.“ So etwas könne nur „auf Anweisung durch Vorgesetzte geschehen“. Homburg kündigte eine „lückenlose Aufklärung ohne Ansehen der Person“ an. Die DB hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sowie die Rechtsanwaltskanzlei Gleiss Lutz als unabhängige Ermittler mit der Untersuchung beauftragt. Sie prüft auch, ob sie Ansprüche gegen Verantwortliche geltend machen kann. Wie berichtet hatte Homburg Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD)…
In einer Anfrage an die Kommission lässt Michael Cramer prüfen, ob die derzeitige Vergabe- und Zuwendungspraxis an die Berliner S-Bahn europarechtswidrig ist. Seit Montag ist zum zweiten Mal in diesem Jahr das Chaos bei der Berliner S-Bahn ausgebrochen. Erneut gilt für den öffentlichen Verkehr in Berlin mehr Not als Fahrplan. Möglicherweise verstößt die dafür verantwortliche Praxis gegen EU-Recht. Dazu erklärt Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament: „Mittlerweile ist der S-Bahn-Verkehr in Berlin zum zweiten Mal zusammengebrochen. Was der Bevölkerung Berlins selbst zu Kriegszeiten nicht zugemutet wurde, ist heute in Friedenszeiten traurige Realität. Die starre Fixierung auf eine größtmögliche Rendite und den Börsengang bedeutet, dass die Sicherheit aufs Spiel gesetzt wird. Wir können von Glück reden, dass sich bisher noch keine dramatischen Unfälle durch defekte Bremsen oder Räder ereignet haben. Der finanzielle Effekt jedoch ist nur von kurzer Dauer, was nicht überraschen kann. Im vergangenen Jahr hat die S-Bahn 56 Mio. und in diesem Jahr 87 Mio. Euro an den Konzern zurückgeführt. Für das nächstes Jahr war sogar geplant, die Gewinnmarge auf 125 Mio. Euro in die Höhe zu treiben. Das dürfte den Tatbestand der Subvention erfüllen. Deshalb habe ich die beiliegende Anfrage an die Europäische Kommission gestellt. Ziel ist, dass die EU prüft, inwieweit die derzeitige Vergabe- und Zuwendungspraxis an die S-Bahn Berlin GmbH den Tatbestand einer europarechtswidrigen Beihilfe darstellt. Denn nach EU-Recht dürfen die staatlichen Zuwendungen an ein Verkehrsunternehmen nur dessen Aufwendungen kompensieren. Gewinnerwartungen im zwei- oder dreistelligen Millionenbereich, wie bei der S-Bahn Berlin, dürften damit sicherlich nicht gemeint sein.“ (Pressemeldung Michael Cramer, 12.09.09).
Bei der Berliner S-Bahn sollen ab sofort unabhängige Wirtschaftsprüfer die Unregelmäßigkeiten bei den vorgeschriebenen Sicherheitsüberprüfungen der Züge untersuchen. Das kündigte der Vorstand für Personenverkehr bei der Deutschen Bahn AG, Ulrich Homburg, am Freitag an. Dieser Schritt sei längst überfällig, sagte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz: „Es ist schon erstaunlich, dass erst jetzt, acht Monate nach dem ersten S-Bahn-Desaster im Januar, als rund dreitausend Züge wegen technischer Probleme ausfielen, die Verantwortlichen der Deutschen Bahn AG genauer hinsehen. Absolute Transparenz muss jetzt zur Selbstverständlichkeit werden. Das Verwirrspiel der Deutschen Bahn beim Thema Qualität und Zuverlässigkeit muss ein Ende haben. Die Fahrgäste und die Öffentlichkeit haben ein Recht darauf, offen und ehrlich informiert zu werden. Nur wenn das Missmanagement in den Führungsebenen des Bahn-Konzerns aufgeklärt ist und ein verlässliches Umsteuern in der Unternehmensstrategie stattfindet – weg von überzogenen Gewinnerwartungen – wieder hin zu Qualität für die Fahrgäste, kann das Vertrauen der Berlinerinnen und Berliner in die S-Bahn wiederhergestellt werden.“ (Pressemeldung VBB, 12.09.09).