Geisterzuege am Hackeschen Markt?

Geisterzuege am Hackeschen Markt?

Ereignis

Gegenstand der Kleinen Anfrage ist die Fahrgastauslastung und Wirtschaftlichkeit der neuen Straßenbahnverbindung zum Alexanderplatz und Hackeschen Markt. Die FDP-Fraktion kritisiert einen vermeintlich hohen Anteil an Leerfahrten auf dem neuen Streckenabschnitt und bringt den Begriff „Geisterzüge“ ein. Der Senat weist diese Darstellung unter Berufung auf die BVG zurück und betont, dass die Linien aus den östlichen Wohnsiedlungen zum Alexanderplatz überdurchschnittlich gut ausgelastet und wirtschaftlich sind. Die geringere Auslastung im kurzen Anschlussabschnitt zum Hackeschen Markt ist betrieblich zwingend bedingt, da am Alexanderplatz eine Wendemöglichkeit fehlt und die Züge die dortige Gleisschleife nutzen müssen.

Details

Quelle: Abgeordnetenhaus von Berlin, 15. Wahlperiode, Drucksache 15/574
Kleine Anfrage Nr. 15/574
des Abgeordneten Klaus-Peter von Lüdeke (FDP)
über: „Geisterzüge“ am Hackeschen Markt?
Ich frage den Senat:
1. Wie hat sich die Belastung (werktägliche Streckenbelastung in Personen) des Straßenbahnnetzes im Bereich Hackescher Markt/Oranienburger Straße/Friedrichstraße und vor allem auf der neuen Strecke Alexanderplatz/Karl-Liebknecht-/Spandauer Straße entwickelt?
2. Wie ist die Entwicklung im Hinblick auf die durchschnittliche Belastung des Straßenbahn-Gesamtnetzes und innenstadttypischer Straßenbahn-Belastungswerte zu beurteilen (bitte Vergleichswerte benennen)?
3. Wie steht es mit der Wirtschaftlichkeit der vorgenannten Strecken und der auf ihnen verkehrenden Linien – speziell auch auf der oben angegebenen Neubaustrecke – unter Beachtung der insoweit maßgeblichen Auslastungswerte (diese bitte benennen)?
4. Inwieweit teilt der Senat die Auffassung, dass der Straßenbahnbetrieb in dem hier fraglichen Bereich und vor allem auf der Neubaustrecke durch einen hohen Anteil von (fast) Leerfahrten gekennzeichnet ist, die Bezeichnung „Geisterzüge“ hier also angebracht ist (bzw. angebracht werden sollte)?
5. Welche Schlussfolgerungen zieht der Senat aus dieser Sachlage (z. B. Abbestellung von Straßenbahnverkehr, Netzrückbau)?
Berlin, den 25. Juli 2002
Antwort auf die Kleine Anfrage Nr. 574
Im Namen des Senats von Berlin
beantworten wir Ihre Kleine Anfrage wie folgt:
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) teilen zu den Fragen 1. bis 3. Folgendes mit:
Zu 1.:
Durch den Neubau der Straßenbahnstrecke zum Alexanderplatz und zum Hackeschen Markt konnte die seit Jahren von der Bevölkerung geforderte direkte Anbindung der Wohnsiedlungen in Weißensee, Hohenschönhausen und Marzahn an den Alexanderplatz realisiert werden.
Die direkten Straßenbahnlinienverbindungen haben zu einer erheblichen Nachfragesteigerung des Verkehrssystems Straßenbahn geführt, da für viele Fahrgäste bisherige Umwege und mehrfaches Umsteigen entfallen. Davon profitiert ebenso der Bereich Friedrichstraße/Oranienburger Straße, der mit einer direkten Linie vom Alexanderplatz eine verbesserte Anbindung bekommen hat.
Als sehr großer Nachfrageschwerpunkt hat sich erwartungsgemäß der Umsteigebereich um den Alexanderplatz entwickelt. Es wäre sinnvoll, hier auch Linien enden zu lassen. Da am Alexanderplatz keine Wendemöglichkeit vorhanden ist, müssen die Züge bis zur nächstgelegenen Endhaltestelle, d. h. zur Gleisschleife Hackescher Markt fahren. Zwischen dem Alexanderplatz und dem Hackeschen Markt ist die Nachfrage in den Straßenbahnzügen geringer.
Eine Einsparmöglichkeit von Straßenbahnzügen oder Verringerung der Linien ist nicht möglich, da im Zulauf aus den Wohnsiedlungen zum Alexanderplatz alle Züge und Linien überdurchschnittlich gut ausgelastet sind. Der BVG liegen sogar Wünsche und Forderungen von Fahrgästen vor, die Anzahl der Züge zum Alexanderplatz weiter zu erhöhen. Da die Strecke Alexanderplatz – Hackescher Markt aber ihre Leistungsfähigkeit bereits erreicht hat, können diese Wünsche nicht berücksichtigt werden.
Zu 2.:
Die Neubaustrecke zum Alexanderplatz hat die Gesamtauslastung des Berliner Straßenbahn-Netzes erhöht. Die Linien über den Alexanderplatz gehören zu den am stärksten ausgelasteten Linien.
Zu 3.:
Analog zur Antwort 2 ist die Wirtschaftlichkeit der Neubaustrecken als gut zu bezeichnen. Entsprechend der Fahrgastnachfrage sind die Abschnitte am Alexanderplatz mit einer höheren Wirtschaftlichkeit versehen als der Abschnitt in der Spandauer Straße oder Oranienburger Straße.
Zu 4. und 5.:
Der Senat teilt diese Auffassungen unter Berücksichtigung des oben Erläuterten nicht. Weitere Schlussfolgerungen sind daher nicht erforderlich.
Berlin, den 28. August 2002

In Vertretung
Volkmar Strauch
Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen

Hinweis

dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt