Die zukünftige Entwicklung des Eisenbahnverkehrs in Berlin

über die weitere Entwicklung des Eisenbahnverkehrs

Ereignis

Die Kleine Anfrage behandelt die weitreichenden verkehrs- und städtebaulichen Planungen für den Berliner Fernbahnverkehr unmittelbar nach den weltpolitischen Veränderungen vom November 1989. Die Senatorin für Bundesangelegenheiten, Prof. Dr. Heide Pfarr, nimmt im Namen des Senats ausführlich Stellung zu strategischen Großprojekten wie der Schnellbahnverbindung Hannover–Berlin, deren Fertigstellung der Senat für Mitte der 90er Jahre anstrebt, sowie der Einführung von Intercity- und Interregio-Taktungen in Kooperation zwischen Bundesbahn und Reichsbahn. Von herausragender zukunftspolitischer Bedeutung ist das Bekenntnis des Senats zu einer neuen Eisenbahn-Nord-Süd-Verbindung und der Prüfung eines neuen zentralen Kreuzungsbahnhofs im Bereich des Lehrter Bahnhofs, unter Berücksichtigung der Großbaustellen am Sachsendamm.

Details & Originaltext

Quelle: Abgeordnetenhaus von Berlin, 11. Wahlperiode, Drucksache 11/697

Nr. 945
des Abgeordneten Michael Cramer (AL)
über weitere Entwicklung des Eisenbahnverkehrs

Ich frage den Senat:
1. Wann ist frühestens mit der Fertigstellung der Schnellbahn nach Hannover zu rechnen und von welchen Bedingungen hängt die Terminierung ab?
2. Welches Konzept verfolgt die Deutsche Bundesbahn, um zum Fertigstellungsdatum den Verkehr in die bzw. aus der Region Berlin qualitativ zu verbessern?
3. Haben die Veränderungen des 9. November 1989 Auswirkungen auf den bisher geplanten Einsatz von Interregio-Zügen im Berlin-Verkehr?
4. Welche Möglichkeiten sieht die Deutsche Bundesbahn im Zusammenwirken mit der Deutschen Reichsbahn durch den kurzfristigen Einsatz modernen Wagenmaterials, jedem Fahrgast einen Sitzplatz zu garantieren?
5. Ist der Senat mit mir der Meinung, daß eine Eisenbahn-Nord-Süd-Verbindung für die künftige Entwicklung der Region Berlin eine herausragende Bedeutung hat?
6. Befürwortet der Senat deshalb auch eine Eisenbahndirektverbindung zwischen Gesundbrunnen und Papestraße, bzw. eines neuen Bahnhofs im zentralen Bereich?
7. Welche Konsequenzen hätte eine solche Fernbahnplanung für die Neugestaltung des Nadelöhrs am Sachsendamm und ist der Senat bereit, diese langfristige Möglichkeit bei den Baumaßnahmen zu berücksichtigen?

Berlin, den 30. Januar 1990
Eingegangen am 31. Januar 1990

Antwort (Schlußbericht) auf die Kleine Anfrage Nr. 945
Im Namen des Senats von Berlin
beantworten wir Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

Zu 1.:
Nach Auffassung der Bundesregierung kann bei einem positiven Verlauf der Verhandlungen mit der DDR über die Schnellbahn Hannover–Berlin, eine zügige Verwirklichung vorausgesetzt, die Fertigstellung in der zweiten Hälfte der 90er Jahre erwartet werden.
Der Senat wird sich für eine frühestmögliche Fertigstellung Ende 1995 bzw. im Laufe des Jahres 1996 einsetzen.

Zu 2.:
Höchste Priorität hat die Verbesserung des bestehenden Angebots:
* Erhöhung der Zugfrequenzen
* Verbesserung des Wagenmaterials
* Verbesserung des Serviceangebotes

Technische Probleme, die dem Einsatz modernen Wagenmaterials in der Vergangenheit entgegenstanden, scheinen mittelfristig lösbar.
Es wird angestrebt, die Relationen
* Berlin–Hamburg
* Berlin–Hannover/Braunschweig
in IC-Qualität zu bedienen.

Zu 3.:
Auf der Strecke Köln–Berlin sollen 1990 3 Zugpaare statt bisher 2 in Interregio-Qualität eingesetzt werden. 1991 sind 8 Zugpaare in Interregio-Qualität im 2-Stunden-Takt vorgesehen. Die Bundesregierung strebt im Berlin-Verkehr eine Anhebung der Interregio-Qualität auf Intercity-Standard ab 1991 an.

Zu 4.:
Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn sind bemüht, die Planung des Zusatzangebotes an Verkehrsströmen auszurichten.
Spitzenverkehrszeiten werden nicht immer über das geplante Regelangebot abgedeckt werden können. Beide Bahnverwaltungen sind derzeit bemüht, die beiden elektronischen Platzkartenbuchungssysteme technisch aufeinander abzustimmen.

Zu 5. bis 7.:
Die Zielplanung eines Eisenbahnnetzes für den Raum Berlin hat nach Auffassung des Senats über die bisherige Trassenfreihaltung hinaus bei den sich verändernden Bedingungen an Aktualität gewonnen. Der Senat bereitet Konzeptionen hierzu vor, zu denen auch die Nord-Süd-Verbindungen gehören, wobei als eine der Varianten auch die angesprochene „Direktverbindung“ zu prüfen ist.

Als Verknüpfungsbahnhof zwischen dem Nord-Süd-Verkehr über die erwähnte „Direktverbindung“ einerseits und dem Ost-West-Verkehr über die Stadtbahn andererseits käme ein neuer Fernbahnhof im Bereich des Hamburger und Lehrter Bahnhofes in Frage.

Eine solche Fernbahnplanung ist im Bereich Sachsendamm mit den Planungen im Rahmen der Planfeststellung für die BAB A 10 Ring Berlin (West) von der Anschlußstelle Sachsendamm bis zur Anschlußstelle Alboinstraße verträglich. Die technischen Voraussetzungen für deren Realisierung werden berücksichtigt.

Der Senat setzt sich dafür ein, daß die mit einer Verbesserung des Schienenverkehrs im Raum Berlin zusammenhängenden Fragen möglichst bald in der deutsch-deutschen Kommission Verkehrswege erörtert werden, deren Aufgabe auch die kurz- und mittelfristige Verbesserung des Schienenverkehrs ist.

Berlin, den 7. März 1990
Prof. Dr. Heide Pfarr
Senatorin für Bundesangelegenheiten
Eingegangen am 19. März 1990

Hinweis

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt.