Straßenverkehr: Straßenbäume in Berlin, aus Senat

www.berlin.de

Frage 1:
Nach welchen Kriterien wird aktuell entschieden, welche #Baumart bei der #Neupflanzung von #Straßenbäumen
verwendet wird?
Antwort zu 1:
Für die Auswahl der Baumarten (Gattungen, Sorten) an öffentlichen Straßen sind die
Bezirksämter zuständig. Diese teilen hinsichtlich der Kriterien zur Baumartenauswahl mit:
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Mitte
„Im Bezirk Mitte werden schon seit einigen Jahren an verschiedenen Standorten neue
Konzepte zu Baumpflanzungen und -pflege umgesetzt. Dies geschieht vor allem im
Rahmen von Neupflanzungen, Umbaumaßnahmen und dem Neubau von Straßen.
Gründe für neue Baumarten ergeben sich vor allem aus dem sich abzeichnenden
Klimawandel und all seinen Begleiterscheinungen. Es werden mehr stadtverträgliche
Baumarten getestet, die auch längere Trockenphasen und Hitzewellen besser verkraften.
Außerdem werden die notwendigen Pflegekosten kritisch geprüft.“
Friedrichshain-Kreuzberg
„Die Kriterien sind Anfälligkeit für Schädlingsbefall und Baumkrankheiten; Winterhärte;
Hitze-, Strahlungs- und Trockenheitstoleranz; Anpassungsfähigkeit, geringe Emissionsund Streusalzempfindlichkeit; Verträglichkeit mit nährstoffarmen und verdichteten Böden.“
Pankow
„Die wesentlichen Kriterien zur Auswahl der für den jeweiligen Standort passenden
Baumarten sind folgende:
– morphologische und physiologische Eigenschaften wie Wuchskraft, Wurzel-, Stammund Kronenbildung, Habitus oder Lichtdurchlässigkeit,
– Standortansprüche an Klima, Boden, Wasser und Lichtbedarf
– Erfahrungen über Lebenserwartung, Pflegeaufwand, Widerstandsfähigkeit gegen
Umweltbelastungen, Krankheiten und Schädlinge,
– Verkehrssicherheit mit Blick auf Stand- und Bruchsicherheit, Totholzbildung oder
Lichtraumprofil
– regionale Besonderheiten und Erfahrungen sowie regionale Einschränkung ihrer
Verwendungsbereiche“
(Quelle: Vorbemerkungen zur Straßenbaumliste der Deutschen
Gartenamtsleiterkonferenz (GALK-Straßenbaumliste, www.galk.de).“
Charlottenburg-Wilmersdorf
„Das Ziel ist es, Erfahrungen, neue Erkenntnisse und wissenschaftlichen Daten über
Wachstum, Resistenz, Größe und Verwendbarkeit von Stadtbäumen, vorwiegend in
Straßen, in eine überschaubare Form zu bringen und dabei die sich ändernden
Rahmenbedingungen durch Klimaänderungen und deren Folgen in notwendigem Maße
bei der Auswahl der Straßenbäume zu berücksichtigen.
Maßgebende Kriterien für die Beurteilung der Baumarten und Sorten für ihre Verwendung
im städtischen Straßenraum sind vor allem:
– morphologische und physiologische Eigenschaften wie Wuchskraft, Wurzel-, Stammund Kronenbildung, Habitus oder Lichtdurchlässigkeit,
– Standortansprüche an Klima, Boden, Wasser und Lichtbedarf,
– Erfahrungen über Lebenserwartung, Pflegeaufwand, Widerstandsfähigkeit gegen
Umweltbelastungen, Krankheiten und Schädlinge,
– Verkehrssicherheit mit Blick auf Stand- und Bruchsicherheit, Totholzbildung oder
Lichtraumprofil,
– regionale Besonderheiten und Erfahrungen sowie regionale Einschränkung ihrer
Verwendungsbereiche.
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Als Grundsatz gilt dabei: Je anspruchsloser die Baumarten vor allem in Bezug auf Boden,
Nährstoffe und Klima sind, desto besser sind sie in der Regel für die Verwendung im
städtischen Straßenraum geeignet.
Bei der Standortauswahl sind im Kataster/vor Ort entsprechende Kriterien zu prüfen.
Ein Baumstandort ist nachhaltig, das heißt der Baum hat unter folgenden
Voraussetzungen langfristig gute Entwicklungschancen:
– gute Lichtverhältnisse,
– ausreichender Fassadenabstand,
– ausreichender Abstand zu Nachbarbäumen (auch zu Privatbäumen),
– ausreichender Abstand zu Einbauten,
– ausreichender Abstand zu Bushaltestellen (Ein-/Ausstieg ohne Betreten der
Baumscheibe möglich),
– ausreichender Abstand zu Kreuzungen, Überwegen (freie Sicht für alle
Verkehrsteilnehmenden) und zur Straße,
– ausreichender Abstand zu Einfahrten,
– Baumstandort ist möglichst entfernt von Leitungstrassen,
– Baumscheibe ist frei von Revisionsöffnungen/Schiebern,
– nach einer Havarie wurde der Standort zur Bepflanzung von Leitungsträger bestätigt,
– nach Bauvorhaben (z.B. Tunnelsanierung U2) wurde Standort zur Bepflanzung geprüft,
– die vorgeschlagene Baumart passt zum vorhandenen Bestand (z.B. Lindenallee),
– die vorgeschlagene Baumart lässt sich mit aktuell geltenden Empfehlungen der GALK
für Straßenbäume vereinbaren,
– die vorgeschlagene Baumart ist nach aktuellen Erkenntnissen über Krankheiten und
Schädlingsbefall geeignet.“
Spandau
„Entscheidend ist die Frage, ob es im öffentlich gewidmeten Straßenland an einem
bestimmten Standort überhaupt zu einer Neupflanzung kommt. In Anpassung an den
Klimawandel fällt die Entscheidung für eine Neupflanzung immer schwerer. Wesentliche
Rahmenbedingungen sind unter der Annahme eines fortschreitenden Klimawandels nicht
geklärt. Dazu gehört auch die Baumartenwahl. Ein Straßenbaumbestand von 25.000
Straßenbäumen in Spandau ist nicht zu halten, wenn denn derzeit nur theoretisch ca.
20.000 Straßenbäume nachhaltig bewässert werden können.“
Steglitz-Zehlendorf
„Die Auswahlkriterien haben sich gegenüber der Vergangenheit nicht grundlegend
geändert: Neben Ansprüchen an die Wuchsform sind zu den belastenden Faktoren wie
verdichtetem Boden, Luftmangel, Schadstoffemissionen, Schädlingsbefall sowie partiell
Streusalzbelastung zusätzlich Trockenstress und Überhitzung hinzugekommen.
Weiterhin müssen im Einzelfall auch lokale Gegebenheiten berücksichtigt werden (z.B.
Bezüge auf Baumarten in Straßennamen).“
Tempelhof-Schöneberg
„Die Artenauswahl erfolgt nach den jeweiligen Kriterien, die sich aus den unterschiedlichen
örtlichen Gegebenheiten ergeben und auf Grundlage der Empfehlungen der Baumarten
der Straßenbaumliste der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz/GALK (Kriterien:
Hitzeverträglichkeit, Toleranz gegenüber städtischem Klima etc.).“
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Neukölln
„Die Kriterien nach denen zu pflanzende Baumarten ausgewählt werden, sind folgende:
– vorhandener Baumbestand (Gattung, Art, Sorte),
– Stresstoleranz im Hinblick auf Wasserbedarf, bekannte Schädigungsmöglichkeiten
(Viren, Pilze, Bakterien, Insekten), Toleranz gegen Bodenverdichtung,
Salzverträglichkeit, Toleranz gegen Hundeurin, Winterhärtegrad (Frostempfindlichkeit,
Frosthärte, Spätfrostgefährdung),
– Art des Wurzelsystems, Blüte, Fruchtansatz- bzw. -abwurf, Feinstaub-Filterwirkung,
– örtliche Situation wie z.B. Straßen-Kreuzungsbereiche, Breite des Gehwegs,
Straßenraumbreite, vorhandene Leitungsbestände und Festeinbauten im Straßenland,
Fassadengliederung und -gestaltung im Hinblick auf Rückstrahlungswärme,
Besonnung/Verschattung des Straßenraums, Straßenarchitektur/Leitfunktion,
Windexposition,
– eine „Gemengelage“ verschiedenster Kriterien werden zu Gunsten der ein oder anderen
Gewichtung bei der Planung berücksichtigt.“
Treptow-Köpenick
„Es wird zuerst nach dem vorhandenen Baumbestand und seiner Entwicklung geschaut.
Maßgebend ist neben der Bodenart, der lichte Raum der Straße, der zur Verfügung steht.
Mittlerweile pflanzen wir lieber eine Mischpflanzung, um bei eventuell auftretendem
Schädlingsbefall die Verbreitung zu erschweren.“
Marzahn-Hellersdorf
„Für den Fachbereich Grün sind hauptsächlich klimatische Kriterien wichtig. Dazu kommen
noch die Möglichkeiten und Voraussetzungen der jeweiligen Standorte und des
Pflegebedarfs.“
Lichtenberg
„Ausgehend vom vorhandenen Baumbestand in der jeweiligen Straße wird im
Baummanagement Lichtenberg (Dipl. Gartenbauingenieur, Gärtnermeister, Gärtner) auf
der Grundlage der Berliner Straßenbaumliste und diversen Forschungsstudien wie
Klimawandel und Gehölze, Klimabaumarten, Klimabaumkatalog eine Entscheidung zur
zukünftigen Baumart in Abhängigkeit von den Bodenverhältnissen in der Straße getroffen.“
Reinickendorf
„Bei Neupflanzungen werden Baumarten verwendet, die sich in den letzten Jahren als
stadtklimafest erwiesen haben. Darüber hinaus werden Baumarten und Baumsorten auf
Grundlage der Straßenbaumliste der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) verwendet.“
Frage 2:
Gibt es Baumarten, die in Zukunft schwerpunktmäßig gepflanzt werden sollen und wenn ja, welche sind
das?
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Antwort zu 2:
Die Bezirksämter, die für die Auswahl der Baumarten an öffentlichen Straßen zuständig
sind, teilen diesbezüglich mit:
Mitte
„Die ‚Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz‘, kurz GALK, empfiehlt in ihren jährlichen
Veröffentlichungen eine Baumliste, die auf Empfehlung durch verschiedene
Forschungsinstitute festgelegt wurde. Leider zeichnen sich aus den o.g. Gründen keine
eindeutigen Trends ab, welche Baumarten besonders stadtklimaverträglich sind, da es
immer wieder zu neuen Krankheiten an bisher sicher erschienen Baumarten kommt.“
Friedrichshain-Kreuzberg
„Neben der Linde werden möglichst diverse heimische und nichtheimische Bäume
gepflanzt, um zukünftigen und nicht vorhersehbaren Anforderungen (neue
Baumkrankheiten, Schädlingsdruck) begegnen zu können.“
Pankow
„Den sich verändernden stadtklimatischen Bedingungen werden bei der Auswahl
passender Baumarten aktuell und in Zukunft Rechnung getragen. Grundlage dafür sind
die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse und praktischen Erfahrungswerte. Diese
fließen u. a. in die GALK-Straßenbaumliste ein, die eine Grundlage für die Auswahl bildet.
Schwerpunkt-Baumarten für künftige Baumpflanzungen lassen sich daraus nicht zwingend
ableiten. Vielmehr geht es um die Auswahl der jeweils mit ihren Eigenschaften passenden
Baumart für den jeweiligen Standort mit seinen spezifischen Bedingungen.
‚Als Grundsatz gilt dabei: Je anspruchsloser die Baumarten vor allem in Bezug auf Boden,
Nährstoffe und Klima sind, desto besser sind sie in der Regel für die Verwendung im
städtischen Straßenraum geeignet.‘ (Quelle: Vorbemerkungen zur GALKStraßenbaumliste 2012, www.galk.de).“
Charlottenburg-Wilmersdorf
Sichtung und Erprobung von zukunftsträchtigen Baumarten aus dem (süd-)
osteuropäischen, aber auch nordamerikanischen und asiatischen Raum, die auf Grund
ihrer Eigenschaften potentiell in der Lage sind, den prognostizierten Klimabedingungen
unserer Städte zu trotzen. In Langzeitversuchen werden u. a. folgenden Arten auf ihre
Eignung als Stadtbaum geprüft: (Die Liste kann nicht abschließend sein.)
– Acer monspessulanum
Der Französische Ahorn stammt aus dem Mittelmeerraum und gilt als besonders hitzeund trockenheitsverträglich. Ein kleiner bis mittelgroßer Baum mit ledrigen Blättern, die
im Gegensatz zum Feldahorn keinen Milchsaft führen. Er ist sehr anspruchslos,
bevorzugt kalkhaltige Substrate und zeigt sich weitaus frosthärter als erwartet.
– Alnus x spaethii
Die Purpur-Erle ist eine Kreuzung von Alnus japonica und Alnus subcordata. Obwohl
diese Art schon lange bekannt und in den Niederlanden ein weit verbreiteter
Straßenbaum. Nach Angaben der Niederländer wächst sie auch auf ärmsten Böden, ist
unempfindlich gegenüber starkem Wind und gut salzverträglich. Sie gilt als frosthart,
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zeigt aber nach den starken Barfrösten Stammaufrisse im Kronenansatzbereich, die
jedoch durch die enorme Wüchsigkeit der Art gut zuwallen.
– Fraxinus ornus
Die Blumen-Esche hat sich bisher als durchaus frosthart erwiesen und gleicht auch
Austriebsschäden nach Spätfrosten schnell aus. Sie profitiert als Straßenbaum von
ihrer Hitze- und Trockenverträglichkeit am Naturstandort auf sonnig-warmen
Karsthängen Südosteuropas. Gegen das Eschentriebsterben scheint sie nicht anfällig
zu sein. Sehr schön ist die dekorative weiße Blüte im Mai, die von Bienen besucht wird.
– Fraxinus pennsylvanica ‚Summit‘
Die Nordamerikanische Rot-Esche hat mit ihren geringen Ansprüchen und hohem
Regenerationsvermögen nahezu Pioniergehölzcharakter. Ihre weitgehende Resistenz
gegen das Eschentriebsterben sowie ihre dekorative gelb- bis gelbviolette
Herbstfärbung machen sie zu einer echten Alternative zur heimischen Esche. Während
der Anwachsphase kann es Probleme mit Blattläusen geben. Nach Meinung von
Experten ist ‚Summit‘ die beste Sorte für den Einsatz in der Stadt, da sie sich bereits
sehr gut in der Hitze Südfrankreichs bewährt hat.
– Ginkgo biloba (männliche)
Der Ginkgo biloba ist eine langsam wüchsige Art, die durch das ledrige, fächerförmige
Laub eine besondere Erscheinung ist. Gegenüber Krankheiten und Schädlingen ist der
Ginkgo sehr robust. Er reift schlecht aus und an stark exponierten, kontinental
geprägten Orten friert regelmäßig der letztjährige Zuwachs zurück.
– Gleditsia triacanthos ‚Skyline‘
Der Lederhülsenbaum ist als Stickstoffsammler ausgesprochen anspruchslos. Durch
seine lichte Krone ist er sehr gut für Unterpflanzungen geeignet. Unter den dornenlosen
Sorten ist er ein „Muss“ im Stadtbereich. ‚Skyline’ ist zurzeit die Sorte mit der schönsten
Kronenform. Sie setzt im Gegensatz zur reinen Art so gut wie keine Früchte an.
– Liquidambar styraciflua
Der Amberbaum erinnert in seinem Habitus an einen Ahorn. Auffällig ist seine Rinde mit
den luftgefüllten Korkleisten. In einem gut durchlüfteten Substrat kommt er, obwohl als
kalkempfindlich beschrieben, mit pH-Werten über 7 gut zurecht. Seine rote
Herbstfärbung ist spektakulär. Er zeigt eine gute Frosthärte, ist jedoch windbruch- und
schneelastgefährdet.
– Ostrya carpinifolia
Die Hopfen-Buche ist eine nahe Verwandte der Hainbuche, mit der sie leicht zu
verwechseln ist. Sie stammt aus Südosteuropa, wo sie auf trockenen und sonnigen
Berghängen sowie in lichten Wäldern wächst. Die Winterhärte, die Gesundheit und ihre
allgemeine Anspruchslosigkeit lassen sie als besonders aussichtsreichen
Zukunftsbaum erscheinen. Beim Anwachsen braucht sie eine gewisse Anlaufzeit.
– Quercus cerris
Die Zerr-Eiche aus dem Balkan ist am Naturstandort häufig mit Fraxinus ornus und
Ostrya carpinifolia vergesellschaftet. Sie gilt als frosthart, trocken- und hitzeresistent.
Leider wird sie vom Eichenprozessionsspinner befallen.
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– Sophora japonica ‚Regent‘
Der Perlschnur- oder Honigbaum zeichnet sich durch eine hohe Hitzebeständigkeit und
Trockenstresstoleranz aus. Er ist an kontinental geprägten Standorten zumindest in der
Jugend nur bedingt frosthart und neigt zu Stammrissen. Die Sorte ‚Regent´ hat im
Vergleich zur reinen Art eine relativ schmale Krone. Die späte Blüte im Juli kommt den
Bienen zugute.
– Tilia tomentosa ‚Brabant‘
Die Silber-Linde gilt auf Grund ihrer hohen Trockenstresstoleranz als eine der
wichtigsten Linden für den prognostizierten Klimawandel. Sie ist nicht anfällig für das
Stigmina-Triebsterben und wird wegen der silbrig-filzigen Blattunterseite von Blattläusen
gemieden. ‚Brabant‘ ist die wichtigste Sorte mit einer dichten, regelmäßig aufgebauten
Krone und dem durchgehenden Leittrieb. Als kontinentale Art gilt sie als frosthart, kann
aber am Kältestandort stark zurückfrieren.
– Ulmus ‚Lobel‘
Die Ulmen sollten in Zukunft wieder mehr verwendet werden, da es sich grundsätzlich
um sehr belastbare Bäume handelt. Dank der resistenten Sorten ist das Ulmensterben
kein Problem mehr. ‚Lobel‘ zählt zu den weitgehend resistenten Sorten. Ihre Vorzüge
sind der schlanke Wuchs, die dichte Verzweigung sowie die langanhaftende, sattgrüne
Belaubung. Sie gehört zu den windfesten Baumarten und kann auch in Küstengebieten
gepflanzt werden.
Steglitz-Zehlendorf
„Es finden an verschiedenen Orten in der Bundesrepublik Versuche mit verschiedensten
Arten und Sorten statt. Welche für die Berliner Region letztlich zukunftsträchtig sein
werden, ist derzeit noch nicht absehbar. Es wird aber auf besonders trockenverträgliche,
hitzeresistente Arten und Sorten hinauslaufen, die darüber hinaus keine zu starken
Empfindlichkeiten gegenüber Schädlingen aufweisen dürfen.“
Tempelhof-Schöneberg
„Aus der Liste der Baumarten der GALK wird eine möglichst große Vielfalt an Arten
ausgewählt, da „Monokulturen“ anfällig gegenüber Krankheiten sind.“
Neukölln
Selbstverständlich gibt es Baumarten, die zukünftig schwerpunktmäßig gepflanzt werden
sollen. Dieses sind u.a. Bäume, welche seit geraumer Zeit schon im Bezirk gepflanzt
werden. Es gibt hierzu aber keine abschließende Aufstellung. In Abhängigkeit der örtlichen
Situation, der personellen und finanziellen Kapazitäten wird entschieden, welche
Baumarten für den jeweiligen Standort am besten geeignet sind. Es ist zu bedenken, dass
dieses ein langwieriger Prozess ist. Entsprechende Versuchspflanzungen laufen seit
Jahren in Neukölln, teilweise in Begleitung mit dem Pflanzenschutzamt Berlin und der
Humboldt-Universität
(siehe u.a.: https://www.berlin.de/ba-neukoelln/politik-und-verwaltung/aemter/strassenund-gruenflaechenamt/gruenflaechen/gruenflaechen/artikel.274078.php).
Orientierung bieten u.a. entsprechende Empfehlungen aus der GALK-Straßenbaumliste
(https://www.galk.de/arbeitskreise/stadtbaeume/themenuebersicht/strassenbaumliste)
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Beispiel-Baumarten, welche in Neukölln in den letzten Jahren häufiger gepflanzt wurden
und/oder (z.T. in geringen Stückzahlen) sich im Beobachtungsstadium befinden (ohne
Ranking) im Hinblick auf „Klimabäume“:
– Acer monspessulanum, Acer campestre ‚Elsrijk’, Acer rubrum
– Aesculus indica
– Alnus spätii, Alnus cordata
– Castanea sativa
– Fraxinus pennsylvanica ‚Summit‘
– Ginkgo biloba
– Gleditsia triacanthos
– Liquidambar styraciflua, auch in Sorten
– Magnolia kobus, Magnolia denudata
– Nothofagus obliqua
– Ostrya carpinifolia, Ostrya japonica
– Pterocarya fraxinifolia
– Quercus-Arten und Sorten wie Quercus frainetto, Quercus phellos, Quercus
macrocarpa, Quercus bicolor
– Toona sinensins
– Tilia tomentosa ‚Brabant‘, Tilia cordata ‚Greenspire‘
– Sophora japonica, auch in Sorten
– Ulmus resista in Sorten
– Zelkova serrata
Treptow-Köpenick
„Ja es gibt einige solcher Baumarten, diese sind allerdings in den Lieferbaumschulen oft
ausverkauft. Die Baumschulen benötigen immer einen ziemlich langen Vorlauf, da sich die
Produktion von Bäumen über mehrere Jahre erstreckt (ca. 3-5 Jahre).
Hierzu zählen eine Sorte des Feldahorns, einige Resista-Ulmen-Arten und der
Amberbaum, es wird aber insgesamt auf ein breit gefächertes Sortiment gesetzt.“
Marzahn-Hellersdorf
„Hier gibt es eine Empfehlung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
und die Straßenbaumliste der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK), die ständig
überarbeitet wird: https://strassenbaumliste.galk.de/ .“
Lichtenberg
„Das Straßen- und Grünflächenamt Lichtenberg ist noch in der Testphase mit diversen
Straßenbaumarten in unterschiedlichen Straßenstandorten. Es liegt in der Natur der
Dinge, dass sichere Aussagen erst in ca. 10 Jahren getroffen werden können. Das
Wachstumsverhalten der sogenannten Klimabäume wird sich erst in ferner Zukunft
zeigen.“
Reinickendorf
„Die Zusammensetzung der zu pflanzenden Baumarten ist eine Mischung bisher
bewährter Bäume mit neuen Sorten.“
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Frage 3:
Inwieweit sind die durch witterungsbedingten Wandel erforderlichen Neupflanzungen von Straßen- und
anderen Bäumen mit dem Trachtertrag für Bestäuber mit den bisher gepflanzten Bäumen vergleichbar und
kommt es diesbezüglich zu höheren oder Mindererträgen?
Antwort zu 3:
Hierzu liegen seitens der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz keine
Erkenntnisse vor.
Der Trachtertrag zielt auf den Ertrag von Honig ab. Der wichtigste Standortfaktor sind
dafür die Pflanzen in der Umgebung des Bienenstocks. Da Straßenbäume in erster Linie
andere Funktionen erfüllen, als Bienenweide für die Honigproduktion zu sein, ist die
Auswahl der Baumart hinsichtlich des möglichen Trachtertrages hier nicht vordergründig.
Wesentlich ist es, Baumarten auszuwählen, die mit den schwierigen Standortfaktoren an
der Straße überhaupt noch zurechtkommen. Bäumen im innerstädtischen Bereich,
insbesondere Straßenbäumen, steht in der Regel nur ein eingeschränkter Lebensraum zur
Verfügung. Vor allem der verdichtete und versiegelte Wurzelbereich wirkt sich nachhaltig
auf die Vitalität der Bäume aus. Oft kommen mechanische Verletzungen hinzu, die den
Eintritt für holzzerstörende Pilze begünstigen. Schäden an Bäumen werden auch durch
Streusalz, Erdgas und Hundeurin verursacht. Hinzu kommen die Herausforderungen der
großen Hitze und Trockenheit in den letzten Sommern oder der Starkregen und die
Stürme in den letzten Jahren. Geschwächte und bereits geschädigte Bäume sind
besonders anfällig für Krankheiten und Schädlinge.
Die Bäume in öffentlichen Grünanlagen haben zwar grundsätzlich bessere
Standortbedingungen als die Straßenbäume, aber auch bei ihnen hat die Honigproduktion
keine Priorität.
Die Bezirksämter teilen diesbezüglich mit:
Mitte
„Bei der Pflanzung von Straßenbäumen sind vor allem die in der Beantwortung zu den
Fragen 1 und 2 genannten Kriterien ausschlaggebend. Der Trachtertrag spielt hier eine
nachrangige Rolle. Informationen können jedoch auf der nachstehenden Webseite
eingeholt werden und verschiedene Baumarten verglichen werden:
https://www2.hu-berlin.de/bienenkunde/Bilder-Downloads/FB/AusWeiterbildung/lehrmaterial/bienenweide/Bw-Pfl_Baeume_einheim_alphabet.pdf “
Friedrichshain-Kreuzberg
„Zu diesem speziellen Aspekt liegen dem Fachbereich Grünflächen keine
wissenschaftlichen Erkenntnisse vor.“
Pankow
„Dazu liegen dem Straßen- und Grünflächenamt Pankow keine Erkenntnisse vor.“
Charlottenburg-Wilmersdorf
„Hierzu liegen keine Erkenntnisse von Studien etc. vor.“
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Steglitz-Zehlendorf
„Diese Frage kann so einfach nicht beantwortet werden. Welche Insektenarten sind
gemeint? Auch bei den bisher verwendeten Baumarten ist die Wertigkeit für Bestäuber
sehr unterschiedlich. Dies wird auch bei den neuen Straßenbaum-Sortimenten so sein.“
Tempelhof-Schöneberg
„Fehlanzeige“
Neukölln
Eine entsprechend differenzierte Betrachtungsweise ist seitens des Straßen- und
Grünflächenamtes nicht möglich. Es werden jedoch beispielsweise als „Ersatz“ für
Robinien z.B. Sophoren gepflanzt, welche laut Imkerangaben auch für Hymnopteren eine
ähnliche „Qualität“ aufweisen und „zusätzlich“ durch die Ausbildung von Samenständen für
die heimische Vogelwelt interessant sind. Oder aber als „Ersatz“ für die vielfach vorhanden
Tilia cordata oder Tilia tomentosa werden die als Zukunftsbäume gehandelten Sorten
‚Brabant‘ oder ‚Greenspire‘ eingesetzt, welche in ihrer Tracht ähnlich sein dürften.
Treptow-Köpenick
„Dies wird versucht zu berücksichtigen, ist aber oft nicht möglich, da die nachhaltige
Entwicklungsmöglichkeit eines Straßenbaumes im Vordergrund steht. Leider sind Bäume,
die als Bienenweide genutzt werden können, dem Boden gegenüber anspruchsvoller.
Hinsichtlich der Trachterträge der neuen Straßenbaumarten kommt es daher eher zu
Mindererträgen.“
Marzahn-Hellersdorf
„Hierzu liegen keine Erkenntnisse vor.“
Lichtenberg
„Dazu können gegenwärtig keine Aussagen getroffen werden.“
Reinickendorf
„Hierzu liegen dem Straßen- und Grünflächenamt (SGA) bislang keine Erkenntnisse vor.“
Frage 4:
Finden bezüglich des Trachtertrages für Bestäuber Untersuchungen statt, welche Baumarten innerstädtisch
zukünftig am ehesten geeignet sind?
Antwort zu 4:
Zum Trachtertrag für Bestäuber sind der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und
Klimaschutz keine Untersuchungen bekannt. In diesem Zusammenhang ist darauf
hinzuweisen, dass im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojektes der
Senatsverwaltung und der Technischen Universität Berlin „Empfehlungen zu
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Pflanzenlisten zur Förderung von Wild- und Honigbiene“ erarbeitet wurden, die momentan
für eine digitale Veröffentlichung vorbereitet werden. In diesen Empfehlungen wurden
auch Gehölze bewertet.
Die Bezirksämter teilen diesbezüglich mit:
Mitte
„Nein, entsprechende Untersuchen erfolgen durch den Bezirk nicht. Untersuchungen des
Trachtertrags werden vor allem von den Instituten für Bienenkunde der Länder
durchgeführt und unter anderem durch wissenschaftliche Veröffentlichungen. Weitere
Informationen zum Trachtertrag auch von Bäumen werden auf Webseiten der Imker
zusammengetragen.“
Friedrichshain-Kreuzberg
„Dem Fachbereich Grünflächen ist nicht bekannt, ob solche Untersuchungen stattfinden.“
Pankow
„Derartige Untersuchungen gehören nicht zu den Aufgaben des Straßen- und
Grünflächenamtes Pankow. Dem SGA Pankow liegen dazu keine Erkenntnisse vor.“
Charlottenburg-Wilmersdorf
„Dass Kastanie, Robinie, Sommer- und Winterlinde, Spitz- und Bergahorn, Eberesche u.a.
zu den Bestäuber freundlichen Straßenbäumen zählen, ist bekannt. Der Trachtertrag
potentieller Straßenbäume ist ein untergeordnetes Auswahlkriterium (vgl. Antwort zu
Frage 1).“
Spandau
Das Straßen- und Grünflächenamt Spandau betreibt keine Forschungsarbeiten
Steglitz-Zehlendorf
„Derartige Versuche durchzuführen, liegt nicht in der Zuständigkeit des Bezirksamtes.“
Tempelhof-Schöneberg
„Fehlanzeige“
Neukölln
„Nein. Solche Untersuchungen sind im Arbeitsspektrum der Straßen- und
Grünflächenämter nicht vorgesehen – und auch nicht leistbar.“
Treptow-Köpenick
„Es ist nicht bekannt, dass es solche Untersuchungen gibt. Es spielt auch eher eine
untergeordnete Rolle, bzw. wird bei der Baumartenwahl in Parks und Grünanlagen sowie
Schulen und Spielplätzen versucht auszugleichen. Hier ist die Baumartenwahl
unproblematischer.“
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Marzahn-Hellersdorf
„Auch hier kann der Fachbereich Grün keine Auskunft geben. Der Fachbereich Grün ist
bestrebt, bei Neupflanzungen verschiedene Baumsorten einzusetzen, um die Blühzeit zu
verlängern.“
Lichtenberg
„Zurzeit nicht bekannt.“
Reinickendorf
„Hierzu liegen dem Straßen- und Grünflächenamt bislang keine Erkenntnisse vor.“
Frage 5:
Werden im Rahmen der Gartenamtsleiterkonferenz Erfahrungswerte über neue Baumarten ausgetauscht
und wie fließen diese in die Entscheidungsfindung für Neupflanzungen mit ein?
Antwort zu 5:
Derzeit gibt es diverse Testreihen im Bundesgebiet zu dem Thema, beispielsweise testet
der Arbeitskreis Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) derzeit im
Straßenbaumtest II insgesamt 40 Baumarten (Gattungen, Sorten), wovon in den
teilnehmenden Städten bisher inzwischen rund 2.400 Exemplare an 194 Standorten
gepflanzt werden konnten. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ist
im Arbeitskreis Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz durch ein Mitglied
vertreten. Insofern werden auch in Berlin ab dem Jahr 2015 Baumarten getestet:
– Acer campestre ‘Huibers Elegant’
– Acer x freemanii ‘Autumn Blaze‘
– Amelanchier arborea ‚Robin Hill‘
– Eriolobus trilobatus
– Ostrya carpinifolia
– Prunus padus ‚Schloss Tiefurt‘
– Quercus frainetto
– Tilia tomentosa ‚Szeleste‘
– Ulmus-Hybride ‚New Horizon’
– Ulmus ‚Regal‘
Die GALK-Straßenbaumtests sollen fundierte Aussagen über die Eignung bestimmter
Baumarten und Baumsorten für ihre Verwendung als Straßenbäume ermöglichen. Die
Versuchsbäume werden in den Teilnehmerstädten des Arbeitskreis Stadtbäume
aufgepflanzt und wachsen damit unter verschiedenen klimatischen Bedingungen des
gesamten Bundesgebiets.
https://www.galk.de/arbeitskreise/stadtbaeume/themenuebersicht/strassenbaumtest-2
Die praxisorientierte Langzeitbeobachtung der Testbäume bildet zugleich eine wesentliche
Grundlage für die Fortschreibung der GALK-Straßenbaumliste, die weitgehend
Verwendung findet bei der Auswahl der Straßen- und Grünflächenämter hinsichtlich der zu
pflanzenden Straßenbaumarten.
Die Fortschreibung der GALK-Straßenbaumliste bleibt die zentrale Aufgabe des
Arbeitskreis Stadtbäume der Bundes-GALK. In diesem Zusammenhang hat sich mit dem
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Bund deutscher Baumschulen e.V. (BdB) eine gute und intensive Zusammenarbeit
entwickelt.
Auch im Fachausschuss Stadtbäume der Berliner GALK wird regelmäßig die
Straßenbaumliste thematisiert. Erkenntnisse und Erfahrungen der Straßen- und
Grünflächenämter fließen ein.
Berlin, den 19.06.2020
In Vertretung
Stefan Tidow
Senatsverwaltung für
Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

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