Gruengleis in der Greifswalder Strasse

Gruengleis in der Greifswalder Strasse

Ereignis

Die Kleine Anfrage kritisiert den Einbau eines konventionellen Schottergleises bei der Sanierung der Straßenbahntrasse in der Greifswalder Straße und fordert den Einsatz ökologischer Grüngleise. Der Senat verteidigt das gewählte Schotterkonzept mit der Prämisse, die Sperrzeiten auf dieser hochbelasteten Hauptverkehrsachse zu minimieren, da ein vollständiger Unterbaubauwechsel zeit- und kostenintensiver ausgefallen wäre. Für zukünftige Vorhaben verweist die Verwaltung auf ein neuartiges, gemeinsam mit der Humboldt-Universität entwickeltes Modellprojekt in der Torstraße, bei dem abnehmbare Pflanzschalen auf den Schotterkorpus aufgelegt werden, um Pflanzengrün ohne Verlust der Gleisbettstabilität zu ermöglichen.

Details

Quelle: Abgeordnetenhaus von Berlin, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/2942

Abgeordnetenhaus von Berlin – 13. Wahlperiode
Kleine Anfrage Nr. 13/2942
des Abgeordneten Michael Cramer
(Bündnis 90/Die Grünen)
über Grüngleis in der Greifswalder Straße

Ich frage den Senat:
1. Ist dem Senat bekannt, daß im Zuge der Sanierung der Straßenbahntrasse in der Greifswalder Straße die BVG nur ein unter stadtgestalterischen und stadtökologischen Gesichtspunkten wenig verträgliches Schottergleis einbaut? Wenn ja, wie bewertet der Senat diese Maßnahme?
2. Ist dem Senat bekannt, daß es eine von der Humboldt-Universität zu Berlin entwickelte und in anderen deutschen Städten bereits erfolgreich eingesetzte Technik zur Nachbegrünung und Revitalisierung von Schottertrassen gibt? Wenn ja, wie bewertet der Senat diese Technik auch für Berlin?
3. Aus welchen Gründen wird auf den Einsatz dieser Methode, die sowohl einen erheblichen Beitrag zur Aufwertung des Stadtbildes als auch zur Reduzierung des Herbizideinsatzes im Gleisbereich leistet und lärmdämmend wirkt, verzichtet?
4. Ist dem Senat bekannt, daß die Gleisbegrünung Bestandteil des von der Europäischen Union geförderten URBAN-Projekts zur Verbesserung der Lebensqualität in städtischen Problembereichen ist und daher für die BVG keine zusätzlichen Kosten entstehen?

Berlin, den 31. Oktober 1997

Antwort (Schlußbericht) auf die Kleine Anfrage Nr. 2492 (vom Senat korrigiert zu 2942)
Im Namen des Senats von Berlin
beantworten wir Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

Zu 1.:
Dem Senat ist die Art der Sanierung der Straßenbahntrasse in der Greifswalder Straße bekannt. Da die dortige Gleisanlage zu den am stärksten belasteten Straßenbahntrassen gehört, stand das Sanierungskonzept von vornherein unter der Prämisse, die unvermeidbaren Betriebseinschränkungen soweit wie möglich zu minimieren. Die durchgreifende Veränderung des Unterbaus zur Aufnahme eines begrünten Gleises anstelle des bisherigen konventionellen Schotteroberbaus wäre nur mit einer längeren Totalsperrung mit all ihren Nachteilen für die Fahrgäste und unter Inkaufnahme hoher Kosten für den Schienenersatzverkehr möglich gewesen.

Zu 2. und 3:
Dem Senat ist nicht bekannt, daß es eine „in anderen Städten bereits erfolgreich eingesetzte Technik zur Nachbegrünung und Revitalisierung von Schottertrassen“ gibt. Dem Senat ist vielmehr bekannt, daß die BVG als einziges deutsches Nahverkehrsunternehmen gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin einen Versuch durchführt, zur Aufwertung des Stadtbildes konventionelle Schottergleise zu begrünen. Als erstes derartiges Modellprojekt in Deutschland soll zu diesem Zweck ein Streckenabschnitt in der Torstraße (Straßburger Straße bis Prenzlauer Allee) entsprechend gestaltet werden. Sowohl die BVG als auch die Humboldt-Universität hoffen, daraus Erfahrungen für weitere Anwendungen sammeln zu können. Ob die Bauweise zu einer Lärmminderung beigetragen kann, kann erst nach entsprechenden Messungen beurteilt werden, da sich dieses Grüngleis deutlich von den mit einem Lärmbonus versehenen üblichen Rasengleisen unterscheidet. Bei dieser Versuchsanordnung wird nicht einfach Humuserde auf den Schotter aufgetragen. In diesem Fall würde das Schotterbett seine Eigenschaft als seiten- und höhenstabiles und gleichzeitig wasserdurchlässiges Tragelement für den Gleisrost verlieren. Vielmehr wird Pflanzsubstrat in schalenförmige Elemente eingebracht, die – zur Gleisbettwartung abnehmbar gestaltet – auf den Gleisrost aufgelegt werden. Die damit verbundene Abdeckung des Schotters führt jedoch dazu, daß in ihm selbst kein Pflanzenwuchs stattfindet und damit auch keine Herbizidbehandlung dieses Schotterbettes mehr erforderlich ist.

Zu 4.:
Dem Senat ist bekannt, daß im Rahmen der noch verfügbaren Mittel die Möglichkeit einer Förderung der Gleisbettnaturierung innerhalb der europäischen Gemeinschaftsinitiative URBAN besteht und der BVG im Falle einer Bewilligung keine zusätzlichen Kosten entstehen würden. Diese Möglichkeit bezieht sich auf das URBAN-Fördergebiet, welches Teile der Bezirke Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Weißensee umfaßt.
Der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie liegt derzeit ein URBAN-Antrag zur Gleisbettnaturierung des Streckenabschnittes Torstraße (Rosa- Luxemburg-Platz bis Prenzlauer Allee) zur Prüfung und Entscheidung vor.

Berlin, den 19. Dezember 1997

Jürgen K l e m a n n
Senator für Bauen, Wohnen und Verkehr

Hinweis

dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt