Angebotsverschlechterung bei der BVG
Ereignis
Die Kleine Anfrage befasst sich mit den weitreichenden Linien- und Taktänderungen im BVG-Netz zum Ende des Jahres 1998, die von der parlamentarischen Opposition als strukturelle Angebotsverschlechterung gewertet werden. Der Senat und die BVG treten dieser Kritik entgegen und definieren das veränderte Gesamtpaket als kontinuierliche und notwendige Optimierung im Berliner ÖPNV-Markt. Während die U-Bahn- und Straßenbahnnetze gezielte Taktverlängerungen im Abendverkehr sowie Neubaustrecken (wie die Tram über den Alexanderplatz) verzeichnen, fokussieren sich die Kürzungen primär auf parallele oder schlecht ausgelastete Omnibuslinien im Umland, um Kosten und Nutzen im Zuge des fortschreitenden Schnellbahnausbaus marktgerecht auszubalancieren.
Details
Quelle: Abgeordnetenhaus von Berlin, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/4411
Abgeordnetenhaus von Berlin – 13. Wahlperiode
Kleine Anfrage Nr. 13/4411
des Abgeordneten Michael Cramer (Bündnis 90/Die Grünen)
über: Angebotsverschlechterung bei der BVG
Ich frage den Senat:
1. Auf wie vielen Linien im gesamten Netz der BVG haben sich die Taktzeiten bei der letzten Fahrplanänderung verändert (bitte Einzelangaben für den Bereich Bus, U-Bahn, Straßenbahn und getrennt nach Angebotsverschlechterung und Angebotsverbesserung)?
2. Aus welchem Grunde handelt es sich dabei um eine „Optimierung“ und nicht um eine Verschlechterung des Angebots?
Berlin, den 30. November 1998
Antwort (Schlussbericht) auf die Kleine Anfrage Nr. 4411
Im Namen des Senats von Berlin
beantworten wir Ihre Kleine Anfrage wie folgt:
Zu 1.:
Hierzu geben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) folgende Stellungnahme ab:
1. Unternehmensbereich U-Bahn
• 1.1 Angebotsverbesserungen:
• Linie U 9: Verlängerung des 5-Minuten-Takts nach Ende des Ferienplanes (24. August 1998) um ca. 20 Minuten in Anpassung an den abendlichen Ladenschluss.
• Linie U 2: Aufnahme zusätzlicher montags bis freitags verkehrender Zuführungsfahrten nach Vinetastraße sowie Verlängerung des samstäglichen 5-Minuten-Takts um ca. 20 Minuten im Zuge der U-Bahnhofs-Eröffnung Mendelssohn-Bartholdy-Park (27. September 1998).
• Linie U 15: Einführung eines früheren Betriebsbeginns an Sonnabenden (nunmehr ab 8.53 Uhr statt 9.13 Uhr) zum 27. September 1998.
2. Unternehmensbereich Straßenbahn
Seit dem Fahrplanwechsel im Mai 1998 wurde auf keiner Linie der Fahrabstand verändert.
• 2.1 Angebotsverbesserungen:
• Linien 5 und 15: Verlängerung von bisher an der Landsberger Allee/Petersburger Straße endenden Verstärkerfahrten bis zum Hackeschen Markt ab dem 18. Dezember 1998 (Inbetriebnahme der Neubautrasse über den Alexanderplatz und die Karl-Liebknecht-Straße) zu definierten verkehrsstarken Tageszeiten.
3. Unternehmensbereich Omnibus
Angebotsanpassungen wurden zum Fahrplanwechsel am 27. September 1998 (Verlängerung der S 25 nach Lichterfelde Süd) sowie im Zusammenhang mit der Eröffnung der S-Bahnstrecken S 25 nach Hennigsdorf (16. Dezember 1998) und S 5/S 75 nach Spandau (31. Dezember 1998) vorgenommen.
• 3.1 Angebotsverbesserungen:
• Linie X 69: Einrichtung als neue ExpressBus-Linie zwischen Marzahn-West, Köthener Straße und Köpenick, Müggelschlößchenweg (20-Minuten-Takt); ersetzt die Linie 269.
• Linie 110: Ganztägige Anbindung an die S 25 durch Verlegung des Endpunkts zum neuen S-Bf Osdorfer Straße.
• Linie 119: Verlängerung vom Hagenplatz bis zum S-Bf Grunewald.
• Linie 185: Heranführung der Stammlinie an den neuen S-Bf Lichterfelde Süd.
• Linien 188 / 283: Integration der Linie 188 in das Angebot der Linie 283; dadurch Direktanbindung S-Bf Marienfelde – Klingsorplatz/Augustaplatz.
• Linie 212: Neue Linie im Spätverkehr (täglich ab 20.00 Uhr) zwischen Zehlendorf Eiche und Lichterfelde/Thuner Platz mit Haustürbedienung als Ersatz für die eingestellte Linie 112.
• Linie 277: Neue südliche Tangentialverbindung unter Anbindung des neuen S-Bf Osdorfer Straße (unter Einbeziehung von Teilen der Linie 283).
• Linie 333: Neue Omnibus-Ringlinie zur Erschließung von Teilen der „Wasserstadt Spandau“ ab/bis U-Bf Haselhorst.
• Linie N 59: Verlängerung der Nachtlinie in Hohenschönhausen bis Ahrensfelde (inklusive Haustür-Service).
• 3.2 Angebotsverschlechterungen:
• Linie 104: Dehnung auf einen 15-Minuten-Takt im Zeitraum von 08.00 bis 14.00 Uhr.
• Linie 109: Umstellung freitags nachmittags auf einen 7,5-Minuten-Takt statt des bisherigen 6/7/7-Minuten-Rhythmus.
• Linie 112: Betriebseinstellung täglich ab 20.00 Uhr sowie sonnabends und sonntags vor 08.00 Uhr.
• Linie 124: Reduzierung einzelner Fahrten in sehr geringem Umfang zwischen Heiligensee und Wittenau.
• Linie 127: Streckung im Berufsverkehr auf einen 15-Minuten-Takt statt des 10-Minuten-Takts.
• Linie 129: Umstellung vormittags auf einen 10-Minuten-Takt statt des 6/7/7-Minuten-Takts.
• Linie 133: Streckung im Abschnitt Spandau – Tegel-Süd vormittags auf einen 20-Minuten-Takt statt des 10-Minuten-Takts.
• Linie 144: Umstellung montags bis freitags nachmittags auf einen 5-Minuten- statt des 3 1/3-Minuten-Takts.
• Linie 180: Einschränkung der Fahrten zum S-Bf Lichterfelde Süd.
• Linie 185: Dehnung montags bis freitags vormittags im Teilabschnitt Drakestraße – S+U-Bf Rathaus Steglitz auf einen 10-Minuten-Takt statt des 7/7/6-Minuten-Taktvorgangs.
• Linie 211: Tägliche Betriebseinstellung ab 20.00 Uhr im Abschnitt zwischen Zehlendorf Eiche und S-Bf Lichterfelde Ost.
• Linie 224: Vollständige Einstellung der Buslinie aufgrund der Schienennetzeröffnung nach Hennigsdorf (S 25).
• Linie 277: Verzicht auf den von der Linie 177 weiterhin bedienten Abschnitt S+U-Bf Neukölln – U-Bf Alt-Mariendorf.
• Linie N 51: Vollständige Einstellung der Nachtlinie aufgrund zu geringer Nachfrage.
Zu 2.:
Von der BVG wird hierzu erläutert, dass das Gesamtpaket der umgesetzten Angebotsmaßnahmen Teil einer permanenten Optimierung des Berliner ÖPNV-Angebots unter veränderten Bevölkerungs- und Wirtschaftsstrukturen ist. Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen muss das Verhältnis von Kosten und Nutzen stärker berücksichtigt werden, um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Infolge des fortschreitenden Schienenausbaus (Inbetriebnahme von drei S-Bahn-Verlängerungen und der Tram über den Alexanderplatz allein in der zweiten Jahreshälfte 1998) kam es zu einer nachvollziehbaren Verlagerung der Fahrgastsströme vom Bus auf S- und U-Bahnen. An diesen Stellen wurden parallele Busleistungen abgebaut und durch neue, tangential verlaufende Zubringerlinien kompensiert.
Der Senat teilt diese Auffassung und betont, dass die nachfrageorientierten Netzanpassungen bei schlecht ausgelasteten Buslinien (z. B. im Tangential- und Nachtverkehr) unter dem derzeitigen Defizit der BVG unumgänglich sind, während der parallele Rückzug zugunsten hochleistungsfähiger Schienenverbindungen insgesamt eine qualitative Verbesserung des städtischen Nahverkehrs darstellt.
Berlin, den 9. Februar 1999
In Vertretung
Ingo Schmitt
Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr
Hinweis
dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt