Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der BVG (I) – attraktive Fahrpreisangebote
Ereignis
Die Kleine Anfrage befasst sich mit absatzpolitischen Maßnahmen zur Steigerung der BVG-Einnahmen durch kundenorientierte Sondertarife wie Firmentickets, Kombitickets und ein geplantes Semesterticket. Der Senat schlüsselt bestehende Vereinbarungen auf, darunter einen neuen Firmenticket-Vertrag mit dem Deutschen Bundestag zum 1. Juli 1998, dämpft jedoch Erwartungen überproportionaler Mitarbeiterrabatte im Landesdienst aus Gründen der Einnahmesicherung. Um Fahrgäste zurückzugewinnen, wird das Kombiticket gezielt im Rahmen städtischer Pachtverträge bei Großveranstaltungen etabliert; entsprechende Kombi-Angebote der BVG liegen gegenwärtig auch den Betreibern großer Berliner Multiplexkinos zur Prüfung vor.
Details
Quelle: Abgeordnetenhaus von Berlin, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/3769
Abgeordnetenhaus von Berlin – 13. Wahlperiode
Kleine Anfrage Nr. 13/3769
der Abgeordneten Jutta Matuschek (PDS)
über Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der
BVG (I) – attraktive Fahrpreisangebote
Ich frage den Senat:
1. In welcher Weise wird der Senat seine in der schriftlichen Antwort auf die Große Anfrage der PDS-Fraktion über „Zukunft der BVG sowie Umsetzung und Auswirkungen der Europäischen Rahmengesetzgebung für den ÖPNV in Berlin“ (Drs 13/2598) geäußerte Ankündigung, sich für attraktive Fahrpreisangebote bei der BVG einsetzen, konkret umsetzen?
2. Teilt der Senat die Auffassung des BVG-Vorstandes, daß das gegenwärtige Preisniveau im Nahverkehr dem Leistungsangebot angemessen ist und daß bis zum Jahr 2000 keine weitere Fahrpreiserhöhung erfolgen sollte?
3. Wie beurteilt der Senat die Abkehr des BVG-Vorstandes von dem jährlichen Preiserhöhungsziel von 7 %, und wie wird sich diese Veränderung auf die Wirtschaftlichkeitsentwicklung der BVG auswirken?
4. Welche konkreten Schritte hat der Senat bisher unternommen, um die Nutzung des Jobtickets durch Senatsmitarbeiter(innen) zu forcieren?
5. In welcher Weise ist der Senat mit Dienststellen des Bundes im Gespräch, um auch für diese Institutionen die Nutzung eines Jobtickets zu fördern?
6. Wie wirkt der Senat darauf hin, daß Kultur- und Sportstätten sowie Veranstaltungsagenturen künftig in der Regel Kombitickets für Besucher(innen) anbieten?
7. Welches Konzept hat der Senat in dieser Frage für die bestehenden und zusätzlich geplanten Großkinos?
8. Welcher Verfahrensstand ist in bezug auf die angekündigte Einführung eines Semestertickets erreicht, in welcher Weise unterstützt der Senat die unmittelbar Beteiligten?
Berlin, den 26. Mai 1998
Antwort (Schlußbericht) auf die Kleine Anfrage Nr. 3769
Im Namen des Senats von Berlin
beantworten wir Ihre Kleine Anfrage wie folgt:
Zu 1.:
Attraktive Fahrausweise werden z. B. in Form der Umweltkarte oder der Tageskarte durch die BVG, die S-Bahn Berlin GmbH, die DB AG und weitere im Umland tätige Verkehrsunternehmen schon heute angeboten. Der Senat hat in der angeführten Antwort auf die Große Anfrage auch nicht angekündigt, sich für attraktive Fahrpreisangebote bei der BVG einzusetzen, sondern das Ziel formuliert, die Preise so zu gestalten, daß einerseits die Attraktivität des ÖPNV durch fahrgastfreundliche, bezahlbare Tarife gewahrt bleibt, andererseits die Aufwendungen der Berliner Verkehrsunternehmen in einem steigenden Maße durch die Fahrpreiseinnahmen gedeckt werden.
Zugleich wurde darauf verwiesen, daß die Tarifeinnahmen die wichtigste Einnahmequelle für die Verkehrsunternehmen sind und es hauptsächlich von ihrer Höhe abhängt inwieweit auch zukünftig das Verkehrsangebot erhalten bzw. ausgebaut werden kann. Der Senat unterstützt und fördert deshalb im Rahmen seiner Verantwortung und Möglichkeiten die Initiativen der Verkehrsunternehmen und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg zur Weiterentwicklung bzw. Ergänzung des Tarifangebots, die dazu geeignet sind, sowohl den unterschiedlichen Kundeninteressen besser zu entsprechen, als auch zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften. Dazu gehört die Einführung des Semestertickets ebenso wie die verstärkte Werbung zur Nutzung von Kombi- und Jobtickets.
Zu 2.:
Der Senat hat dazu in der Großen Anfrage bereits erklärt, daß er davon ausgeht, daß BVG und Bahnbetriebe ihre Kostenreduzierungspotentiale in den kommenden Jahren voll ausschöpfen werden und deshalb in den nächsten beiden Jahren keine weiteren Fahrpreiserhöhungen notwendig werden.
Zu 3.:
Der langfristigen Wirtschaftsplanung der BVG lagen Einnahmesteigerungen und nicht Preiserhöhungen in Höhe von ca. 7 % jährlich zugrunde.
Da Einnahmen nicht nur durch höhere Preise, sondern auch durch Gewinnung neuer Kunden (z. B. über Jobticket, Kombiticket u. ä.) auf Grund eines insgesamt attraktiven Nahverkehrsangebots in der Stadt und der Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in Berlin und im Umland gesteigert werden können, kann zur Zeit noch keine verläßliche Aussage über ihre Entwicklung getroffen werden. Die Wirtschaftlichkeitsentwicklung der BVG wird aber nicht nur durch die Höhe der Einnahmen, sondern überwiegend durch die Höhe der Aufwendungen bestimmt.
Zu 4.:
Zur Zeit wird in nachfolgenden Senatsverwaltungen geprüft, inwieweit die Mitarbeiter Interesse am Erwerb von Firmentickets haben:
− Senatsverwaltung für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen
− Senatsverwaltung für Finanzen
− Senatsverwaltung für Jugend, Schule und Sport
− Senatsverwaltung für Inneres
Eine entsprechende Umfrage in der Senatsverwaltung für Justiz und der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Betriebe zeigte, daß die überwiegende Anzahl von Mitarbeitern kein Interesse am Erwerb eines Firmentickets zu den angebotenen Konditionen (Rabatt von ca. 5–15 %) hat. Eine höhere Rabattierung ist aber auf Grund der notwendigen Sicherung der Einnahmehöhe bei den Verkehrsunternehmen nicht möglich.
Zu 5.:
Seit dem 1. Juli 1998 gibt es zwischen der BVG und dem Deutschen Bundestag eine Firmenticketvereinbarung. Des weiteren sind alle vom Umzug betroffenen Ministerien über das Tarifangebot „Firmenticket“ informiert worden. In der AG Umzug, in der diese Ministerien vertreten sind, soll in den nächsten Tagen ein Firmenticketbeauftragter benannt werden. Weiterhin wurde auch von Vertretern des Senats auf Informationsveranstaltungen in Bonn und Berlin das ÖPNV-Angebot in Berlin vorgestellt.
Zu 6.:
Das Kombiticket hat sich zu einem festen Bestandteil fast aller Großveranstaltungen in Berlin entwickelt. Dazu trägt auch der Senat bei, in dem er bei Vermietung und Verpachtung von Veranstaltungsorten verstärkt daraufhin wirkt, daß Betreiber Kombitickets anbieten. Auch die Parkraumbewirtschaftung im Citybereich erhöhte die Bereitschaft von Veranstaltern, in betroffenen Bereichen Kombitickets anzubieten. Reserven bestehen noch bei der Einbeziehung von Reiseveranstaltern sowie Ausrichtern von Messen und Kongressen in Berlin. Hier erwartet zukünftig der Senat auch vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg verstärkt Aktivitäten.
Zu 7.:
Den Betreibern der Multiplexkinos Cinemax Colosseum, Schönhauser Allee und Kosmos UFA-Palast, Karl-Marx-Allee liegen bereits BVG-Angebote vor, die gegenwärtig geprüft werden.
Zu 8.:
Durch die verantwortlichen Senatsverwaltungen finden derzeit Gespräche sowohl mit den Verkehrsunternehmen als auch mit Vertretern des Studentenwerks und der Hochschulen statt. Entsprechend dem dazu gefassten Beschluß des Abgeordnetenhauses vom 25. Juni 1998 wird der Senat bis 31. August 1998 das Abgeordnetenhaus über den Stand der Einführung eines Semestertickets für die Studierenden an den Berliner Hochschulen informieren.
Berlin, den 28. Juli 1998
In Vertretung
Ingo Schmitt
Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr