Unnoetige Standzeiten der S-Bahn am Beispiel der S 1 zwischen Wannsee und Friedrichstrasse

Unnoetige Standzeiten der S-Bahn am Beispiel der S 1 zwischen Wannsee und Friedrichstrasse

Ereignis

Die Kleine Anfrage des Abgeordneten Michael Cramer (Bündnis 90/Die Grünen) befasst sich mit den Reisezeiten, Entfernungen und Durchschnittsgeschwindigkeiten der S 1 zwischen Wannsee und Friedrichstraße sowie der U 9 zwischen Rathaus Steglitz und Osloer Straße, den Aufenthaltszeiten an den Haltestellen und deren Anteil an der Gesamtreisezeit, den Gründen für die höhere Aufenthaltsdauer der S 1 gegenüber der U 9 sowie der Frage, ob der Senat auf die S-Bahn GmbH einwirken will, die Aufenthaltszeiten zu verkürzen. Der Senator für Bauen, Wohnen und Verkehr, Jürgen Klemann, zitiert in seiner Antwort die Stellungnahmen der S-Bahn Berlin GmbH und der BVG, wonach die Reisezeit der S 1 zwischen Wannsee und Friedrichstraße 36,0 Minuten bei 21,0 km Entfernung und einer Reisegeschwindigkeit von 35,0 km/h betrage, die Summe der Aufenthaltszeiten 6,8 bzw. 6,6 Minuten, die durchschnittliche Aufenthaltszeit 0,45 Minuten und der prozentuale Anteil 18,6 %, während die U 9 zwischen Rathaus Steglitz und Osloer Straße 23 Minuten bei 12,523 km und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 32,67 km/h benötige, die Summe der Aufenthaltszeiten 6 Minuten, die durchschnittliche Standzeit 24 Sekunden und der Prozentsatz 28,26 % betrage; die höhere Aufenthaltsdauer der S 1 wird damit begründet, dass auf der Linie S 1 Mischbetrieb mit Alt- und Neubaufahrzeugen gefahren werde und die Fahrzeiten auf den Parametern der Altbaufahrzeuge basierten, wodurch bei den Neubaufahrzeugen Reserven entstünden, die durch verlängerte Aufenthaltszeiten abgebaut würden; der Senat setze sich gegenüber dem S-Bahn-Unternehmen und dem Bund für die Fortsetzung der Erneuerung des Wagenparks ein, und nach Angaben der S-Bahn Berlin GmbH sei zum Jahresfahrplanwechsel im Mai 1999 geplant, im Bereich der Linie S 1 nur noch Neubaufahrzeuge einzusetzen.

Details

Quelle: Abgeordnetenhaus von Berlin, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/3557 (Kleine Anfrage Nr. 3557)

  1. Wie hoch ist die Reisezeit der S 1 zwischen Wannsee und Friedrichstraße, um wieviel km handelt es sich und wie hoch ist die durchschnittliche Geschwindigkeit?

  2. Wieviel Minuten machen insgesamt die Aufenthalte an den Haltestellen aus, wie hoch ist die durchschnittliche Standzeit der S-Bahnen an den Haltestellen, und wie hoch ist der Prozentsatz dieser Aufenthalte im Verhältnis zur gesamten Reisezeit?

  3. Wie hoch ist die Reisezeit der U 9 zwischen Rathaus Steglitz und Osloer Straße, um wieviel km handelt es sich, und wie hoch ist die durchschnittliche Geschwindigkeit?

  4. Wieviel Minuten machen insgesamt die Aufenthalte an den Haltestellen aus, wie hoch ist die durchschnittliche Standzeit der U 9 an den Haltestellen, und wie hoch ist der Prozentsatz dieser Aufenthalte im Verhältnis zur gesamten Reisezeit?

  5. Aus welchen Gründen ist die Aufenthaltsdauer der S 1 an den Haltestellen höher als bei der U 9?

  6. Ist der Senat gewillt, auf die S-Bahn GmbH einzuwirken, um die Aufenthaltszeiten an den S-Bahn-Haltestellen zu verkürzen, wenn nein, warum nicht, wenn ja, welche Initiativen will er wann starten?

Berlin, den 18. März 1998

Antwort (Schlußbericht) auf die Kleine Anfrage Nr. 3557

Im Namen des Senats von Berlin beantworten wir Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

Zu 1. und 2.

Zu den den S-Bahnverkehr betreffenden Fragen 1 und 2 nimmt die S-Bahn Berlin GmbH zuständigkeitshalber wie folgt Stellung:

Die Reisezeit der S 1 zwischen Wannsee und Friedrichstraße beträgt in der Fahrtrichtung Wannsee – Friedrichstraße 36,5 Minuten, in der Gegenrichtung 35,9 Minuten. Zur Vereinfachung werden für die weitere Betrachtung 36,0 Minuten angenommen. Die Entfernung zwischen beiden Bahnhöfen beträgt 20,94 km, zur Vereinfachung werden für die weitere Betrachtung 21,0 km angenommen.

Die Reisegeschwindigkeit zwischen beiden Bahnhöfen beträgt 35,0 km/h.

Die Summe der Aufenthaltszeiten in der Fahrtrichtung Wannsee – Friedrichstraße beträgt 6,8 Minuten, in der Gegenrichtung 6,6 Minuten.

Die durchschnittliche Aufenthaltszeit beträgt 0,45 Minuten. Der prozentuale Anteil der Aufenthaltszeiten, gemessen an der Reisezeit, beträgt 18,6 %.

Zu 3. und 4.

Zu den Fragen 3 und 4, die den U-Bahnverkehr betreffen, nehmen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zuständigkeitshalber wie folgt Stellung:

Die Reisezeit auf der U-Bahnlinie U 9 beträgt 23 Minuten zwischen Rathaus Steglitz und Osloer Straße. In der Gegenrichtung sind es ebenfalls 23 Minuten Reisezeit. Sie ist 12,523 km lang (im öffentlichen Fahrgastverkehr nutzbare Länge).

Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liegt bei 32,67 km/h.

Die Summe der Aufenthaltszeiten aller Bahnhöfe ergibt 6 Minuten. Die durchschnittliche Standzeit (Aufenthaltszeit) beläuft sich auf 24 Sekunden. Die Einzelwerte schwanken zwischen 20 (U-Bahnhöfe ohne Anschlußbeziehung im Schnellbahnnetz) und 40 Sekunden (Maximalwert auf dem Bahnhof Zoologischer Garten). Sie beinhalten die reine Fahrgastwechsel- und Abfertigungszeit. Zusätzliche Anschlußwartezeiten existieren bei den gegenwärtigen Fahrplänen – auch im Tagesverkehr – nicht.

Der Prozentsatz der Gesamtaufenthaltszeit an der gesamten Reisezeit beträgt 28,26 %.

Zu 5.

Die durchschnittliche Aufenthaltszeit an den Haltepunkten beträgt bei der U 9 0,4 Minuten und bei der S 1 0,45 Minuten. Für den S-Bahnbetrieb wird dafür von der S-Bahn Berlin GmbH folgende Begründung gegeben:

Auf der Linie S 1 wird Mischbetrieb mit Alt- und Neubaufahrzeugen gefahren. Die Fahrzeiten basieren auf den Parametern der Altbaufahrzeuge, was praktisch bedeutet, daß für die Neubaufahrzeuge in der Fahrzeit Reserven enthalten sind, die durch eine verlängerte Aufenthaltszeit abgebaut werden, um in der Abfahrt wieder planmäßig zu sein. Dadurch wird bei den Fahrgästen der Neubaufahrzeuge der Eindruck erweckt, die Züge würden auf Unterwegsbahnhöfen unverhältnismäßig lange stehen.

Zu 6.:

Der Senat setzt sich gegenüber dem S-Bahn-Unternehmen und dem Bund, insbesondere im Rahmen der Vereinbarungen für die Bestellung von S-Bahnleistungen, für die Fortsetzung der Erneuerung des Wagenparks für das Berliner S-Bahnnetz ein, um damit den aktuellen Stand der fahrzeugtechnischen Möglichkeiten und eine Verbesserung der Attraktivität des ÖPNV zu erreichen. Nach Angaben der S-Bahn Berlin GmbH ist zum Jahresfahrplanwechsel im Mai 1999 geplant, im Bereich der Linie S 1 nur noch Neubaufahrzeuge einzusetzen.

Berlin, den 15. Mai 1998

Jürgen Klemann Senator für Bauen, Wohnen und Verkehr

Hinweis

dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt