Straßenbahn: Netzbautechnische Streckenanbindung und planerische Trassenfuehrung im Zuge der Karl-Liebknecht-Straße
Ereignis
Die Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr projektiert den verkehrlichen Neubau der Straßenbahntrasse vom Prenzlauer Tor zum Alexanderplatz auf einem gesonderten Bahnkörper in fahrbahnmittiger Lage der Karl-Liebknecht-Straße. Die mit einem geschätzten Kostenvolumen von 15 Mio. DM bezifferte Maßnahme bindet an der Gontardstraße an den vorlaufend errichteten Netzknoten Mollstraße–Hackescher Markt an, um über kurze Erschließungshorizonte optimale Umsteigesituationen zum Regional- und Schnellbahnnetz zu gewährleisten. Das Einleitungsverfahren für die öffentlich-rechtliche Planfeststellung ist auf Basis des Abgeordnetenhausbeschlusses für das Jahr 1998 festgeschrieben.
Details
Quelle: Abgeordnetenhaus von Berlin, 13. Wahlperiode, Antwort (Schlußbericht) auf die Kleine Anfrage Nr. 1543
Ich frage den Senat:
1. Inwiefern besteht noch Untersuchungsbedarf zur Lage der Haltestelle am Alexanderplatz für die geplante Linie Prenzlauer Tor – Karl-Liebknecht-Straße? Wer verfolgt welches Konzept, und wodurch wird eine Einigung verhindert?
2. Warum is es nicht möglich, die Straßenbahnhaltestelle direkt unter die S-Bahnbrücken zu legen, um für diese Linie die kürzesten Umsteigewege zur S-Bahn und zur U-Bahn zu realisieren?
3. Was spricht dagegen, die Straßenbahnlinie vom Prenzlauer Tor durch die Karl-Liebknecht-Straße links in die Gontard- bzw. Dircksenstraße einbiegen zu lassen, um eine optimale Umsteigesituation für den S- und R-Bahnbereich ebenso wie zur U-Bahn zu schaffen?
4. Wie hoch ist nach Auffassung des Senats die Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs durch die linksabbiegende Straßenbahn am Mollknoten, von der Prenzlauer Allee in die Karl-Liebknecht-Straße und am Alexanderplatz von der Gontardstraße in die Karl-Liebknecht-Straße, und in welchem Umfang wäre die Einschränkung der Leistungsfähigkeit für den motorisierten Individualverkehr durch die geradeausfahrende Straßenbahn von der Prenzlauer Allee durch die Karl-Liebknecht-Straße zum Hackeschen Markt?
5. Wie hoch sind die Kosten für den Umbau der Karl-Liebknecht-Straße insgesamt, und welchen Anteil nimmt dabei der Umbau für die Straßenbahn zwischen Prenzlauer Tor und Gontardstraße ein?
6. Trifft es zu, daß der Bau der Straßenbahn auch ohne den Gesamtumfang des Umbaus der Karl-Liebknecht-Straße möglich ist, weil unstrittig ist, daß in der Karl-Liebknecht-Straße die Straßenbahn in der Straßenmitte geführt werden soll? Wenn nein, warum nicht?
7. Warum intensiviert der Senat seine Anstrengungen nicht für die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für die Straßenbahn zwischen Prenzlauer Tor und Alexanderplatz, obwohl dadurch doch die Leistungsfähigkeit des motorisierten Individualverkehrs weniger eingeschränkt wird?
8. Warum hat der Senat Abstand von seiner ursprünglichen Planung genommen, die Straßenbahn vom Alexanderplatz durch die Rathausstraße über die Spandauer Straße zum Hackeschen Markt zu führen, um damit das Berliner Rathaus direkt anzubinden? Welche Gründe waren ausschlaggebend für die Abkopplung des Berliner Rathauses vom Straßenbahnnetz?
9. Welche Bedeutung hatten dabei die Einwendungen der Senatskanzlei, daß bei Staatsbesuchen möglicherweise die Rathausstraße vor dem Berliner Rathaus gesperrt werden müßte, und warum konnte sich der Senat nicht darauf einigen, daß im Falle der Sperrung der Rathausstraße aus Sicherheitsgründen dann die Straßenbahn am Alexanderplatz über die Karl-Liebknecht-Straße geführt wird?
Antwort (Schlußbericht) auf die Kleine Anfrage Nr. 1543
Im Namen des Senats von Berlin
beantworten wir Ihre Kleine Anfrage wie folgt:
Zu 1.:
Der Senat plant die Führung der Straßenbahn in der Karl-Liebknecht-Straße zwischen Prenzlauer Tor und Gontardstraße in Mittellage auf besonderem Bahnkörper. Untersuchungsbedarf besteht nicht mehr; es ist allerdings noch die bei jeder Planung notwendige Erarbeitung der Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren weiterzuführen.
Zu 2.:
Die Flächen unter den Stadtbahnbrücken, d. h., die Breiten- und Längenverhältnisse zwischen Gontard- und Dircksenstraße, lassen die Einordnung von Straßenbahnhaltestellen dort nicht zu.
Zu 3.:
Die geplante Neubaustrecke vom Prenzlauer Tor durch die Karl-Liebknecht-Straße schließt an der Gontardstraße an die zeitlich vorher fertiggestellte neue Strecke vom Knotenpunkt Mollstraße/ Otto-Braun-Straße über den Alexanderplatz zum Hackeschen Markt an. Damit wird eine kurze sowie kostengünstig zu bauende und zu betreibende Anbindung der Strecke Prenzlauer Allee an den Alexanderplatz mit guten Umsteigebeziehungen zur Regional-, S- und U-Bahn hergestellt, wobei die Straßenbahnlinie auf direktem Wege zur Endstelle Hackescher Markt weitergeführt wird.
Zu 4.:
Am Knotenpunkt Mollstraße/Otto-Braun-Straße entstehen durch die links abbiegende Straßenbahn keine Einschränkungen für den motorisierten Individualverkehr. Für den MIV sind durch die geradeausfahrende Straßenbahn am Knotenpunkt Prenzlauer Tor und in der Karl-Liebknecht-Straße keine Einschränkungen zu erwarten. Durch die neu entstehende Querung der Straße „Alexanderplatz“ sowie durch die abbiegende Straßenbahn an den Knotenpunkten Gontardstraße/Karl-Liebknecht-Straße und Karl-Liebknecht-Straße/ Spandauer Straße entstehen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit für den MIV in unterschiedlicher Größenordnung.
Zu 5. und 6.:
Für die Straßenbahnneubaustrecke Prenzlauer Tor – Karl-Liebknecht-Straße/Gontardstraße wurde ein Investitionsaufwand von 15Mio. DM geschätzt. Darin sind auch die notwendigen Anpassungsmaßnahmen für die Straße enthalten. Ein genereller Umbau der Karl-Liebknecht-Straße ist nicht vorgesehen.
Zu 7.:
An der Vorplanung wird zur Zeit intensiv gearbeitet, so daß das Planfeststellungsverfahren 1998 durchgeführt werden kann und der Baubeginn 1999 möglich ist, wie es auch der Beschluß des Abgeordnetenhauses vom 23. Mai 1996 (Drucksachen Nrn. 13/131, 13/445 und 13/644) vorsieht.
Zu 8. und 9.:
Mit dem Bau der Strecke Prenzlauer Tor – Karl-Liebknecht-Straße/Gontardstraße, die an die zuvor fertiggestellte Strecke Mollstraße/Otto-Braun-Straße – Alexanderplatz – Hackescher Markt anbindet, setzt der Senat den Beschluß des Abgeordnetenhauses über Straßenbahnbaumaßnahmen (Drucksachen Nrn. 13/131, 13/445 und 13/644) um. Über die genaue Streckenführung einer späteren Verlängerung über den Molkenmarkt zum Potsdamer Platz wird vor Umsetzung dieser Maßnahme entschieden. Die Hinweise der Senatskanzlei zur Sperrung der Rathausstraße bei Staatsbesuchen und zu anderen Anlässen haben bei der Entscheidung für die Straßenbahnführung keine Rolle gespielt, da der Beschluß des Abgeordnetenhauses vom 23. Mai 1996 (Drucksachen Nrn. 13/131, 13/445 und 13/644) die Anbindung der Strecke Prenzlauer Allee über die Karl-Liebknecht-Straße, nicht aber die Führung durch die Rathausstraße festlegt.
Hinweis