Regionalverkehr: Brandenburg: Dellmann und VBB fordern mehr Qualität statt Trassenpreiserhöhung

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Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) lehnt die von der DB Netz AG beschlossene Trassenpreiserhöhung ab. Die Preise sollen vom Dezember 2007 an um durchschnittlich 2,2 Prozent (3,6 Millionen Euro) steigen nachdem sie schon im Vorjahr um 4,6 Prozent (7,5 Millionen Euro), also weit über Inflation erhöht wurden. Für das Gebiet des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg bedeutet dies Mehrkosten in Höhe von 3,6 Millionen Euro pro Jahr.
Den beiden Ländern Berlin und Brandenburg stehen im Jahr 2008 aufgrund der Kürzung der Regionalisie-rungsmittel allein 78 Millionen Euro weniger für den öffentlichen Personennahverkehr zur Verfügung. Verringerte öffentliche Mittel bedrohen gemeinsam mit den steigenden Energiekosten sowie der Erhöhung der Trassenpreise die positive Entwicklung der Fahrgastzahlen beim Regionalverkehr. Der VBB fordert die DB Netz AG als Monopolanbieter der Eisenbahnstruktur auf, ihre Kostenstruktur offenzulegen. Nur so kann der Verdacht ausgeräumt werden, dass die DB Netz AG von den Nutzern der Netzinfrastruktur überteuerte Monopolpreise in Anspruch nimmt.
Infrastrukturminister Reinhold Dellmann: „Ich bin gegen diese Preissteigerung. Solange unklar ist, wo die Einnahmen der Bahn reinvestiert werden, kann ich einer Anhebung der Trassenpreise nicht zustimmen. Ich erwarte von der Bahn mehr Transparenz bei der Ausgabenseite, damit nicht die Länder die Investitionen der Bahn in die Infrastruktur des Fernverkehrs finanzieren. Einnahmen der Bahn aus Brandenburger Regionalisierungsmitteln sollten auch in Brandenburg wieder von der Bahn zur Beseitigung von Defiziten in die Regionalnetze investiert werden. Meine Sorge ist, dass durch eine Quer-subventionierung die Bahn die Regionalnetze bei den dringend notwendigen Investitionen benachteiligt.“
Hans-Werner Franz, der Geschäftsführer des VBB: „Die DB Netz AG sollte zunächst mit aller Kraft dafür sorgen, dass der Regionalverkehr wieder reibungslos funktioniert und gravierende Mängel behoben werden. Auf zahlreichen Strecken kann der Fahrplan aufgrund von Langsamfahrstellen nicht eingehalten werden. Die Folge: Die Züge sind unpünktlich und die Kunden zu Recht verärgert. Es geht nicht an, dass die DB Netz AG die Trassenpreise erhöht und sich zeitgleich die Attraktivität des Regionalverkehrs verschlechtert. Im letzten Quartal 2006 lag die Pünktlichkeit im Regionalverkehr in Berlin-Brandenburg in einzelnen Wochen bei nur 80 Prozent. Wir fordern die DB Netz AG auf, zuerst die Qualität des Schienenverkehrs zu verbessern, bevor sie den Regionalverkehr für die Kunden zu verteuern droht. Die RB 33 kann beispielsweise aufgrund von Langsamfahrstellen derzeit nicht vollständig verkehren, ein Schienenersatzverkehr muss aushelfen. Auch am Bahnhof Cottbus ist die Infrastruktur mangelhaft. Als Knotenpunkt von sieben Regionalbahnlinien ist das Verkehrsaufkommen in Cottbus hoch. Bei allen Ein- und Ausfahrten befinden sich zahlreiche Langsamfahrtstellen, die zu erheblichen Verspätungen führen. Auch die hoch ausgelastete Strecke Berlin – Cottbus (RE2/RB14) ist häufig von Zugverspätungen betroffen. Seit Jahren sollen die Züge auf 160 km/h beschleunigt werden, stattdessen gibt es zahlreiche Langsamfahrstellen – zum Beispiel bei Königs-Wusterhausen, Bestensee oder Lübbenau. Für 2008/2009 sind neue Baumaßnahmen angekündigt. Auch auf der Strecke Berlin – Elsterwerda – (Dresden) (RE3/RE7) sind Verspätungen alltäglich. Besonders zwischen Berlin und Wünsdorf gibt es immer wieder Langsamfahrstellen und der langfristig geplante Ausbau der Strecke auf eine Geschwindigkeit von 200 km/h ist bisher noch nicht erfolgt. Erst wenn all diese Mängel beseitigt worden sind, kann über eine Erhöhung der Trassenpreise nachgedacht werden.“ (Pressemeldung VBB, 14.02.07).

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