Buslinie 123 – dauernd verspätet?, aus Senat

www.berlin.de Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie folgt: Die Schriftliche Anfrage betrifft teilweise Sachverhal-te, die der Senat nicht aus eigener Zuständigkeit und Kenntnis beantworten kann. Er ist gleichwohl bemüht, Ihnen eine Antwort auf Ihre Frage zukommen zu lassen und hat daher die BVG AöR um eine Stellungnahme gebeten, die von dort in eigener Verantwortung erstellt und dem Senat übermittelt wurde. Sie wird nachfolgend gekennzeichnet wiedergegeben.

Frage 1: Welches sind die Gründe für die häufige Un-pünktlichkeit der Buslinie 123, wodurch vor allem ältere Mit-bürger in ihrer Mobilität, Freiheit und Lebensqualität eingeschränkt sind, die essenziell auf öffentliche Ver-kehrsmittel im Alltag- und Freizeit angewiesen sind? Antwort zu 1.: Die BVG AöR teilt hierzu mit: „In dem Bereich um den Hauptbahnhof kommt es zu unterschied-lich hohem Stauaufkommen infolge der örtlichen Bau-maßnahmen. Ebenso führen Sperrungen des Tiergarten-tunnels zu teilweise chaotischen Verkehrsverhältnissen in der Invalidenstraße. Zusätzlich kommt es im Bereich rund um den Jakob-Kaiser-Platz zu erhöhtem Verkehrsauf-kommen und Rückstaus, wenn Verkehrsbehinderungen auf der Stadtautobahn A100 vorliegen. Darüber hinaus wurde vor einigen Wochen an der Kreuzung Beusselstr./Siemensstr. die Verkehrsführung und -abwicklung dahingehend geändert, dass zum einen zwei Linksabbiegespuren aus der nördlichen Beusselstr. kommend in die Siemensstr. geschaffen wurden. Zum anderen ist diese Verkehrsrelation, obwohl in diese Rich-tung kein ÖPNV stattfindet, in den Ampelschaltzeiten stark priorisiert worden. In dessen Folge gibt es aus der südlichen Beusselstr. kommend nur noch verkürzte Grün-phasen. Die drei dort verkehrenden Omnibuslinien TXL, 106 und 123 verlieren an dieser Lichtsignalanlage (LSA) mehrere Minuten Fahrzeit. Die BVG hat sich bereits […] an die zuständigen Stellen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt gewandt, um eine Nach-justierung der Ampelzeitschaltungen zu erreichen.“ Der Umbau der Kreuzung Beusselstraße/Sickin-genstraße/Siemensstraße erfolgte im Zusammenhang mit dem Neubau einer Erschließungsstraße für das Gewerbe-gebiet auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände in Moabit. Mit der Freigabe des umgebauten Knotenpunktes Beusselstraße/Sickingenstraße/Siemensstraße wurde die LSA-Schaltung an die prognostizierten Verkehrsströme angepasst, die einen stärkeren Eckverkehr in der Relation Bundesautobahn (BAB)/Beusselstraße Nord – Siemens-straße vorsehen. Die LSA war zum Zeitpunkt der Freigabe der Straße noch nicht vollständig fertiggestellt und konnte deshalb im ersten Schritt nur in Festzeitsteuerung in Betrieb ge-hen. Die verkehrsabhängige Steuerung befindet sich bei der Verkehrslenkung Berlin (VLB) derzeit in Prüfung und wird voraussichtlich zeitnah freigegeben werden können. Frage 2: Welche Untersuchungen und mit welchen In-strumenten werden wann durchgeführt, um die Pünktlich-keit der Bus-Linie zu prüfen? Antwort zu 2.: Die BVG AöR teilt hierzu mit: „Die BVG erfasst die tatsächlichen Abfahrtzeiten der Omni-busse an den Haltestellen und vergleicht diese mit den geplanten. Je nach Differenz zwischen tatsächlicher Ab-fahrtzeit und geplanter Abfahrzeit werden die Abfahrten in pünktliche und unpünktliche Abfahrten unterteilt.“ Frage 3: Wie viele Busse der Bus-Linie 123 waren in den ersten drei Quartalen 2014 pünktlich? Antwort zu 3.: Die BVG AöR teilt hierzu mit: „Im I. Quartal 2014 lag die Pünktlichkeit bei rund 81,5%. Im II. Quartal 2014 lag die Pünktlichkeit bei rund 74,7%. Im III. Quartal 2014 lag die Pünktlichkeit bei rund 75,7%.“ Frage 4: Wie viele Busse der Bus-Linie 123 waren in den ersten drei Quartalen 2014 3 Minuten verspätet? Antwort zu 4.: Die BVG AöR teilt hierzu mit: „Als unpünktlich gelten alle Abfahrten die mehr als 90 Sekun-den verfrüht oder mehr als 210 Sekunden verspätet sind. An Hand dieser Kriterien werden die Abfahrten bewertet und zusam-mengefasst. Es erfolgt keine Zusammenfassung der Ab-fahrten nach anderen Zeitfenstern.“ Frage 5: Wie viele Busse der Bus-Linie 123 waren in den ersten drei Quartalen 2014 6 Minuten verspätet? Antwort zu 5.: Die BVG AöR teilt hierzu mit: „Siehe Antwort zu Frage 4.“ Frage 6: Wie viele Busse der Bus-Linie 123 waren in den ersten drei Quartalen 2014 10 Minuten und mehr (somit über 50 % respektive 100 % der Taktzeit) verspä-tet? Antwort zu 6.: Die BVG AöR teilt hierzu mit: „Siehe Antwort zu Frage 4.“ Frage 7: Wie stark ist die Auslastung der Bus-Linie 123 durchschnittlich in den ersten drei Quartalen 2014 jeweils im Stundenschnitt und wie sind die dazugehörigen Taktzeiten? Antwort zu 7.: Die BVG AöR teilt hierzu mit: „Die aktuell vorliegenden Zähldaten sind von 2013. Bei den Erhebungen lag die mittlere Auslastung der Linie 123 im Tagesverkehr von 6 bis 18 Uhr zwischen 20% und 32,5% (Maximum ermittelt für den Nachmittagsverkehr). Punk-tuell, also zwischen zwei Haltestellen, ist eine Maximal-belastung von 60% für die im 20-Minuten-Grundtakt verkehrende Linie zu verzeichnen. Diese Abschnitte lie-gen insbesondere im Bereich der Turmstraße, zumal die Linie 123 im westlichen Abschnitt zwischen Goebelplatz und Mäckeritzwiesen in der Hauptverkehrszeit auf einen 10-Minuten-Takt verdichtet wird. Die gemessenen Aus-lastungen entsprechen den Standards des Nahverkehrs-plans.“ Frage 8: Welche Maßnahmen plant die BVG um dem Verspätungen und hohen Auslastungen entgegen zu wir-ken? Antwort zu 8.: Die BVG AöR teilt hierzu mit: „Die durchschnittlichen Auslastungswerte bewegen sich ein-schließlich der punktuellen Werte von bis zu 60% im Rahmen der im Nahverkehrsplan vorgesehenen Vorga-ben. Außergewöhnliche Spitzen, die aufgrund von unver-schuldeten Verspätungen entstehen können, sind zwar nicht gänzlich zu verhindern, aber auch nicht als Regel anzusehen. Hier wurde bereits vor einiger Zeit im Zusammenhang mit der Flughafenanbindung durch den TXL im Saat-winkler Damm eine provisorische Busspur eingerichtet. Seit einiger Zeit bereitet nun jedoch die LSA-Schaltung an der Beusselstraße/Ecke Siemensstraße Probleme (siehe Antwort zu Frage 1).“ Frage 9: Welche Möglichkeiten zur Taktzeitverdich-tung gibt es und was wäre erforderlich um diese umzuset-zen? Antwort zu 9.: Da die Linie 123 überwiegend nur im 20-Minuten-Takt verkehrt, wäre eine Verdichtung auf einen 10-Minuten-Takt die verkehrsplanerisch nahelie-gende Möglichkeit. Eine dementsprechende Verdichtung der Taktzeiten erfordert eine zusätzliche Bestellung von Verkehrsleis-tungen und Finanzierung der zusätzlich benötigten Fahr-zeuge durch das Land Berlin bei der BVG. Hierfür wäre eine Aufstockung des entsprechenden Haushaltspostens notwendig, da mit den im Haushalt des Landes Berlin für die Jahre 2014 und 2015 für OV-Verkehrsleistungen zusätzlich zur Verfügung gestellten Mitteln von 4,0 Mio. € im Jahr 2014 und 7,5 Mio. € im Jahr 2015 Maßnahmen auf anderen Linien mit einer höheren verkehrlichen Prio-rität umgesetzt wurden. Im Rahmen der wachsenden Stadt wird jedoch, gerade auch auf Grund der geplanten Woh-nungsneubauvorhaben entlang der Linie 123, beispiels-weise im Bereich der Lehrter Straße, in den Folgejahren erneut die Notwendigkeit einer Taktverdichtung der Linie 123 durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt geprüft werden. Frage 10: Welche Möglichkeiten zur besseren Kun-deninformation z.B. mit Fahrgasttafel bestehen und kön-nen kurzfristig umgesetzt werden? Antwort zu 10.: Die BVG AöR teilt hierzu mit: „Zur-zeit sind ca. 5% der Berliner Bushaltestellen mit einer elektronischen Anzeige der nächsten Abfahrten (DAISY-Anzeiger) ausgerüstet. Eine flächendeckende Ausrüstung aller Bushaltestellen war nie geplant und kann auch aus finanzieller Hinsicht nicht umgesetzt werden. Die Auf-stellung erfolgte entsprechend einer Prioritätenliste, wobei stark frequentierte Haltestellen und große Umsteigepunk-te vorrangig ausgestattet wurden. Auf dem Linienweg der Linie 123 wurden in den letz-ten Jahren an wichtigen Umsteigepunkten/Haltestellen DAISY-Anzeiger aufgestellt. Eine Aufstellung an weite-ren Standorten in Berlin ist derzeit nicht geplant. Die BVG bietet den Fahrgästen Echtzeitinformationen im gesamten Netz über die BVG-App „Fahrinfo“ für iOS und Android.“ Berlin, den 20. Oktober 2014 In Vertretung C h r i s t i a n G a e b l e r ………………………….. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 21. Okt. 2014)

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