Senat stellt Zahlen zum Verkehr vor: Jeder zweite Haushalt besitzt keinen Pkw – und die Fahrgäste bleiben der S-Bahn trotz Krise treu
Peter Neumann
Jetzt wissen wir es ganz genau. Tag für Tag verbringt der Berliner im Durchschnitt nicht weniger als 70,1 Minuten im Verkehr – und legt dabei exakt 20,2 Kilometer zurück. Diese und viele andere Zahlen finden sich in der umfangreichen Datenfundgrube „Mobilität der Stadt“, die gestern von der Verkehrs-Staatssekretärin Maria Krautzberger (SPD) vorgestellt worden ist. Ein paar Seiten weiter findet sich noch eine bemerkenswerte Angabe: 2009 gab es in Berlin pro tausend Einwohner gerade mal 324 Autos, davor und danach war der Wert ähnlich niedrig. „In keiner anderen europäischen Metropole ist die Motorisierung so gering“, sagte der Chefverkehrsplaner Friedemann Kunst. Berlin sei alles andere als eine „Autostadt“.
Woran liegt das? „Sicherlich am guten Angebot im Nahverkehr. Aber auch daran, dass die Einkommen …
Rot bedeutet Stau, gelb zähfließender und grün reibungsloser Verkehr. Schon seit vielen Jahren können sich die Autofahrer im Internet darüber informieren, ob es auf ihrer Strecke gerade Probleme gibt. Doch über zu viel Andrang konnte die Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) Berlin bisher nicht gerade klagen. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr wurde ihre Internetseite rund 27000 Mal pro Tag angeklickt, in einer Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern könnte die Nutzung viel größer sein. Jetzt hat es einen Neustart gegeben, und vieles soll besser werden. Einen „Qualitätssprung“ versprach Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), als sie gestern die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) Berlin vorstellte.
Auf den ersten Blick sieht alles so aus wie bisher. Im Hauptgebäude des früheren …
Die neue Verkehrsinformationszentrale VIZ hat seit Anfang des Jahres ihren Betrieb in den Räumen der Verkehrsregelungszentrale im Flughafen Tempelhof aufgenommen und ersetzt die alte Verkehrs-management Zentrale, VMZ. Die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer und Dr. Volkmar Klasen, Deutschland-Chef der Division Mobility der Siemens AG stellten die technischen Neuerungen der VIZ am Montag vor. Die VMZ Berlin Betreibergesellschaft mbH, eine Tochtergesellschaft der Siemens AG hatte den Zuschlag für den Betrieb der Verkehrsinformationszentrale für die kommenden 10 Jahre gewonnen. Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer: „Verkehr in der Großstadt kann für alle Verkehrsteilnehme-rinnen und Verkehrsteilnehmer besser organisiert werden, damit er flüssiger, schneller und umwelt-schonender wird. Dafür haben wir mit der Verkehrsinformationszentrale jetzt eine zukunftsweisende technische Unterstützung, die Informationen schneller und umfassender sammelt und zur Verbreitung bereitstellt, als dies bisher möglich war. Dadurch wird es einfacher, das richtige Verkehrsmittel zu wählen, um gut durch die Stadt zu kommen. Damit wird individuelle Mobilität mit Auto, Fahrrad, Bahn und Bus oder zu Fuß in Berlin noch einfacher.“ Unter der Regie der Verkehrslenkung Berlin wird die Verkehrsinformationszentrale die Verkehrsinformation in Berlin erweitern und verbessern. Die Meldungen der Verkehrsinformationszentrale werden über 33 dynamische Informationstafeln am Straßenraum, das Internet sowie SMS-und E-Mail-Dienste verbreitet. Die Medien werden künftig von der VIZ täglich mit der Vorschau zum Verkehr des kommenden Tages versorgt. Durch die VIZ werden städtische Bereiche von Umweltbelastungen befreit und die Lebensqualität in der Stadt insgesamt verbessert. Das neue System soll die privaten Mobilitätskosten durch Optimierung von z. B. Verkehrsmittelwahl, Reisegeschwindigkeit und Kraftstoffkosten verringern. Senatorin Junge-Reyer und Dr. Volkmar Klasen von Siemens präsentierten den ersten neuen Mobilitäts-monitor der VIZ, der im Foyer der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aufgestellt ist. Er soll künftig an weiteren Verwaltungsstandorten, Einkaufszentren und Freizeiteinrichtungen platziert werden. Der Mobilitätsmonitor informiert über die aktuell verfügbaren Mobilitätsangebote im Umfeld des Standortes. Er zeigt den kürzesten Weg zur nächsten Haltestelle und die aktuellen Abfahrtszeiten der Bahnen und Busse. Taxi-Halte werden ebenso wie die im Umfeld verfügbaren Mieträder der Fahrradverleiher Call-a-Bike und nextbike angezeigt. Der Autofahrer bekommt die aktuelle Verkehrslage auf den Straßen in der Umgebung, etwaige Staus, Baustellen und andere Verkehrsbehinderungen mitgeteilt. Grundlage für die Informationsdienstleistungen der VIZ ist die Ermittlung der aktuellen Verkehrssituation im Straßennetz. Die VIZ greift dazu auf 800 Messquerschnitte auf den Autobahnen und auf 370 Detektoren im Hauptverkehrsstraßennetz zurück. Diese messen in kurzen Intervallen die Art, Anzahl und Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Künftig werden die Detektordaten noch schneller in der Zentrale vorliegen und dort wo nicht mit Detektoren gemessen wird, werden leistungsfähigere Modelle zur Berechnung der Verkehrssituation eingesetzt werden. Zusätzlich werden künftig mehr als 4.000 Taxis ihre Geschwindigkeits-Daten an die VIZ übertragen und damit verlässliche Angaben zur Reisezeit ermöglichen. Für die Siemens AG ist die Verkehrsinformationszentrale ein internationales Vorzeigeprojekt. „Im intelligenten Zusammenspiel von Verkehrssteuerungs- und – Informationstechnik sehen wir einen Schlüssel zur Lösung der zunehmenden Verkehrsprobleme in Großstädten und Ballungsräumen. Die VIZ stellt eine nationale und internationale Referenz dar und unterstreicht damit für Siemens die heraus-ragende Bedeutung des Mobility Standorts Berlin als Zentrale für das Weltgeschäft“, beschreibt Volkmar Klasen die strategische Bedeutung der VIZ für die Siemens Verkehrstechnik. Gegenwärtig bereitet die VIZ das Informationssystem AIRVIS vor. Es stellt sicher, dass der neue Flughafen BBI auch bei Störungen auf den zuführenden Straßen und Schienen erreichbar ist. Ebenfalls in Vorbereitung ist iQ mobility, mit dem die aktuelle Luftschadstoff- und Lärmbelastung auf rd. 1.200 km des Berliner Hauptverkehrsstraßennetzes überwacht werden kann. Ziel des Stadtentwicklungsplans Verkehr ist es, die vorhandene Verkehrsinfrastruktur möglichst effizient zu nutzen. Deshalb ist Verkehrslenkung auch als eine Teilstrategie im StEP-Verkehr aufgenommen worden. Das VIZ stellt eine bedeutende Innovation in diese Richtung da. Ziel ist eine verkehrs-mittelübergreifende, ressourcenschonende Mobilität, die durch die Optimierung der vorhandenen Infrastruktur, durch flexible, situationsabhängige technische Eingriffsmöglichkeiten erreicht werden soll. Verkehrsdaten, so die Erfahrung der letzten 10 Jahre, lassen sich nicht verkaufen. Deshalb hat das Land einen Dienstleistungsvertrag abgeschlossen. Die Kosten sind vergleichbar mit anderen Regionen wie etwa im Ruhrgebiet. Allerdings das Leistungsniveau in Berlin höher. Rund 1.500.000 € brutto jährlich werden hierfür ausgegeben. Die Daten werden kostenfrei zur Verfügung gestellt (Pressemeldung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 08.03.11).
Vier Fußgänger sind in diesem Jahr in Berlin bei Unfällen mit Straßenbahnen ums Leben gekommen. Sibylle S. war das vierte Opfer. Erst am Montag war ein drei Jahre alter Junge in der Osloer Straße in Wedding von einer Bahn der Linie 50 überrollt und getötet worden. Das Unglück geschah auf einem mit Gittern ausgestatteten sogenannten Z-Übergang. Am 8. September starb eine 76-jährige Frau in Hohenschönhausen. Sie war in der Falkenberger Chaussee von einer Bahn der Linie M 4 erfasst worden. Der erste tödliche Tram-Unfall 2010 ereignete sich am 15. Januar auf der Prenzlauer Allee. Eine 75-Jährige wurde in Höhe Grellstraße von einer Bahn der Linie M2 angefahren. 40 Unfälle zwischen …
Der Winter wird den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR) in diesem Jahr mehr Arbeit machen. Wegen des neuen Straßenreinigungsgesetzes, das am Sonntag in Kraft treten soll, sind die Männer in Orange ab sofort nämlich für alle 6447 Haltestellen der BVG an Gehwegen zuständig. Bisher musste sie nur 3250 von Schnee und Eis befreien. Außerdem kümmert sich die BSR künftig um sechs Fußgängerzonen, darunter die Wilmersdorfer Straße und die Marzahner Promenade, sowie um zwölf Plätze wie den Alexander-, Bebel- und Breitscheidplatz sowie den Gendarmen- und den Hackeschen Markt. Auf ausgewiesenen Radwegen, die begleitend zu Hauptstraßen verlaufen, wird der Schnee zeitnah zum Winterdienst auf der Fahrbahn geräumt. Während sich die 2100 Winterdienstmitarbeiter der BSR mit ihren …
Berlin bekommt ein verschärftes Gesetz für den Winterdienst auf Straßen und Plätzen. SPD und Linke stimmten gestern Abend für eine entsprechende Änderung des Straßenreinigungsgesetzes. Das von Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei) konzipierte Gesetz wird jedoch nicht so strenge Neuregelungen enthalten wie ursprünglich vorgesehen.
Möglichkeit der Interpretation Noch bis kurz vor der Plenardebatte wurden einige Verschärfungen sozusagen mit parlamentarisch abstumpfenden Mitteln behandelt. Hieß es bis gestern noch im Gesetzentwurf kurz und bündig „Eisbildungen sind zu beseitigen“, so heißt es jetzt: „Eisbildungen, denen nicht ausreichend durch Streuen begegnet werden kann, sind zu beseitigen“. Den Hauseigentümern eröffnet diese Formulierung die Möglichkeit …
Leidenschaftliche Klimaschützer werden jubeln, passionierte Autofahrer wohl eher zetern: Für den derzeit wahrscheinlichen Fall, dass die Grünen Berlin ab Herbst 2011 (mit)regieren, wollen sie grundlegende Änderungen in der Verkehrs-, Energie- und Klimaschutzpolitik durchsetzen. Das geht aus den Leitanträgen hervor, die der Grünen-Vorstand für den Parteitag in gut einer Woche vorgelegt hat. Die Anträge, die nach Informationen der Berliner Zeitung mit der mutmaßlichen Spitzenkandidatin Renate Künast abgestimmt wurden, sehen einen klaren Vorrang für Radfahrer, Fußgänger und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor – zulasten des motorisierten Individualverkehrs. Das Automobil sei „in der Stadt dominant“, heißt es in dem Antrag zur Verkehrspolitik. „Das wollen wir ändern: Die knappen Flächen müssen allen zur Verfügung stehen. Lärm, Abgase und Platz vergeudende Blechhaufen sind …
Ein Bombenfund am Ostkreuz hat gestern Abend für ein Verkehrschaos gesorgt. Bei Gründungsarbeiten für die Ringbahn fanden Bauarbeiter gegen 13.40 Uhr direkt neben dem Bahnhof einen 500 Kilogramm schweren amerikanischen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Polizei sperrte das Gelände in einem Radius von rund 500 Metern ab. Am Nachmittag begann die Polizei, die umliegenden Wohngebäude und Büros zu evakuieren. Nach Schätzungen der Polizei waren etwa 9 600 Menschen betroffen. Auch Betriebe und die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte wurden geräumt. Mehrere hundert Polizisten klingelten an Hausaufgängen und baten die Bewohner aus den Häusern. Gesperrt wurden auch zahlreiche Straßen. Unter anderem lag die im Berufsverkehr wichtige …
Seit einem Jahr wird Brandenburg durch SPD und Linke auf Landesebene regiert. Nach 365 Tagen zieht der DBV Berlin-Brandenburg eine ernüchternde Bilanz. Bis zum Wahltermin am 27. September 2010 hatte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gemeinsam mit der CDU regiert. Nach einer relativ langen Findungsphase gibt es in Brandenburg eine Regierungskoalition aus SPD und Linkspartei. Für den Verkehrsbereich gab es viele unterschiedliche Ansichten zwischen den heutigen Koalitionären. Das versprach eigentlich innerhalb der Koalition, der Regierung und auch mit den Fahrgastverbänden interessante Diskussionen. Einige „Knackpunkte“: das Land Brandenburg finanziert aus eigenen Haushaltsmitteln keine ÖPNV-Leistungen direkt. Mit eingerechnet werden sogar Landes- und Bundesgelder, auf die die Verkehrs-unternehmen einen gesetzlichen Anspruch haben (z. B. Schwerbehindertenbeförderung). So saniert sich das Land auf Kosten der Fahrgäste und des Bundes. Auch bei der Mitwirkung der Fahrgäste gab es unterschiedliche Positionen. Vehement wurde — vor der Regierungsbeteiligung — die Freiwilligkeit der ÖPNV-Beiträte in den Brandenburger Landkreises kritisiert. Auch die Vergabepraxis der Regionalverkehrsleistungen wurde, wie die Einbindung der Fahrgastverbände in die Meinungsfindung, kritisiert. Zur Schienenanbindung des Fluighafens BBI sympathisierte man von Anfang mit den Vorschlägen des DBV und anderer Fahrgast- und Naturschutzverbände. Alles vorbei, denn als kleinerer Partner ist klar, wer Koch und wer Kellner ist. „Deichgraf“ Matthias Platzeck regiert mit harter Hand. Ruhe ist nicht nur die erste Bürgerpflicht, sondern scheinbar auch Regierungshandeln. Immer wieder betont er, dass Brandenburg vor enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen stehe. Doch ist in der Regierung scheinbar niemand bereit, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neues auszuprobieren. So wird im Verkehrsministerium ohne Unterbrechung der gleiche Stil wie bis zu den Wahlen 2009 gefahren. Die Aufgabenträger werden kurz an der finanziellen Leine gehalten, Straßenbau (insbesondere Ortsumgehungen) genießen auch in den angeblich „aussterbenden“ Regionen fernab Berlins eine hohe Priorität). Gibt es weniger Geld vom Bund für den ÖPNV, wird dies auf die Bestellungen umgelegt. Der Flughafen BBI wird ebenso weitergebaut wie der Kohleabbau in der Lausitz fortgesetzt wird. Die Vorschläge und Ideen des DBV werden interessiert zur Kenntnis genommen. Nein, halt! Eine Passage enthält die Koalitionsvereinbarung zur ÖPNV-Finanzierung: „… Mit den Mitteln des Gesezes zur Regionalisierung des öffentlichen Personennahverkehrs wird sichergestellt, dass in den kommenden fünf Jahren keine Bahnstrecken abbestellt werden, wenn es keine zwischenzeitliche Reduzierung der Bundesgelder gibt.“ Ist doch aber auch schon mal was, auch wenn diese Formulierung nichts weiter heißt, als dass die Landesregierung alles beim Alten belässt — egal wer gerade mit wem regiert. Es kann eigentlich nur besser werden… (Pressemeldung Deutscher Bahnkunden-Verband, 01.10.10).