S-Bahn: Bahnkunden-Verband fordert Rückkehr zu einer sicheren Bahn

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In seiner Pressekonferenz hat der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, Hans-Werner Franz, auf eine Situation aufmerksam gemacht, die das derzeitige Desaster bei der S-Bahn Berlin GmbH in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Nach Auskunft von Franz haben sich in den letzten Jahren wesentliche Eckdaten bei der GmbH auseinanderentwickelt: die Gewinne 2008 sind im Vergleich zu 2005 um 600 % gestiegen (wo gibt es so etwas in einem Unternehmen?) und die Umsatzrendite betrug 2008 14 Prozent – d. h., von jedem Euro Umsatz waren 14 Cent Gewinn. Dagegen sei das Personal um 25 % abgebaut (von 3.674 auf 2.786) worden und die einsatzbereite Fahrzeugflotte von 671 Zugeinheiten auf 630 – also um 6 Prozent – geschrumpft. Bei der Fahrgastinformation sei auch erheblich gespart worden.
So kann es nicht weitergehen; das Chaos dauert nunmehr schon zwei Monate und ein Ende ist nicht absehbar. Inzwischen reicht es nach Ansicht des DBV nicht mehr aus, sich für Unannehmlichkeiten bei den Fahrgästen zu entschuldigen. Der DB-Konzern, der durch seine rigiden Gewinnvorgaben nach Meinung vieler Experten den jetzigen Zustand erst herbeigeführt hat, muss endlich einlenken. Warum nimmt der DB-Konzern seine Gewinnforderungen an die S-Bahn Berlin GmbH nicht zurück (laut Berliner Zeitung vom 22. Juli 2009 sollen es 2010 bereits 125 Millionen Euro sein)?
Auch die Bundespolitik muss sich fragen, ob sie nicht an der jetzigen Situation eine gewisse Mitschuld trifft. Denn kritischen Fragen wurden stets mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit der DB AG abgebügelt. Es geht nicht, eigene Verantwortung in Wirtschaftsunternehmen zu parken. Wo das Gemeinwohl dann bleibt, ist es jetzt am Zustand der S-Bahn Berlin GmbH zu sehen.
Was Berlin jetzt braucht, ist die Rückkehr zu einer fahrgastorientierten und sicheren S-Bahn. Dazu gehört auch, dass sich der Eigentümer um sein Eigentum kümmert. Deshalb wiederholt der DBV-Landesverband, seine Forderungen:
1. Die S-Bahn Berlin GmbH braucht mehr Personal zur Kundenbetreuung und Fahrgastinformation auf den Bahnsteigen.
2. Der Konzern muss seine Gewinnforderungen an die GmbH sofort zurücknehmen.
3. Auf Seiten der Bundespolitik ist, nachdem klar ist, dass der Weg des Verantwortungabschiebens an die DB AG zu Lasten der Allgemeinheit geht, wieder verstärkt auf die wirtschaftlichen Entscheidungen des Konzerns Einfluss zu nehmen (Pressemeldung Deutscher Bahnkunden-Verband Landesverband Berlin-Brandenburg e. V., 09.09.09).

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