S-Bahn: Offener Brief an das Eisenbahn-Bundesamt

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In einem offenen Brief an den Pressesprecher des Eisenbahnbundesamtes, Ralph Fischer, kritisiert der Betriebsratsvorsitzende der Berliner S-Bahn, Heiner Wegner, am 06.03.10 in einem als „Mitarbeiter bei der Berliner S-Bahn GmbH und Mitglied der Transparenz für die Basis (TfB)“ unterzeichneten offenen Brief die Mitschuld des Eisenbahnbundesamtes an der gegewärtigen S-Bahn-Krise:
Sehr geehrter Herr Fischer, die Äußerungen des Eisenbahn-Bundesamtes zu der angeblich unübersichtlich und nicht nachvollziehbaren Dokumentation bei der Berliner S-Bahn erzeugen den Eindruck, dass meine Kolleginnen und Kollegen in den Jahren ihrer Tätigkeit bei der Berliner S-Bahn nicht gewillt waren, den EBA-Standard einzuhalten. Dieser Einschätzung des EBA muss ich auf das schärfste und sehr energisch wiedersprechen. [ … ].
Sie, werter Herr Fischer, so unsere Wahrnehmung, scheinen unermüdlich den Versuch zu unternehmen, vom Versagen des EBA ablenken zu wollen. Das EBA, insbesondere die Mitarbeiter des Referats 35, haben unseren Hinweisen der vergangenen Jahre keinen Glauben geschenkt. Sie ignorierten die gefährlichen Entwicklungen bei der Berliner S-Bahn. Sie, werte Herren vom EBA, insbesondere des Referats 35, ließen im großen Umfang Regelwerksänderungen bei der Berliner S-Bahn zu. Sie, werte Herren des Referats 35, ließen u.a. zu, dass die Bremsprobe aus dem Handbuch der Lokführer entfernt wurde. Sie, werte Herren des Referats 35, ließen zu, dass ein von Optimierungswahn getriebener Geschäftsführer unsere Fahrzeugflotte, hierbei beziehe ich ausdrücklich alle Baureihen der Berliner S-Bahn mit ein, auf Verschleiß gefahren wurde.
Warum kommen Sie, im März 2010, wie Phoenix aus der Asche oder aus ihrem Tiefschlaf und beschreiben und beklagen einen Zustand, der ihnen schon über Jahre bekannt sein sollte? Wie sind Sie in den vergangen Jahren ihrer Verantwortung gerecht geworden?
Warum sind Sie ihren Pflichten in den vergangenen Jahren nicht nachgekommen? Warum wurden die Selbstverpflichtungen der Berliner S-Bahn, wo es sich doch Ihren Aussagen nach um sicherheitsrelevante Bauteile handelt, von Ihrer Seite nicht kontrolliert und überwacht worden?
Mich stimmt es äußerst traurig, ich muss sogar sagen sehr wütend, dass eine Sicherheitsbehörde für die Eisenbahnen in Deutschland, die sich als zuständige Aufsichtsbehörde für das Schienennetz der Eisenbahnen des Bundes verantwortlich zeichnet, in einer solchen Art und Weise in Erscheinung tritt und unser Unternehmen – die Berliner S-Bahn und damit auch die vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit sehr viel Herzblut an ihrem Unternehmen hängen, in einer solch scheinheiligen Art und Weise diskreditiert.
Bitte spielen sie nicht mit der Berliner S-Bahn und unseren Arbeitsplätzen und nehmen Sie endlich Ihre Verantwortung war. Dazu gehört auch, Größe zu zeigen und eigene Fehler einzugestehen. Dazu gehört auch, zuzugeben, den Fehlentwicklungen bei der Berliner SBahn nicht rechtzeitig begegnet zu haben. Dazu zählt auch, eigene Unzulänglichkeiten der Behörde zu benennen. Lassen Sie „uns“ wieder Betrieb bei der Berliner S-Bahn machen und behindern und blockieren sie nicht die endlich zu verzeichnenden positiven Entwicklungen (LOK Report, 09.03.10).

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