S-Bahn-Desaster als Chance

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Der strenge Frost führt bei der Berliner S-Bahn ab 21. Dezember zu erneuten Fahrplaneinschränkungen. Das war zu erwarten und wird normalerweise durch die Fahrzeugreserve aufgefangen. Die gibt es aber bei der Berliner S-Bahn schon lange nicht mehr. Somit wird die Summe von 37 Millionen Euro, die das Land Berlin für nicht erbrachte Verkehrsleistungen seit Januar einbehalten hat, noch anwachsen. Durch dieses Geld bietet das Desaster der Berliner S-Bahn zugleich die Chance, Verbesserungen für die Fahrgäste an anderer Stelle zu realisieren, die bisher als (kurzfristig) nicht finanzierbar galten.
Der Berliner Fahrgastverband IGEB hat für einen sinnvollen Einsatz dieser Gelder Grundsätze entwickelt und einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Er fordert den Berliner Senat auf, über die Verwendung der zusätzlichen Gelder endlich im Parlament und mit den Fahrgästen öffentlich zu diskutieren.
Der Berliner Fahrgastverband IGEB hatte bereits im Oktober der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Vorschläge zur Verwendung der einbehaltenen S-Bahn-Gelder unterbreitet. Wichtig ist, dass diese vollständig und zügig für Verbesserungen im öffentlichen Verkehr eingesetzt werden. Da es sich (hoffentlich!) um einmalig zur Verfügung stehende Gelder handelt, sollen diese vorrangig für Investitionen und nur in Ausnahmefällen für die Bestellung von Verkehrsleistungen verwendet werden.
Wichtige Projekte im IGEB-Maßnahmenkatalog sind:
• S-Bahn: Am Ostkreuz Überdachung des Ringbahnsteigs, an dem bis 2014 die S-Bahn-Züge halten und anschließend Regionalzüge
• U-Bahn: Bau zusätzlicher Ausgänge u.a. an den U-Bahnhöfen Görlitzer Bhf und Hallesches Tor
• Straßenbahn: Baumaßnahmen zur Verlängerung der M 13 von der Haltestelle S-Bahnhof Warschauer Straße zur Haltestelle U-Bahnhof Warschauer Straße, dadurch Umsteigemöglichkeit zur U-Bahn-Linie 1 und bessere Erreichbarkeit der Baugebiete entlang der Spree und rund um die O2-World
• Straßenbahn: Neubau der planerisch und baulich weitgehend vorbereiteten und unproblematischen Straßenbahnverbindung zwischen Schöneweide und der expandierenden Wissenschaftsstadt Adlershof
• Straßenbahn: Bauliche Vorleistungen für die geplante Straßenbahnverlängerung vom Alexanderplatz zum Kulturforum / Rathaus Steglitz, z.B. bei der Umgestaltung von Molkenmarkt und Spittelmarkt
• Straßenbahn: Beschaffung langer statt kurzer Neubauzüge, insbesondere Zweirichtungsfahrzeuge
• Verbesserungen für Umsteiger, z.B. am S-Bahnhof Greifswalder Straße: Durch den Bau zusätzlicher Treppen wäre ein direkter Umsteigeweg zwischen S-Bahnsteig und Straßenbahnhaltestellen möglich (Pressemeldung Berliner Fahrgastverband IGEB, 22.12.09).

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