U-Bahn: Eröffnung der U55

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Am 8. August wurde mit der U55 Deutschlands kürzeste und teuerste U-Bahn-Linie in Betrieb genommen. Sie bietet noch keinen Anschluss an das U-Bahn-Netz, verbindet dafür aber zwei S-Bahn-Strecken und erschließt den Berliner Hauptbahnhof, dessen Erreichbarkeit damit mehr als drei Jahre nach seiner Eröffnung endlich geringfügig verbessert wird. Doch auf die wichtigeren neuen Strecken zur besseren Erschließung des Hauptbahnhofs, eine Straßenbahn von Prenzlauer Berg/Mitte über Hauptbahnhof nach Moabit und eine S-Bahn von Gesundbrunnen über Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz/Südkreuz, sollen die Fahrgäste noch viele Jahre warten.
Es gibt wahrlich wichtigere Projekte in Berlin, als den Bau und die Inbetriebnahme der 1,4 km kurzen Stummellinie. So hätten für die 320 Millionen Euro Baukosten der U55 20 km innerstädtische Straßenbahnneubaustrecken realisiert werden können, wovon sehr viel mehr Fahrgäste profitiert hätten. Obendrein werden nun, um die Stummellinie an die Stammstrecke der U5 am Alexanderplatz anbinden zu können, am Ende sicherlich weitere 500 Millionen Euro benötigt werden.
Doch die Entscheidungen sind gefallen. Deshalb gilt es nun, die Lücke zwischen U5 und U55 zügig zu schließen und dabei die Belastungen der Fahrgäste anderer Linien auf ein absolutes Minimum zu begrenzen. So muss die vorgesehene Unterbrechung der wichtigen Nord-Süd-Linie U6 durch Straffung der Bauabläufe verkürzt werden und deutlich unter einem Jahr bleiben. Die Buslinien müssen im Umfeld der Baustelle eigene Fahrspuren und an den Kreuzungen Vorrangschaltungen erhalten.
Zwar hat die U55 durchaus eine gewisse Bedeutung zur Erreichung des Hauptbahnhofs, einerseits durch die Engpässe beim Umsteigen im S-Bahnhof Friedrichstraße, andererseits durch das S-Bahn-Chaos mit noch monatelang ausgedünnten Fahrplänen.
Doch das U55-Angebot nützt den Fahrgästen, die die Straßenbahn oder eine attraktive Nord-Süd-Anbindung zum Hauptbahnhof benötigen, nichts. Deshalb muss der Senat endlich auf seine Forderung nach durchgängig vier Fahrspuren auf der Invalidenstraße verzichten, damit die Planfeststellung für die Straßenbahn schnell abgeschlossen werden kann. Und er muss kurzfristig die S21 als S-Bahn-Verkehr im Fernbahntunnel bestellen, wie sie vom 20. Juli bis 2. August 2009 fuhr, anstatt die Fahrgäste auf Verbesserungen im Jahr 2022 zu vertrösten. Denn erst dann – „frühestens“ (Abgeordnetenhaus-Drucksache 16/11213) – soll der neue Nord-Süd-Tunnel für die „klassische“ Berliner S-Bahn fertiggestellt sein (Pressemeldung Berliner Fahrgastverband IGEB, Fotos Thomas Splittgerber, Bodo Schulz, www.album-berliner-verkehr.de, 10.08.09).

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