Bahnverkehr: Bündnis 90/Die Grünen: Antwort zur Einstellung des Nachtzugs Berlin – Brüssel

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Als Reaktion auf den Offenen Brief zur Einstellung des Nachtzugs Berlin/Hamburg-Brüssel-Paris (Der LOK Report berichtete) gibt es jetzt eine gemeinsame Anwort der drei Bahnunternehmen DB, SNCF und SNCB.
Alle drei Bahnchefs reagieren in einem gemeinsamen Brief auf den von Michael Cramer initiierten Offenen Brief vom 28.10.2008, der die Einstellung der CityNightLine Verbindung zwischen Hamburg/Berlin-Brüssel-Paris ab Mitte Dezember 2009 scharf kritisiert. Insgesamt hatten innerhalb weniger Tage mehr als 500 Personen den Brief spontan mitunterschrieben.
Hier nun für alle Unterzeichner und Interessierte der Antwortbrief:
Sehr geehrter Herr Cramer,
vielen Dank für Ihren Offenen Brief vom 28. Oktober 2008 und Ihre kritischen Anmerkungen zur CityNightLine-Verbindung zwischen Hamburg/Berlin und Brüssel-Paris zur Fahrplanperiode 2008/2009. Bitte erlauben Sie mir, dass ich Ihre Anfrage auch im Namen von Herrn Pepy und Herrn Haek beantworte, die Sie ebenfalls angeschrieben haben.
Die Einführung neuer Hochgeschwindigkeitsverbindungen hat das internationale Angebot um zusätzliche und häufigere schnelle Verbindungen spürbar erhöht. Parallel hierzu hat eine kritische Überprüfung des Gesamtangebots und insbesondere der Nachtzugverbindungen stattgefunden. Nachtzüge haben eine geringe Gewinnmarge und setzen die gesamte unternehmerische Rentabilität im internationalen Personenverkehr unter Druck. Insbesondere im jetzigen Marktumfeld werden DB, SNCF und SNCB gleichermaßen ständig daran erinnert, ihre Rentabilität zu verbessern und konkurrenzfähige Dienste zu priorisieren.
Bis Mitte des Jahres 2007 verkehrten vier Nachtzuglinien zwischen Deutschland und Frankreich: Die Linien von Berlin und Hamburg über Brüssel sowie von München und Frankfurt über Straßburg. Mit der Einführung der Hochgeschwindigkeitsverkehre zwischen Frankfurt und Paris im vergangenen Jahr wurde die parallele Nachtzuglinie eingestellt. Die Linie ab München trug ab diesem Zeitpunkt die kompletten Kosten des Laufwegs (Trassen-, Lok- Lokführerkosten u.a.) von Karlsruhe bis Paris allein (d.h. ohne die SNCF) und war damit nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.
Nach der Bewertung der verschiedenen Varianten, diese Situation zu ändern, hat sich die Deutsche Bahn AG dazu entschieden, die umsatzstärksten Linien (Berlin-Paris und München-Paris) zusammenzulegen und gemeinsam über Saarbrücken / Forbach zu führen.
Ähnliche Erwägungen gab es bei der SNCB, die sich auf eine Hochgeschwindigkeitsstrategie im Fernverkehr konzentriert. Ohne ins Detail der Betriebskosten zu gehen, weisen wir darauf hin, dass sämtliche Ressourcen für die Durchführung von Lok bespannten Zügen entsprechenden Aufwand und nicht unbeträchtliche Kosten verursachen. Diese Parameter haben auch die DB bei ihrer Entscheidung für die genannte Variante geleitet, die die wirtschaftlich beste Alternative mit den geringsten Veränderungen für die Kunden darstellt.
Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Brüssel bleibt ein wichtiger Haltepunkt in Richtung Frankreich, auch für die Reisenden in Richtung London mit dem Eurostar. Sie verweisen in Ihrem Schreiben auch auf den hohen Auslastungsgrad der Nachtzüge. Dies gewährleistet aber noch keine ausreichende Rentabilität (was erst recht für den Brüssel-Takt auf dieser internationalen Verbindung gilt).
Die drei von Ihnen angesprochenen Eisenbahnen halten es weiterhin für sinnvoll, auf langen Strecken mit einem Nachtreiseangebot eine Alternative zum Flugzeug zu bieten, wie dies z.B. die Deutsche Bahn AG in großem Umfang tut. Aber wir bitten um Ihr Verständnis, dass dies nur eine Perspektive hat, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Produktes tragfähig bleiben. Dies wird mit den neuen Verbindungen über Saarbrücken und Forbach nach Paris sichergestellt.
Sehr geehrter Herr Cramer, wir haben versucht zu erklären, wie betriebswirtschaftliche Daten zu dieser für uns schweren Entscheidung geführt haben und dass sie insbesondere das Ergebnis von Rentabilitätsprüfungen ist. Uns ist bewusst, dass derartige unternehmerische Entscheidungen nicht ausschließlich auf Zustimmung stoßen. Ich hoffe dennoch, dass ich Ihnen die Hintergründe unserer Entscheidung näher bringen konnte.
Da Ihre Anfrage von zahlreichen Personen unterstützt wurde, wären wir Ihnen verbunden, wenn Sie eine Kopie meines Antwortschreibens an diesen Kreis verteilen könnten.
Mit freundlichen Grüßen
Hartmut Mehdorn (Pressemeldung Michael Cramer, MdEP und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, 21.01.09).

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