Bahnhöfe: Allianz pro Schiene: Dachverlängerung des Berliner Hauptbahnhofes nicht sinnvoll

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Die Allianz pro Schiene hat an den Verkehrsausschuss des Bundestages appelliert, am Mittwoch der vom Bundesverkehrsministerium empfohlenen Verlängerung des Hallendaches des Berliner Hauptbahnhofes nicht zuzustimmen. „Der vom Ministerium mit 63 Millionen Euro bezifferte Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen“, sagte Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege am Dienstag in Berlin. Das im Vergleich zur Ursprungsplanung kürzere Hallendach sei ein „Luxusproblem, dessen Lösung der Masse der Bahnreisenden nichts bringt“.
Die Allianz pro Schiene hatte den Berliner Hauptbahnhof im vergangenen Jahr zum „Bahnhof des Jahres“ gekürt. In der Jurybegründung hieß es unter anderem, der Bahnhof sei „ein Zukunftssymbol des Verkehrsträgers Schiene“, wobei das verkürzte Glasdach und die abgehängte Decke im Tiefbahnhof „aus Kundensicht keine echten Ärgernisse“ seien. Der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer forderte den Bundestag auf, die 63 Millionen Euro „lieber sinnvoll in das Schienensystem zu investieren, etwa in Lärmminderungsmaßnahmen bei Güterzügen oder in eine Modernisierungsoffensive für vernachlässigte Bahnhöfe in der ganzen Republik“.
Als „völlig unzumutbar“ bezeichnete Flege die vorgesehene komplette Sperrung des oberirdischen Teils des Berliner Hauptbahnhofs für den Fall der Dachverlängerung. In dem Bericht des Bundesverkehrsministeriums, der der Allianz pro Schiene vorliegt, heißt es „Eine konventionelle Montage unter ‚rollendem Rad‘ lässt die spezifische Konstruktion des Hallendachs (…) nicht zu (…). Deshalb kommen nur Lösungen mit Vollsperrung des Berliner Hauptbahnhofes in Ost-West-Richtung in Betracht.“ Nach Ministeriumsangaben wäre der komplette Fernverkehr, Regional- und S-Bahn-Verkehr für einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten von der Sperrung betroffen. „Für hunderttausende Bahnkunden ginge im Zentrum Berlins in Ost-West-Richtung auf der Schiene rein gar nichts mehr, nur damit das architektonische Bild des Regierungsviertels noch eleganter werde“, kritisierte Flege.
Allein die Vollsperrung der oberirdischen Gleise des Berliner Hauptbahnhofs schlägt nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums mit 19 Millionen Euro „Folgekosten aus der Störung des Bahnbetriebs“ zu Buche, die eigentliche Dachverlängerung mit 44 Millionen Euro. In Presseberichten zur Dachverlängerung war unter Bezugnahme auf den Ministeriumsbericht statt der fälligen 63 Millionen Euro bislang lediglich von 53 Millionen Euro Gesamtkosten die Rede. In dem Ministeriumsbericht wird jedoch ausdrücklich darauf verwiesen, dass die 53 Millionen Euro „netto“, also ohne 19 Prozent Mehrwertsteuer, sind (Pressemeldung Allianz pro Schiene, 25.06.08).

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