Straßenverkehr: Studie für Brandenburg zeigt: Tempolimit macht Sinn / Dellmann: jetzt auf Bundesebene Studien aktualisieren

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Pressemitteilung Nr: 174/2007 vom 08.11.07

Eine vom Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung in Auftrag gegebene Studie zeigt: ein Tempolimit auf Brandenburger Autobahnen würde Unfallkosten in Millionenhöhe sparen, Menschenleben retten und den Verkehrsfluss deutlich erhöhen. Der volkswirtschaftliche Nutzen eines Tempolimits wäre deutlich größer als die Kosten.

Infrastrukturminister Reinhold Dellmann: „Für Brandenburg wissen wir aus der Studie jetzt, dass ein Tempolimit auf Autobahnen volkswirtschaftlich Sinn macht. Der Gewinn entsteht durch mehr Verkehrssicherheit und ist deutlich größer als die Kosten für längere Fahrzeiten. Zudem erhöht sich die Kapazität der Autobahnen erheblich durch einen besseren Verkehrsfluss. Jetzt sollte die Bundesregierung ihre Studien aktualisieren, die unsere Erfahrungen überprüfen und alte Daten ersetzen.“

Die Studie ist im Internet auf der Startseite des Ministeriums zu finden unter : mehr

Die wesentlichen Erkenntnisse:
• Dort wo in Brandenburg Tempolimits auf Autobahnen eingeführt wurden, ging die Zahl der Unfälle und Verkehrstoten um 20-50 Prozent zurück. Dies deckt sich mit Erfahrungen bei früheren Tempolimits z.B. während der Ölkrise oder bei Großversuchen in den 1970er Jahren.

• Die Kapazität der Autobahnen würde sich erhöhen, weil langsameres und gleichmäßigeres Fahren den Durchsatz von mehr Fahrzeugen pro Stunde ermöglicht. Eine sechsstreifige Autobahn könnte bei Tempo 130 pro Tag 14.400 Fahrzeuge mehr aufnehmen (7.200 je Richtungsfahrbahn).

• Volkswirtschaftlich betrachtet ist der Nutzen eines Tempolimits durch weniger Unfallkosten in Brandenburg größer als die Kosten für längere Fahrzeiten. Die Unfallkosten würden von heute rund 45 Millionen Euro auf 33 Millionen Euro auf den bisher noch nicht begrenzten Autobahnen sinken (453 von 790 Kilometer).

Weitere Argumente:
• Bundesweit sterben jährlich 600 bis 700 Menschen auf den Autobahnen. In Brandenburg sind es 40 bis 60 pro Jahr. Die Autobahnen sind nicht die sichersten Straßen.

• Die gefahrenen Geschwindigkeiten auf den Autobahnen sind immer höher geworden. Die Aussage, die Durchschnittsgeschwindigkeit sei derzeit ja ohnehin eher niedrig verschweigt, dass darin auch der gesamte Schwerverkehr steckt, der nur 80 Kilometer pro Stunde fahren darf. Fakt ist, dass die Geschwindigkeiten auf Brandenburger Autobahnen oft jenseits der 230 auf der linken Fahrspur liegen, wobei 15 Prozent der Autos noch schneller fahren (Messstelle an der A 9). Je schneller gefahren wird, desto höher ist die Gefahr zu verunglücken. Daher ist überhöhte Geschwindigkeit auch Unfallursache Nummer eins auf der Autobahn.

• Ein Tempolimit ist nicht wirtschaftsfeindlich. Im Gegenteil könnte ein Innovationsschub in der Automobilindustrie ausgelöst werden, hin zu klimafreundlicheren und verbrauchsärmeren Modellen.

• Da Autokauf stark emotional motiviert ist, wird zudem auch weiterhin ein Markt für deutsche Luxusautos bestehen. Deren Attraktivität für bestimmte Käuferschichten bestimmt sich nicht in erster Linie durch die auf Autobahnen erlaubte Geschwindigkeit. Das zeigt sich zum Beispiel in den USA, wo deutsche Autos trotz Tempolimit sehr beliebt sind.

• Deutschland ist das einzige europäische Land, in dem noch kein Tempolimit für Autobahnen gilt. Eine bisweilen geforderte „europäische Lösung“, macht keinen Sinn, weil sie schon existiert – außer in Deutschland.

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