Bahnverkehr + Regionalverkehr: Berlin/Brandenburg: VBB findet ProNetz begrüßenswert, aber nicht ausreichend

http://www.lok-report.de/

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) begrüßt das von der Deutschen Bahn AG beschlossene Sanierungsprogramm ProNetz und fordert den Konzern gleichzeitig auf, in Berlin und Brandenburg weitergehende Maßnahmen zur Qualitätssicherungs und -verbesserung des Regionalverkehrs in den Ländern Berlin und Brandenburg zu ergreifen.
Die Deutsche Bahn AG hatte am 09.03.07 in einer Pressekonferenz über die geplanten Infrastrukturmaßnahmen einschließlich der zu erwartenden Baustellen die Öffentlichkeit informiert. Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des VBB: „Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Deutsche Bahn AG die Instandhaltungsrückstände erkennt und Handlungsbedarf sieht.
Die heute vorgestellte Maßnahmenliste ist jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Sie muss dringend erweitert werden. Das Programm ProNetz gibt insgesamt keine Antwort auf eine der zentralen Zukunftsfragen, nämlich wie mehr Kapazität geschaffen werden kann. Bereits das heutige Netz gerät buchstäblich aus den Fugen, weil die vorhandenen Kapazitäten für den stark angestiegenen Güterverkehr gar nicht ausreichen.
Es ist zu befürchten, dass die positiv zu bewertende Entwicklung beim Güterverkehr mit Umsatzsteigerungen bis zu 40 Prozent zu Lasten des Regionalverkehrs geht. Rund 90 Prozent der Bahnkunden sind jedoch im Nahverkehr unterwegs. Allein aus diesem Grunde müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden, die die Mobilität der Kundinnen und Kunden im Nahverkehr sichern.
Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Deutsche Bahn AG umsatzorientierte Entscheidungen trifft und regional bedeutsame Strecken wie beispielsweise Falkenberg-Ruhland vernachlässigt.
Langsamfahrstellen und mangelhafte Abstimmung beim Erstellen der Baustellenpläne haben die Qualität der Infrastruktur in der Vergangenheit erheblich beeinträchtigt – zum Leidwesen der Fahrgäste. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg fordert die Deutsche Bahn AG auf, alle Maßnahmen zu stoppen, die die Streckenkapazität weiter verringern. Stattdessen müssen auf den wichtigen Hauptachsen dringend zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden.“
Aus Sicht des VBB sind die in der Pressemitteilung konkret genannten Beispiele für bevorstehende Infrastrukturmaßnahmen (Berlin – Rostock und Berlin – Frankfurt/Oder) nichts Neues. Diese Maßnahmen sind bereits langjährig geplant worden.
Die nachfolgend genannten Beispiele für Infrastrukturmängel sind nach Informationen des VBB nicht oder nicht vollständig im Bauprogramm der DB Netz AG für 2007 enthalten:
• Zwischen Berlin-Wannsee und Berlin-Charlottenburg kann die Brücke über den Hüttenberg nur mit 70 km/h statt der eigentlich vorgesehenen 120 km/h befahren werden. Für die einzelne Zugfahrt beträgt der Fahrzeitverlust zwar nur eine halbe Minute. Bei täglich 26.000 Reisenden auf diesem Abschnitt verlieren die Fahrgäste hier im Jahr in Summe 80.000 Stunden.
• Auf der Strecke Berlin – Elsterwerda – Dresden besteht eine gro ße Häufung von Geschwindigkeitseinbrüchen. Für den Regionalverkehr besonders problematisch sind diese Mängel im dicht befahrenen Abschnitt Blankenfelde – Wünsdorf-Waldstadt. Statt der eigentlich vorgesehenen 160 km/h (im Regionalverkehr 120 km/h) können hier teilweise nur 70 km/h gefahren werden. Diese Mängel sind auch eine Ursache für die hohe Verspätungsanfälligkeit des RE7.
• Auf der Strecke Berlin – Prenzlau – Stralsund ist derzeit eine Häufung von Langsamfahrstellen zu beobachten. Diese werden zwar in der Regel nach einigen Wochen wieder beseitigt, die Häufung ist nach Auffassung des VBB aber ein Indiz für einen insgesamt schlechten Zustand des Oberbaus. Aktuell kann an mehreren Stellen der Strecke statt der vorgesehenen 120 km/h nur 70 km/h gefahren werden.
• Auf der Strecke Falkenberg/Elster – Ruhland sind mehrere Geschwindigkeitseinbrüche enthalten, die bereits länger bestehen und in den regulären Fahrplan eingearbeitet sind. Da dort statt der vorgesehenen 100 km/h an vielen Stellen nur mit 50 oder 80 km/h gefahren werden kann, sind die Züge dort heute 7 Minuten länger unterwegs.
Auch auf der Strecke Berlin – Cottbus existieren einige Langsamfahrstellen, ebenfalls innerhalb des Bahnhofs Frankfurt (Oder). Diese Mängel werden jedoch zum überwiegenden Teil mit dem heute vorgestellten Bauprogramm beseitigt.
Die Rationalisierungen der letzen Jahre haben dazu geführt, dass die Kapazität des Netzes an wichtigen Stellen gesunken ist. Selbst wichtige Hauptstrecken wie Berlin – Stralsund oder Berlin – Dresden haben heute eine geringere Kapazität als vor fünfzehn Jahren. Aus Sicht des VBB sind daher folgende Maßnahmen erforderlich:
• Verzicht auf den Rückbau von Bahnhöfen und Blockstellen auf Hauptstrecken. Aktuelles Beispiel: Die Streckenkapazität auf der im internationalen Güterverkehr nach Polen stark befahrenen Strecke Falkenberg – Horka soll durch den Abbau von zwei so genannten Blockstellen eingeschränkt werden.
• Herstellung einer Zugfolgezeit von mindestens 5 Minuten auf den Hauptabfuhrstrecken in der Region. Aktuelle Beispiele: Auf der Strecke Berlin – Dresden können die Züge in Teilabschnitten nur im Abstand von ca. 10 Minuten hintereinander herfahren, auf der Strecke Berlin -Prenzlau – Stralsund sogar im Nordabschnitt nur im Abstand von 18 Minuten (Pressemeldung VBB, 10.03.07).

Schreibe einen Kommentar