Industrie: Stadler baut Standort Berlin aus, aus Berliner Morgenpost

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2006/10/18/wirtschaft/860353.html

Bahnhersteller aus Pankow erhält größten Auftrag der Firmengeschichte – Ab 2007 neue Jobs
Von Nikolaus Doll

Sitzplätze für bis zu 716 Passagiere und 160 km/h schnell: der Doppelstockwagen von Stadler, die neueste Entwicklung des Unternehmens
Berlin – Der Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler Rail baut den Standort Berlin aus und plant neue Produktionswerke in Polen und Ungarn. „Wir werden die Produktionsfläche in Pankow verdoppeln. Im Werk Velten wird darüber hinaus eine neue Linie zur Produktion von Straßenbahn-Komponenten eingerichtet“, sagte der Stadler-Vorstand und Chef der Stadler Pankow GmbH, Michael Daum, der Morgenpost. Zudem soll die Belegschaft deutlich aufgestockt werden.
Die Auftragsbücher bei Stadler Pankow sind derzeit gut gefüllt – nicht zuletzt aufgrund des Zuschlags für den Bau von 25 „Flirt“-Zügen, den der Privatbahn-Betreiber Rhenus Keolis Stadler jetzt erteilt hat. Die Züge sollen nach Lieferung im März 2008 auf dem Hellweg-Netz in Westfalen rollen. „Bei den ,Flirts‘ für Rhenus Keolis handelt es um den größten Einzelauftrag in der Geschichte von Stadler Pankow“, sagte Daum. Das Auftragsvolumen liege bei mehr als 100 Mio. Euro.
Stadler Pankow wird 2007 neben dem Auftrag für Rhenus Keolis unter anderem mehr als 40 Exemplare des Regionalzugs „Flirt“ sowie knapp 40 Straßenbahnen vom Typ „Vario“ und „Tango“ für deutsche Bahnbetreiber und Verkehrsbetriebe bauen. Um die Aufträge zügig abarbeiten zu können, mietet das im Jahr 2000 aus dem Adtranz-Werk hervorgegangenen Unternehmen am Sitz im Pankow-Park neue Hallen an und vergrößerte die Flächen für die Endmontage von 6000 auf 12 000 Quadratmeter. Insgesamt wird Stadler fünf bis sechs Mio. Euro in die Standorte Berlin und Velten investieren. Die Belegschaft soll 2007 von derzeit 460 auf 520 Mitarbeiter aufgestockt werden. „Wir suchen derzeit händeringend qualifizierte Ingenieure“, so Daum.
Allerdings kommen auf die Stadler-Mitarbeiter härtere Zeiten zu: Management und Betriebsrat haben ab 2007 eine Arbeitszeitverlängerung von zwei Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich vereinbart. „Wir müssen die Kosten im Griff behalten, denn die Preise auf dem Bahntechnik-Markt sind unter Druck“, begründet Daum die Vereinbarung.
Mit den Investitionen sowie neuen Produkten wie dem jüngst von Stadler entwickelten Doppelstock-Triebwagen will sich das Unternehmen für den schärferen Wettbewerb in der Bahntechnik-Branche rüsten. „Wir erleben bereits einen harten Preiskampf“, sagte Daum. Künftig müsse man zudem mit Anbietern aus den neuen EU-Beitrittsstaaten wie Tschechien oder Polen rechnen. „Man darf die Unternehmen nicht unterschätzen“, so Daum.
Noch ist aber Stadler am Drücker und drängt erfolgreich auf die Märkte dieser Länder. Nach größeren Aufträgen aus Budapest und Masowien (Region Warschau) plant die Stadler Group bei Folgeaufträgen neue Produktionswerke in den entsprechenden Regionen. „Wer vor Ort produziert, hat bessere Chancen“, sagte Daum.

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